Hirlatzhöhle

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Hirlatzhöhle

Hauptportal der Hirlatzhöhle

Hauptportal der Hirlatzhöhle

Lage: Oberösterreich, Österreich
Höhe: 870 m ü. A.
Geographische
Lage:
47° 32′ 42,7″ N, 13° 37′ 56,6″ OKoordinaten: 47° 32′ 42,7″ N, 13° 37′ 56,6″ O
Hirlatzhöhle (Oberösterreich)
Hirlatzhöhle
Katasternummer: 1546/7
Typ: Karsthöhle
Entdeckung: 1949 durch Karl Pilz aus Hallstatt
Gesamtlänge: 103.118 m (vermessen, Stand 03/2016)
Niveaudifferenz: 1.073 m (vermessen, Stand 01/2016)
Besonderheiten: Naturdenkmal (nd600)
Website: Höhlenverein Hallstatt / Obertraun

Die Hirlatzhöhle an der Nordflanke des Hirlatz im Dachsteingebirge bei Hallstatt ist mit über 100 km erforschter Länge und 1000 m Tiefe die derzeit drittlängste bekannte Höhle Österreichs.

Geographisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das System erstreckt sich vom Oberfeld im Osten bis zum Gamskogel im Westen. Die Ost-West-Erstreckung beträgt 5445 m, die Nord-Süd-Erstreckung 3662 m. Vertikal erstreckt sich die Höhle über 1073 Meter von 1517 m bis auf 443 m.

Die Höhle verfügt über fünf Eingänge. Drei davon sind nur für Taucher benutzbar, ein weiterer liegt in einer steilen Felswand. Aufgrund dieser Umstände bleibt für die effiziente Erforschung faktisch nur ein nutzbarer Eingang, was für Befahrungen, vor allem in tagfernen Bereichen, aufwändige Expeditionen von mehreren Tagen nach sich zieht.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polygonplan der Höhle

In der Hirlatzhöhle wird noch ständig geforscht. Die Forschungen werden vom Verein für Höhlenkunde Hallstatt-Obertraun koordiniert. Die Höhle ist ganzjährig verschlossen. Zum Passieren eines Versturzes wurde im Zuge einer Befahrung eine Sprengung durchgeführt. Tritthilfen, Stege und Leitern erleichtern Forschungsteams die Befahrung, welche aber nur in den Monaten von Jänner bis März möglich ist, da zu anderen Jahreszeiten der Wasserstand an manchen Stellen der Höhe sehr schnell schwanken kann und immer wieder zu Überflutungen führt. [1]

Der letzte Meilenstein im Längenzuwachs entstand durch den Zusammenschluss der Oberen Brandgrabenhöhle (Kataster Nr. 1546/6) mit der Hirlatzhöhle am 28. Dezember 2011 durch den Höhlentaucher Gerhard Wimmer, durch den die Hirlatzhöhle 100.068 m umfasst.[2] Bekannte Tiefe ist 1.073 m.

Als Hindernis für die weitere Forschung im Höhleninneren erweist sich ein riesiger Schlot namens Sahara, der bereits mehr als 270 Meter in die Höhe erforscht wurde und noch weiter hinauf reicht, jedoch das Hinaufklettern durch lockeres Gestein erschwert wird. Es besteht die Hoffnung, weiter oben eine Verbindung in ein noch weitgehend unerforschtes Höhlenareal namens Wadiland zu finden. Das Wadiland, in dem bereits ein großer Tunnel mit geschätzt mindestens 80 Metern Breite ausgemacht werden konnte, ist ansonsten nur durch einen 200 Meter langen Siphon erreichbar, der für die Trockenforschung nicht überwindbar ist. Tauchgänge wiederum sind aufwendig zu organisieren, weil die Ausrüstung zuerst mehrere Tage lang über zahlreiche Engstellen ins Höhleninnere transportiert werden muss. Im Jänner 2005 durchtauchte Ulrich Meyer diesen und einen weiteren Siphon. Dieser Tauchgang in der so großen Entfernung von 11.500 m zum Höhleneingang ist Weltrekord.

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höhlen stehen in Österreich prinzipiell (ex-lege) unter strengem Naturschutz. Diese Höhle wurde 1971 auch zum Naturdenkmal (nd600, Hallstatt und Obertraun) erklärt.[3] Das Gebiet liegt in der Kernzone des UNESCO-Welterbegebiets Kulturlandschaft Hallstatt–Dachstein/Salzkammergut (WHS 806) und im Europa- und Naturschutzgebiet Dachstein (Vogelschutz- und FFH-Gebiet, AT3101000/EU02; N098).[4]

Unglück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Februar 2016 brach der 54-jähriger Höhlenforscher Stefan D. aus Deutschland, Mitglied einer fünfköpfigen Gruppe deutscher und tschechischer Forscher, plötzlich tief im Berg zusammen. Zwei Männer stiegen heraus und konnten um 7:30 Uhr die Bergrettung Hallstatt alarmieren. Die Ärztin war um 13 Uhr beim Verunfallten und stellte seinen Tod und bereits eintretende Leichenstarre fest.[5][6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ARGE Hirlatzhöhlendokumentation (Hrsg.): Die Hirlatzhöhle im Dachstein. CD-Rom, Henndorf 2001, ISBN 3-9500833-1-6.
  • Gottfried Buchegger, Walter Greger (Red.): Die Hirlatzhöhle im Dachstein, ARGE Hirlatzhöhlenbuch, Hallstatt 1998, ISBN 3-9500833-0-8.
  • M. Meyberg, B. Rinne: Tauchen in der Hirlatzhöhle. Die Hirlatzhöhle im Dachstein, Red. G. Buchegger und W. Greger, PYTHEAS Verlag Budapest, Hallstatt 1998.

Forschung, chronologisch:

  • P. Seethaler: Forschungen im "Westen" der Hirlatzhöhle von 2007 bis 2011. In: Höhlenkundliche Vereinsinformation des Vereines für Höhlenkunde Hallstatt-Obertraun, Jg. 27, Obertraun 2011, S. 10–14 (pdf, land-oberoesterreich.gv.at).
  • P. Riha: Durch den Kessel in die Hirlatzhöhle. In: Höhlenkundliche Vereinsinformation, Obertraun 2006, S. o.A (pdf, land-oberoesterreich.gv.at).
  • A. Achleitner: Mikro-Föhneffekte in der Hirlatzhöhle. In: Höhlenkundliche Vereinsinformation Jg. 25, Obertraun 2004, S. 23–27 (pdf, land-oberoesterreich.gv.at).
  • P. Hübner: Vorstoß ins Wadiland, Höhlenkundliche Vereinsinformation, Jg. 22, Hallstatt 2000, S. 43–47.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hirlatzhöhle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Hirlatzhöhle, Dokumentation auf Servus TV, 2010, ausgestrahlt am 4. Jänner 2013
  2. Hirlatzhöhle mit Oberer Brandgrabenhöhle verbunden, 9. Januar 2012.
  3. Bescheid des Bundesdenkmalamtes vom 25. März 1971, Zl.2312/71.
    Angabe in Gerhard W. Mandl (Autor Kap. 2): Pilotprojekt „Karstwasser Dachstein“. Band 2: Karsthydrologie und Kontaminationsrisiko von Quellen. In: Geologische Bundesanstalt (Hrsg.): Archiv für Lagerstättenforschung. Band 21 (= Monographien Band 108 – M-108). Wien 2001, 2.4 Geologische Naturdenkmale in der Dachstein-Region, 15. Hirlatzhöhle, S. 42 (pdf, googledrive.com [abgerufen am 10. April 2014]).
  4. Europaschutzgebiet Dachstein (Vogelschutzgebiet und FFH-Gebiet, AT3101000), Naturschutzgebiet Dachstein in den Gemeinden Gosau, Hallstatt und Obertraun, Genisys
  5. http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Forscher-in-Hallstaetter-Hoehle-zusammengebrochen-tot;art4,2162927 nachrichten.at, 28. Februar 2016, 15h56, abgerufen 1. März 2016.
  6. http://ooe.orf.at/news/stories/2760195/ Herztod in Höhle nach 17 Stunden Arbeit, orf.at, 29. Februar 2016, abgerufen 1. März 2016.