Hirzenach

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Hirzenach
Stadt Boppard
Koordinaten: 50° 10′ 40″ N, 7° 38′ 36″ O
Höhe: 71 m ü. NHN
Einwohner: 290 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung: 31. Dezember 1975
Postleitzahl: 56154
Vorwahl: 06741
Hirzenach (Rheinland-Pfalz)
Hirzenach

Lage von Hirzenach in Rheinland-Pfalz

Hirzenach mit der Pfarrkirche St. Bartolomäus
Hirzenach mit der Pfarrkirche St. Bartolomäus

Die Ortschaft Hirzenach, gelegen am linken Ufer des Rheins und an den Hängen des rheinischen Schiefergebirges, ist einer von zehn Ortsbezirken der Stadt Boppard. Bis zum 31. Dezember 1975 war Hirzenach eine eigenständige Gemeinde. In Hirzenach besteht über den Haltepunkt Boppard-Hirzenach Anschluss an die Linke Rheinstrecke. Ein ortsbildprägendes Gebäude ist die Bartholomäuskirche.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort, der zwischen Sankt Goar und Bad Salzig liegt, hat etwa 330 Einwohner und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal. Heute lebt der Ort vor allem von Weinbau und Tourismus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts wurden von Kaiser Heinrich IV. Güter in Hirzenach an die Benediktinerabtei St. Michael in Siegburg vergeben mit dem Auftrag dort ein Kloster zu gründen. Die Schenkung wurde im Jahr 1109 durch Papst Paschalis II. bestätigt.[1] Ein Zeugnis der damals entstandenen Propstei ist die zu Beginn des 12. Jahrhunderts errichtete romanische Pfeilerbasilika St. Bartholomäus. Um 1250 wurde die ursprüngliche Choranlage durch den heute noch existenten frühgotischen Chor ersetzt. Die Propstei bestand bis zu ihrer Säkularisation im Jahr 1802. Die Kirche dient seit dieser Zeit als Pfarrkirche. Aus dem Wohngebäude der Pröpste wurde das Pfarrhaus, das auch Sitz des von Lea Ackermann gegründeten Vereins SOLWODI ist. Der barock gestaltete Propsteigarten aus dem frühen 18. Jahrhundert gilt als gartenhistorisch bedeutenden Anlage und ist Teil der Route der Welterbe-Gärten im oberen Mittelrheintal.

1900 erhielt der Ort einen Haltepunkt an der Linken Rheinstrecke.[2]

Die bis dahin eigenständigen Gemeinden Niederhirzenbach und Oberhirzenbach wurden 1924 zur Gemeinde Hirzenach zusammengeschlossen.[3]

1936 wurde etwa einen Kilometer südöstlich des Orts die Rhein-Freileitungskreuzung Hirzenach-Oberkestert errichtet. Sie ist die einzige Freileitungsquerung des Rheins zwischen Bingen und Koblenz und endet auf dem Gebiet des rechtsrheinischen Oberkestert.

Am 31. Dezember 1975 wurde Hirzenach in die neue Gemeinde Boppard eingegliedert.[4]

Wie auch andere Orte im Mittelrheintal hat Hirzenach einen starken Bevölkerungsrückgang zu verkraften, vom Spitzenwert 1950 mit 670 Einwohnern ist die Einwohnerzahl inzwischen unter 300 gesunken. Hinzu kommen die Auswirkungen des demographischen Wandels, so gehören lediglich 9,7 % der Einwohner zur Gruppe der unter 20-Jährigen, während 43,1 % zur Gruppe der über 60-Jährigen gehören.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat in Hirzenach besteht aus fünf ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die zuletzt bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 gewählt wurden, und dem ebenfalls ehrenamtlichen Ortsvorsteher als Vorsitzendem. Die Kommunalwahl aus dem Jahr 2014 brachte für die CDU drei und für die SPD zwei Sitze.[6]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dichter Ferdinand Freiligrath, der Gast in Hirzenach war, besingt in einem Sonett die „Linde bei Hirzenach“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hirzenach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Koelges: Zur Geschichte der Propstei Hirzenach (1100–1803), abgerufen am 26. Oktober 2017.
  2. Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 1. Dezember 1900. 4. Jahrgang, Nr. 55. Bekanntmachung Nr. 528, S. 409 und Berichtigung dazu in Nr. 57 vom 15. Dezember 1900, Nr. 560 , S. 4[28].
  3. www.regionalgeschichte.net: Geschichte von Hirzenach
  4. Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 160 (PDF; 2,8 MB).
  5. Wolfgang Wendling: Demografischer Wandel: Boppard verliert weniger Einwohner als befürchtet. In: Rhein-Zeitung. Ausgabe vom 9. Januar 2014 (online)
  6. www.boppard.de: Wahlergebnisse Ortsbeirat Abgerufen am 17. Januar 2018