Bad Salzig

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Koordinaten: 50° 12′ 18″ N, 7° 37′ 59″ O

Bad Salzig
Stadt Boppard
Wappen der ehemaligen Gemeinde Bad Salzig
Höhe: 95 m
Fläche: 4,2 km²
Einwohner: 2460 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 586 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1975
Postleitzahl: 56154
Vorwahl: 06742
Bad Salzig (Rheinland-Pfalz)
Bad Salzig

Lage von Bad Salzig in Rheinland-Pfalz

Bad Salzig am 26. August 2009
Hauptmann Theodor Hoffmann, Entdecker der Quellen (Büste am Eingang zum Kurpark)

Bad Salzig ist einer von zehn Ortsbezirken der linksrheinischen Stadt Boppard. Auf der rechten Rheinseite gegenüber ragen die Feindlichen Brüder Burg Liebenstein und Burg Sterrenberg hoch über den Rhein. Bis zum 31. Dezember 1975 war Bad Salzig eine eigenständige Gemeinde.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 667 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 33 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,7 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren nur minimal und sind extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 1 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Salzig liegt an der historischen Römerstraße, die entlang des Rheins von Mainz über Koblenz nach Köln verlief. Auf einem römischen Stationsverzeichnis von 215 taucht ein Ort Salissone auf, doch ist unklar, ob es sich dabei wirklich um das heutige Bad Salzig handelt. 1859 wurden zwei Meilensteine aus römischer Kaiserzeit (3. Jahrhundert) aus dem Rhein geborgen, die sich heute im Rheinischen Landesmuseum Bonn befinden.[1]

Ein Ort namens Salzachu, genannt in einer Schenkungsurkunde von König Konrad I. an das Stift St. Ursula (bestätigt von Hermann I., Erzbischof von Köln, 922) wird allgemein als erste urkundliche Erwähnung anerkannt.

In den nächsten Jahrhunderten blieben die Orte um Boppard frei, ehe sie durch König Heinrich VII. eingezogen wurden, der sie seinem Bruder, dem Erzbischof Balduin von Trier, 1327 übergab. Ende des 15. Jahrhunderts kam es zu erfolglosen Auflehnungen Salzigs gegen die Herrschaft des Kurfürstentums Trier.

Schaden durch Fremdherrschaft erlitt Salzig während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648), beim Einfall der Truppen Ludwigs XIV. in das Rheinland (1688/89) sowie in napoleonischer Zeit (1794–1814).

Nach dem Wiener Kongress 1815 fällt die Geschichte von Salzig im Allgemeinen mit derjenigen der preußischen Rheinprovinz (1822) zusammen. Im Besonderen ist als Markstein für die Entwicklung des Ortes die Eröffnung des Kurbetriebes 1907 von Bedeutung. Die salzig-schwefelhaltigen Quellen waren zwar schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt, doch erst Hauptmann Theodor Hoffmann, der das Gelände 1899 erworben hatte, gelang es, sie aufzubohren. In 449 m Tiefe konnte nach mehreren Versuchen 28 °C warmes Thermalwasser gewonnen werden. Den Zusatz „Bad“ trägt Salzig aber erst seit 1925. Seit 2003 ist dem Initiator des Bades am Eingang zum Kurpark ein Denkmal gesetzt.[2]

Am 31. Dezember 1975 wurde Bad Salzig in die neue Gemeinde Boppard eingegliedert.[3]

Wie auch andere Orte im Mittelrheintal hat Bad Salzig einen starken Bevölkerungsrückgang zu verkraften, vom Spitzenwert 1973 mit 3.424 Einwohnern ist die Einwohnerzahl inzwischen unter 2.500 gesunken.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat in Bad Salzig besteht aus 13 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die zuletzt bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 gewählt wurden, und dem ebenfalls ehrenamtlichen Ortsvorsteher als Vorsitzenden. Die Kommunalwahl aus dem Jahr 2009 brachte für die CDU fünf, SPD vier, Freie Wählergruppe Boppard drei Sitze und für die Bürger für Boppard einen Sitz.[5]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen dem Ortsbezirk Bad Salzig und dem Rhein verläuft die B 9. Diese 1968 gebaute Umgehungsstraße verbesserte die touristische Qualität des Ortskerns durch Entlastung vom Durchgangsverkehr.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Salzig hat den Schienenhaltepunkt Boppard-Bad Salzig an der linken Rheinstrecke. Dieser Haltepunkt wird im Stundentakt von der Nahverkehrslinie MRB 32 Mainz–Koblenz bedient und verbindet somit auch Bad Salzig mit der Kernstadt Boppard. Der Haltepunkt hat zwei Bahnsteiggleise mit 295 m Länge und einer Bahnsteighöhe von 34 cm. Da die Bahnsteighöhe an allen Haltepunkten und Bahnhöfen der linken Rheinstrecke auf 76 cm vereinheitlicht werden soll, hat der Bopparder Stadtrat im Jahr 2011 beschlossen, den Haltepunkt in Bad Salzig in den Folgejahren zu modernisieren und insbesondere die Bahnsteigkante zu erhöhen[6].

Der Haltepunkt war früher mal ein Bahnhof. Eröffnet wurde dieser im Jahr 1881.[7] Das Bahnhofsgebäude existiert heute noch und steht unter Denkmalschutz.[8] Es wird als Kultur- und Vereinszentrum genutzt. Im Dachgeschoss des alten Bahnhofs wurde ein Heimatmuseum eingerichtet.[9]

Schiffsverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Reede des Ortes genutzt, an der später bis 1980 die Zollleichterstelle Bad Salzig eingerichtet wurde.

1968 wurde Bad Salzig in die Rheinschifffahrt Köln-Düsseldorfer eingebunden.

Ab Bad Salzig (km 564,3) ist der Rhein in der zweitgrößten CEMT-Wasserstrassenklasse (VIc) eingestuft[10].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pietà in St. Ägidius
  • Die neogotische Pfarrkirche St. Ägidius, erbaut 1901 unter Verwendung älterer Bausubstanz, geht auf Vorläuferbauten zurück, die bis ins 10. Jahrhundert zurück datiert werden können. Der Schutzpatron, Ägidius von St. Gilles ist als Holzskulptur aus dem 14. Jahrhundert auf dem Hochaltar mit seinem charakteristischen Attribut, der Hirschkuh, vertreten. Das rechte der drei spätgotischen Glasfenster im Chor stellt ebenfalls den Nothelfer mit dem Tier dar. Auch die beiden anderen Chorfenster (links: Taufe Christi im Jordan, Mitte: Christus zwischen zwei Engeln) stammen aus der gleichen Zeit. Im linken Seitenschiff befindet sich eine Pietà aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
  • 2008 wurde im Kultur- und Vereinszentrum "Alter Bahnhof" ein Heimatmuseum eröffnet. Es dokumentiert die Geschichte Bad Salzigs als Wein- und Obstort sowie als Kurbad anhand von Fotos, Schriftstücken und Arbeitsgeräten.

Wein- und Obstbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinbau an diesem Abschnitt des Mittelrheins ist seit dem Mittelalter bekannt. Während die bekannten Steillagen des Bopparder Hamms (80 % Riesling) Weine erstklassiger Qualität hervorbringen, die regelmäßig prämiert werden, hat sich der Weinbau rund um Salzig nach den Zerstörungen, die die Einschleppung der Reblaus im 19. Jahrhundert mit sich brachte, nicht mehr erholt. Ende des 18. Jahrhunderts hatte ein Inventar des Kurfürstentums Trier über 400.000 Rebstöcke ausgezählt. Ein Koblenzer Weinhandelshaus hatte sowohl Weiß- als auch Rotwein aus Salzig im Angebot. Die Rebsorten sind nicht mehr nachvollziehbar.

Umgestiegen wurde auf Obstanbau, insbesondere Kirschen. In den Jahren von 1948 bis 1960 fand einmal jährlich ein traditionelles Blütenfest mit Blütenkönigin und Umzügen statt. Auch heute noch ist die Kirschblüte im Frühjahr rund um den Ort eine touristische Attraktion. Auf den vom Kurbezirk ausgehenden Wanderwegen durch die Kirschplantagen sind die verwitterten Begrenzungsmauern der einstigen Rebhänge noch erkennbar.

Kurbad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus 446 m Tiefe sprudelte seit 1907 viele Jahre das Heilwasser der kohlensäurehaltigen, alkalisch-muratischen Leonorenquelle (Glaubersalzquelle), das als „Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Sulfat-Säuerling“ qualifiziert war und zu Trinkkuren genutzt wurde.[2] Die zeitgleich erbohrte Barbaraquelle war 280 m tief. Sie ist heute allerdings versandet. Der Heilquellenschutz der Leonorenquelle ist im Jahr 2004 abgelaufen und wurde von der öffentlichen Hand nicht erneuert.[11] Nachdem die Quelle über Jahrzehnte hin verstopft war und nur noch wenig Wasser zu Tage trat und da die Quelle wichtig für die Bad Salziger Identität ist, ließ ihre Besitzerin die Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz sie im Jahr 2011 reinigen.[12] Die Brunnenbauer entfernten in einer Tiefe von 217 m einen Verschluss. Seitdem bringt die Quelle wieder 3000 Liter in der Stunde hervor, zuvor waren es 400 Liter.[13]

Die Mittelrhein-Klinik (178 Betten), heute eine Fachklinik der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz für psychosomatische und onkologische Rehabilitation, verordnet mit dem Wasser keine Trinkkuren mehr.

Der weitläufige Kurpark mit historischem Baumbestand, Teich und Promenadenwegen gehört zur Mittelrhein-Klinik mit Freizeit- und Veranstaltungsangebot für die Patienten, ist aber auch öffentlich zugänglich. Zum Kurbereich gehört auch das historische Bäderhaus mit der ehemaligen Trinkhalle, die von der Künstlerin Ursula Bertram neu gestaltet wurde. Das Quellwasser der Leonorenquelle, das nicht mehr zu therapeutischen Zwecken verwendet wird, kann hier probiert werden.

Am Kurpark steht ferner das Park-Hotel, das 1908 von Fräulein Emma Trost für die Kurgäste errichtet wurde. Nach wechselvoller Geschichte ist es heute eine zeitgenössischen Ansprüchen angepasste Stätte für Tagungen und Wellness-Arrangements.

Umgebung und Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aussichtsturm Fünfseenblick bei Bad Salzig

Durch den Kurpark von Bad Salzig geht der Rheinburgenweg, der als Strecken-Fernwanderweg sowohl nach Norden Richtung Boppard (Rheinhöhe Eisenbolz mit Kirschbaumplantagen) als auch nach Süden (Streuobstwiesen Richtung Hirzenach) attraktive Aussichtspunkte auf den Rhein, Bad Salzig, die gegenüberliegenden Ortschaften (Kamp-Bornhofen und Kestert) sowie die Feindlichen Brüder anbindet.

Zusätzlich gibt es am Rheinburgenweg vom Kurpark Bad Salzig aus seit Sommer 2012 eine so genannte Traumschleife (Rundwanderweg, 10,5 km). Diese geht auf die felsige Hochlay und vorbei am Aussichtspunkt Fünf-Seen-Blick (Rastplatz mit Ruheliege in einer Kurve der von der Fleckertshöhe herunterkommenden Straße) zum 2014 eingeweihten 27,4 m hohen Aussichtsturm Fünfseenblick,[14] weiter bergan über die Fleckertshöhe und wieder abwärts durch Streuobstwiesen in das lauschige Weilerbachtal. Am legendenbehafteten Aussichtspunkt Betende Nonne vorbei und durch die Ortschaft Weiler führt die Schleife oberhalb des Ortskerns von Bad Salzig zurück zum Kurpark.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bad Salzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aufstellung der Salziger Meilensteine. Abgerufen am 5. Juni 2016.
  2. a b Lilo Hagen: Theodor von Baginski oder Hauptmann Hoffmann, in: Die RHEINPFALZ, 5. April 2003 abgerufen am 10. März 2015
  3. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 172 (PDF; 2,6 MB)
  4. Rhein Zeitung: Demografischer Wandel: Boppard verliert weniger Einwohner als befürchtet abgerufen am 10. Januar 2014
  5. www.boppard.de: Kommunalwahl 2009 Abgerufen am 6. November 2012
  6. Mittelrhein-Kurier: Stellungnahme zum Haushaltsplan 2011 der Stadt Boppard; abgerufen am 30. Januar 2011
  7. www.regionalgeschichte.net: Bad Salzig Abgerufen am 19. Januar 2012
  8. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Rhein-Hunsrück-Kreis (PDF; 1,5 MB). Koblenz 2011.
  9. Bad Salzig am Rhein: Heimatmuseum; abgerufen am 30. Januar 2011
  10. Siehe dazu den Artikel Binnenwasserstraße (Kapitel zu Klasse_VIc) und das PDF-Dokument der Wasserstrassendirektion Suedwest über die (S. 4, km 564,3) Binnenwasserstraßen der Bundesrepublik Deutschland - Abschnitt III (abgerufen am 27. März 2016; PDF)
  11. Wolfgang Wendling: Bad Salzig: Gefahr für Heilquelle (PDF; 36 kB) In: Rheinzeitung vom 18. April 2008
  12. www.boppard.de: Leonorenquelle Bad Salzig sprudelt wie in Urzeiten Abgerufen 19. Juni 2012
  13. www.rhein-zeitung.de: Leonorenquelle sprudelt wieder aus der Tiefe Abgerufen am 9. Dezember 2011
  14. Aussichtsturm Fünfseenblick ... eingeweiht Pressemitteilung der Stadt Boppard vom 7. Mai 2014, abgerufen am 3. November 2015