Eduard Hlawitschka

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Eduard Hlawitschka (* 8. November 1928 in Dubkowitz im Böhmischen Mittelgebirge, Tschechoslowakei) ist ein deutscher Historiker, der die Geschichte des frühen und hohen Mittelalters erforscht.

Eduard Hlawitschka war der Sohn eines Maschinenschlossers. Er studierte an den Universitäten Rostock,[1] Leipzig und Freiburg/Br. Bei Gerd Tellenbach wurde er 1956 in Freiburg promoviert. Er war Angehöriger des von Tellenbach begründeten „Freiburger Arbeitskreises“ zur mittelalterlichen Personenforschung.[2] Ab 1961 war wissenschaftlicher Assistent an der Universität Saarbrücken, wo er sich 1966 bei Ludwig Buisson und Eugen Meyer mit der Arbeit Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte habilitierte. Von 1967 bis 1969 arbeitete er am Deutschen Historischen Institut in Rom. 1969 wurde er an die Universität Düsseldorf berufen. Von 1975 lehrte er bis zu seiner Emeritierung als Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität München, wo er ab 1985 die Abteilung mittelalterliche Geschichte der Münchener Historischen Studien betreute. Seit 1979 ist er ordentliches Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, von 1990 bis 1994 war er deren Präsident.

Hlawitschka befasste sich mit genealogischen Untersuchungen des Adels. Er diskutierte vor allem mit Armin Wolf und Donald C. Jackman Probleme der konradinischen Genealogie des 10. Jahrhunderts. Ausgangspunkt der Kontroverse war ein erst im 12. Jahrhundert in der welfischen Hausüberlieferung genannter „nobilissmus comes“ Kuno von Öhningen. Dieser war mit einer „filia Otthonis Magni [...] Richlint nomine“ vermählt. Eine Gleichsetzung Kunos mit dem Konradiner Herzog Konrad von Schwaben hätte hohe Bedeutung für den Thronwechsel des Jahres 1002, denn sein Sohn Hermann II. von Schwaben könnte sich dann bei seiner Thronbewerbung auf ottonische Abstammung berufen. Der Thronwechsel von 1002 hat in der älteren verfassungsgeschichtlichen Forschung hohe Bedeutung für die Frage, ob und wie lange bei der Königswahl Wahl- oder Erb- bzw. Geblütsrecht bestimmend waren. Bei der in zeitgenössischen Quellen nicht nachweisbaren „Richlint“ wird diskutiert, ob sie eine Tochter oder Enkelin Ottos des Großen war. Im Jahr 2003 legte Hlawitschka einen „Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput“ vor.[3]

Für seine Forschungen wurden ihm zahlreiche Ehrungen und Mitgliedschaften zugesprochen. 1987 erhielt er den Sudetendeutschen Kulturpreis für Wissenschaft. Ihm wurde der Prix de Liechtenstein 1991 der Confederation Internationale de Genealogie et d'Heraldique verliehen. Außerdem erhielt er 1991 die Goldene Medaille der Comenius-Universität Bratislava. Der Heimatkreisverbande Leitmeritz e.V. ehrte ihn 2001 mit der Ulrich-von-Eschenbach-Plakette. Die Universität Olmütz verlieh ihm 2006 die Verdienstmedaille. Die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste würdigte ihn 2008 mit der Medaille „Pro meritis“.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

  • Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk. 2006–2013;
  • Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput (= Monumenta Germaniae Historica. Studien und Texte. Bd. 32). Hahn, Hannover 2003, ISBN 3-7752-5732-2.
  • Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“ (= Vorträge und Forschungen. Sonderbd. 35). Thorbecke, Sigmaringen 1987, ISBN 3-7995-6695-3.
  • Vom Frankenreich zur Formierung der europäischen Staaten- und Völkergemeinschaft 840–1046. Ein Studienbuch. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1986, ISBN 3-534-03566-6.
  • Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert (= Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung. Bd. 4, ISSN 0454-2533). Minerva-Verlag Thinnes u. Nolte, Saarbrücken 1969.
  • Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte (= Schriften der Monumenta Germaniae Historica. Bd. 21, ISSN 0080-6951). Hiersemann, Stuttgart 1968.
  • Studien zur Äbtissinnenreihe von Remiremont (7.–13. Jh.) (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde des Saarlandes. Bd. 9, ISSN 0537-801X). Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 1963.
  • Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien. (774–962). Zum Verständnis der fränkischen Königsherrschaft in Italien (= Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte. Bd. 8, ISSN 0532-2197). Alber, Freiburg (Breisgau) 1960 (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Universität, Dissertation, 1956).

Herausgeberschaften

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Rudolf Schnith, Roland Pauler (Hrsg.): Festschrift für Eduard Hlawitschka zum 65. Geburtstag (= Münchener Historische Studien. Abteilung Mittelalterliche Geschichte. Bd. 5). Lassleben, Kallmünz 1993, ISBN 3-7847-4205-X.
  • Wolfgang Weber: Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Lehrstuhlinhaber für Geschichte von den Anfängen des Faches bis 1970. 2., durchgesehene und durch ein Vorwort ergänzte Auflage. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1987, ISBN 3-8204-1051-1.
  • Wer ist wer? Das deutsche Who's Who. XLVII. Ausgabe 2013/14, S. 462

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Eduard Hlawitschka im Rostocker Matrikelportal
  2. Karl Schmid: Der Freiburger Arbeitskreis'. Gerd Tellenbach zum 70. Geburtstag. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 122 (1974), S. 331–347.
  3. Eduard Hlawitschka: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hannover 2003.