Holtzendorff-Garage

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Holtzendorff-Garage, September 2008

Die Holtzendorff-Garage in Berlin war eine von den bekannten Berliner Architekten Walter und Johannes Krüger zwischen 1928 und 1929 realisierte Großgarage mit öffentlicher Tankstelle an der Ecke Heilbronner Straße und Holtzendorffstraße (Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Ortsteil Halensee).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in den Formen der Neuen Sachlichkeit gestaltete Holtzendorff-Garage befand sich auf einem von der Deutschen Reichsbahn verpachteten Grundstück direkt am Fahrdamm der Stadt- und Fernbahn. Bauherr der Großgaragenanlage war die Deutsche Mineralöl-Vertriebs-Gesellschaft mbH (Minex). Baubeginn war der 15. Oktober 1928. Eröffnet wurde die Garagenanlage am 30. Mai 1929. Ausgeführt wurde die Gesamtanlage von der Wilmersdorfer Baufirma Wittling & Güldner.

Wie bei allen Großgaragen der Zwischenkriegszeit allgemein üblich wurden hier Automobile garagiert, repariert und mit Kraftstoffen versorgt.[1] Ursprünglich verfügte die Holtzendorff-Garage über 47 Einzelgaragen, die für etwa zwei Reichsmark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 7 Euro) am Tag gemietet werden konnten. Am Ostende der Garagenanlage befand sich die Reparaturwerkstatt. Die Ein- und Ausfahrt zum Garagenhof erfolgte durch die an der Straßenecke gelegene öffentliche Tankstelle. Eine zweite, den Brandschutzvorschriften geschuldete, Ausfahrt befand sich an der Heilbronner Straße.

Die von Hugo Schlemmer und Hans Schirmacher gegründete Minex betrieb die Großgarage bis Ende 2002. Zu diesem Zeitpunkt waren die Reihengaragen und die Tankstelle noch in großen Teilen erhalten. Nach 2002 wurde das Grundstück samt Großgarage dann von der Deutschen Bahn AG verkauft. Die Nutzung als Garagenanlage wurde auch vom neuen Eigentümer zunächst weitergeführt.

Ab 2010 begann an der im Dezember 2009 unter Denkmalschutz gestellten Großgarage dann der schleichende Verfall – die Garagen wurden entmietet, die kleine Reparaturwerkstatt aufgegeben und das Areal dem Vandalismus preisgegeben. 2012 wurden mit Zustimmung der Bezirksverwaltung und der Denkmalbehörde alle stählernen Garagentore von 1929 entfernt und ein Großteil der denkmalgeschützten Garagenanlage abgerissen.[2] Die am Bahndamm noch verbliebenen Garagen werden mit den Tiefbauarbeiten für den geplanten Wohnungsneubau beseitigt.

Mit dem Substanzverlust seit 2012 (Garagenanlage und Werkstatt) verlor das Baudenkmal (Obj.-Dok.-Nr.: 09090086 Heilbronner Straße 12–13, Holtzendorff-Garage, Garagenanlage mit Tankstelle und Werkstatt)[3] einen Großteil seines historischen Zeugniswertes als ein Vertreter der Bauaufgabe Großgarage. Erhalten bleiben soll aber die einstmals markante Architektur der Tankstelle an der Straßenecke als Spolie des Automobilismus der 1920er Jahre in Berlin.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • o.V.: Walter und Johannes Krüger, Berlin. In: Bauwelt, 52/1929, S. 1301–1310 (= Beil. S. 1–10)
  • Dietrich Wobs: Die Holtzendorff-Garage. In: Elke Blauert (Hrsg.): Walter Krüger, Johannes Krüger – Architekten (Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin), Berlin 2004, S. 41–45, ISBN 3-88609-491-X
  • Thomas Katzke: Die Großstadtgarage. Einfluss der Automobilisierung auf die Berliner Architektur der Zwanziger Jahre (Abschlussarbeit, Institut für Geschichtswissenschaften, Ergänzungsstudiengang Geschichte der Berlin-Brandenburgischen Kulturlandschaft), Humboldt Universität Berlin 2005, S. 42

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Holtzendorff-Garage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. René Hartmann: Architektur für Automobile – Hochgaragen und Parkhäuser in Deutschland. Eine Auto[mobil]-Vision im 20. Jahrhundert (Dissertation, Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik), Technische Universität Berlin 2015
  2. Nadia Rouhani: Der A.T.U.-Milliardär und die Holtzendorff-Garagen. Nadia Rouhani, Bezirksverordnete. Charlottenburg-Wilmersdorf. Grün. Fraktionslos., 4. Oktober 2015, abgerufen am 18. November 2015 (Darstellung der Geschichte des Denkmalverlustes).
  3. LDL Berlin: Holtzendorff-Garage
  4. Cay Dobberke: Wohnen im Bürohochhaus mit Panoramablick. Berlin-Halensee. In: Der Tagesspiegel. 23. Juni 2015, abgerufen am 2. November 2015.

Koordinaten: 52° 30′ 8″ N, 13° 17′ 45″ O