Honesta missio

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Militärdiplom mit Honesta missio herausgegeben unter dem Prinzipat des Claudius
Militärdiplom mit Honesta missio ausgestellt unter dem Kaiser Titus

Honesta missio bezeichnete im Römischen Reich die ehrenvolle Entlassung aus dem Militärdienst. Sie war mit besonderen Privilegien verbunden (praemia militiae). Unter anderem wurde den Legionären von einer durch Augustus errichteten Staatskasse, dem Aerarium militare,[1] ein Entlassungsgeld ausgezahlt, das bis zum Prinzipat Caracallas 12.000 Sesterzen betrug.[2]

Besondere Privilegien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrscheinlich erhielten alle entlassenen Soldaten eine Bescheinigung, von der sich nur wenige, von der modernen Forschung als tabulae honestae missionis bezeichnete Exemplare erhalten haben, da sie überwiegend aus vergänglichem Material angefertigt worden sein dürften.[3]

Auxiliarsoldaten erhielten in der Regel zusammen mit der honesta missio sowohl das römische Bürgerrecht wie auch die Heiratserlaubnis (Conubium) für sich und ihre Nachkommen. Die kaiserliche Verordnung über diese Verleihungen wurden vielfach auf bronzenen Militärdiplomen dokumentiert, die aber nicht unbedingt in direktem Zusammenhang mit der Entlassung standen.[4]

Soldaten aller Truppengattungen, die nach Ableistung ihrer regulären Dienstzeit oder bei vorzeitiger Entlassung wegen Invalidität sowie aufgrund des kaiserlichen Wohlwollens ihre ehrenvolle Entlassung erhalten hatten, galten als Veteranen, denen mitunter Steuererleichterungen (privilegia veteranorum) gewährt wurden.[3] Ein solcher Veteran konnte als Evocatus in den Dienst der Legion zurück berufen werden, sofern er dazu bereit war.[5]

Andere Formen der Entlassung aus dem Militärdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der honesta missio gab es noch die vorzeitige Entlassung aus gesundheitlichen Gründen (missio causaria) (Invalidität zum Beispiel verursacht durch schwere Verletzungen im Kampf) und in Unehren (missio ignominiosa). In den meisten Fällen wurden Männer, die aus medizinischen Gründen entlassen wurden, wie ehrenhaft Entlassene behandelt, obwohl der Umfang der ihnen gewährten Bewilligungen nach der Dauer ihrer Dienstzeit bemessen wurde.

Die unehrenhafte Entlassung (missio ignominiosa) war die Strafe für Soldaten, die schwerer Verbrechen für schuldig befunden wurden. Diesen Männern war es gesetzlich verboten, in Rom zu leben oder in den kaiserlichen Dienst zu treten, und sie konnten gezeichnet (gebrandmarkt oder tätowiert) werden. Außerdem genossen sie keines der Rechte und Privilegien, die ehrenhaft entlassenen Soldaten gewährt wurden.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Kubitschek: Aerarium 3. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 672–674 (teils veraltet).
  2. Hans-Joachim Drexhage, Heinrich Konen, Kai Ruffing: Die Wirtschaft des Römischen Reiches (1.-3. Jahrhundert): Eine Einführung. Akademie Verlag, 2002, ISBN 3-05-003430-0, S. 51 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b Oliver Stoll: „Entlassungsweihungen“ aus Bostra und die honesta missio. (PDF) In: journals.ub.uni-heidelberg.de. S. 28 ff., abgerufen am 8. September 2020.
  4. Gegen die mitunter zu findende verkürzte Darstellung von Militärdiplomen als „Entlassungsurkunden“ vgl. z. B. Géza Alföldy: Zur Beurteilung der Militärdiplome der Auxiliarsoldaten. In: Römische Heeresgeschichte: Beiträge 1962–1985. Gieben, Amsterdam 1987, S. 51–65 (online; PDF – zuerst 1969). Das Dokument ist nicht mehr online verfügbar.
  5. Daniel Bühler: Macht und Treue: Publius Ventidius: Eine römische Karriere zwischen Republik und Monarchie. Allitera-Verlag, 2009, ISBN 978-3-86906-044-6, S. 73 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Dissertation).
  6. After Service - The Complete Roman Army. In: erenow.net. Abgerufen am 8. September 2020 (englisch).