Heiratserlaubnis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Heiratserlaubnis ist die Zustimmung eines Dritten zur Eheschließung.

Die Geschichte weist unterschiedliche Erscheinungsformen der Notwendigkeit der auch als Heiratslizenzen bezeichneten Erlaubnis auf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mit der Heiratserlaubnis ausgedrückte Zustimmung kann rechtlich geboten oder aus Machtansprüchen hergeleitet sein. Die Erlaubnis nahmen für sich sowohl Feudalherrscher als auch Dienstherren und Arbeitgeber in Anspruch. Dabei haben sowohl die Verdeutlichung von Hierarchie und Machtansprüchen, als auch die Wahrung der Qualität des Berufsstandes eine Rolle gespielt.

Im Mittelalter gestatteten in Städten Magistrat, Gilde oder Zunft nur demjenigen die Ehe und Familiengründung, der aufgrund von Vermögen oder Einkommen in der Lage war, eine Familie zu unterhalten (siehe auch: Ehe im Mittelalter).

Im 18. und 19. Jahrhundert galt Fabrikarbeit mithin nicht als ausreichende Grundlage für eine Ehe.[1] Ehebeschränkungen führten zu einem Anstieg des Heiratsalters und einer größeren Zahl ledig bleibender Männer und Frauen. Auch waren uneheliche Geburten in der Arbeiterschicht und in ländlichen Gebieten nicht unüblich.

Zum 1. Januar 1876 wurde durch das "Gesetz über die Beurkundung des Personenstands und der Eheschließung" grundsätzlich die Ehefreiheit eingeführt. Nur noch Soldaten und manche Beamte benötigten eine Heiratserlaubnis. Diese Ausnahmen wurden 1900 in das BGB und 1938 in das Ehegesetz (Deutschland) übernommen. Durch das Ehegesetz (Deutschland) von 1946 wurden diese Ausnahmen abgeschafft.

Beispiele aus dem militärischen Bereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Österreich-Ungarn: Zur Heiratserlaubnis für heiratswillige Heeres-Offiziere siehe Heiratskaution.
  • Preußische Armee: Um zu heiraten, musste die Heiratserlaubnis vorliegen, die vom Vorgesetzten erteilt wurde.
  • Deutsches Heer (Deutsches Kaiserreich): Für die Eheschließung musste eine vom Vorgesetzten erteilte Heiratserlaubnis vorliegen.
  • Wehrmacht: Die Angehörigen der Wehrmacht bedurften zur Heirat der Erlaubnis ihrer Vorgesetzten.[2]
  • Bundesgrenzschutz: Nach dem damaligen Bundespolizeibeamtengesetz war Beamten eine Eheschließung erst nach sechs Dienstjahren und dem Erreichen des 27. Lebensjahres möglich. Da sich schon bald Widerstand gegen dieses Gesetz bildete, wurde es am 28. September 1953 gelockert; der Vorgesetzte konnte eine Heiratserlaubnis erteilen.
  • Bundeswehr: Die im Jahr 1958 mit Erlass[3] getroffenen Regelungen wurden in der Truppe als „Heiratserlaubnis“ bezeichnet.
  • Österreich: Zeitverpflichtete Soldaten des Bundesheeres bedurften noch 1973 vor der Vollendung ihres dritten Dienstjahres zur Heirat der Erlaubnis des Bundesministeriums für Landesverteidigung.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. Kohler-Gehrig: Die Geschichte der Frauen im Recht (PDF; 241 kB), Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, August 2007, S. 12
  2. Wehrgesetz vom 21. Mai 1935. „Heiratserlaubnis, § 27: Die Angehörigen der Wehrmacht bedürfen zur Heirat der Erlaubnis ihrer Vorgesetzten.“ Das Gesetz wurde präzisiert in der Heiratsordnung, u.a. im Erlass des OKW vom 7. Mai 1941 Nr.2720/41. In Ziff. 7. des Erlasses wurde die Heirat mit Ausländerinnen grundsätzlich verboten. Als Ausnahmen war die „...Eheschließung mit rassisch verwandten Personen der germanischen Nachbarvölker Holland, Norwegen, Dänemark u. Schweden...“ genannt. In: Oertzenscher Taschenkalender für die Offiziere des Heeres, 63. Ausgabe, 1943, S. 342 ff, Verlag A. Waberg, Grimmen in Pommern.
  3. Erlaß vom 10. Januar 1958 – Fü B I 4 – Az 35-05-01 (Veröffentlicht in VMBl 1958 S. 95 unter „Führung und Ausbildung – Heirat von Soldaten“). Gemäß dem Erlass, Ziff. 4.a) hatte „[...] ein Soldat, der zu heiraten beabsichtigt, dieses spätestens vier Wochen vor Bestellung des Aufgebots seinem nächsten Disziplinarvorgesetzten zu melden [...] In der Meldung sind die Personalien der Braut und der beabsichtigte Termin der Heirat anzugeben.“ In Ziff. 5. wurde „Über die Heirat von Soldaten mit Ausländerinnen...“ ein besonderer Erlass angekündigt. Der Erlass wurde aufgehoben mit VMBl 1974, S. 162 unter „Innere Führung“
  4. § 39 Wehrgesetz