Hugo Ruppe

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Der Piccolo von Hugo Ruppe, 1907, 7 PS, 2 Zylinder, 794 cm³, 50 km/h, Collection Schlumpf, Mülhausen, Frankreich

Hugo Ruppe (* 15. August 1879 in Apolda; † 23. Januar 1949 in Gornau/Erzgeb.) war ein deutscher Ingenieur und Automobilpionier.

Leben[Bearbeiten]

Hugo Ruppe arbeitete nach seinem Maschinenbaustudium in Ilmenau im Betrieb seines Vaters – Ruppe und Sohn, ab 1912 Apollo-Werke AG – in Apolda. Dort entwickelte er preisgünstige Automobile, die Typen Apollo und Piccolo. 1903 präsentierte er sein erstes selbstentwickeltes Motorrad – die Apoldiana.

Hugo Ruppes M.A.F. Torpedo F5, 1914, 4 Zylinder, 1375 cm³, 14 PS, 70 km/h, Cité de l’Automobile – Musée National – Collection Schlumpf,Mülhausen, Frankreich
Spielzeugmotor von Ruppe, Bj. 1919

Ruppe verließ 1907 den Familienbetrieb und gründete in Markranstädt die Markranstädter Automobilfabrik, kurz M.A.F. Das Unternehmen produzierte Kleinwagen mit luftgekühlten Viertaktmotoren.

Hugo Ruppe war zwar ein guter Ingenieur, aber ein schlechter Geschäftsmann. Bereits 1911 stand sein Unternehmen vor dem finanziellen Aus und musste Konkurs anmelden. Die MAF wurde von einer Gruppe Investoren aufgekauft und Ruppe arbeitete als technischer Direktor und leitender Konstrukteur weiter. In dieser Zeit macht er auch erste Versuche mit Zweitaktmotoren und Schwungrad-Zündmagneten.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er 1914 zum Kriegsdienst einberufen. Nach seiner Rückkehr von der Front kehrte er 1918 nicht nach Markranstädt zurück, sondern ging nach Zschopau. Dort arbeitete er bei der Zschopauer Maschinenfabrik J. S. Rasmussen und bot Jørgen Skafte Rasmussen seinen Zweitaktmotor an, der als „DKW“ bzw. „Des Knaben Wunsch“ und moderne Alternative zur Spielzeugdampfmaschine recht erfolgreich vermarktet wurde. Verkaufsschlager des Jahres 1921 war der aus dem Spielzeugmotor weiterentwickelte, vergrößerte und serienreife 1-PS-FahrradhilfsmotorDas Kleine Wunder“, für den mit dem Spruch „… fährt bergauf wie andere runter!“ geworben wurde und von dem sich alleine 1921 über 10.000 Stück verkauften. Trotz des Erfolges seines bei DKW gebauten Fahrradhilfsmotors trennte sich Ruppe 1922 von Rasmussen, ging nach Berlin und gründete die Bekamo. Hier wurden Zweitaktmotoren mit Kolbenladepumpe, Leichtmetallzylinder mit Graugusslaufbuchsen, Leichtmetallkolben, abnehmbaren Aluzylinderköpfen und origineller Spülluftsteuerung gebaut. Diese Motoren waren zur damaligen Zeit die mit Abstand leistungsstärksten Zweitaktmotoren, aber in der Herstellung sehr aufwendig. Infolge der hohen Kosten und der Inflation in den 1920er-Jahren war auch diese Unternehmung erfolglos und musste 1925 aufgegeben werden.

Nach kurzer Tätigkeit bei Framo in Frankenberg eröffnete Hugo Ruppe in Festenberg in Schlesien einen neuen Betrieb – die Firma Kaehler & Ruppe. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise musste auch diese Anfang der 1930er-Jahre geschlossen werden. Ruppe überlebte die Wirren des Zweiten Weltkriegs und suchte bei Kriegsende Zuflucht in Zschopau. Seine Bemühungen, dort die Produktion von kleinen Notstromaggregaten aufzuziehen, schlug fehl. Ruppe starb 1949 verarmt und vereinsamt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Vermutlich noch während des Ersten Weltkriegs entwarf Hugo Ruppe einen als Spielzeugmotor gedachten Zweitakt-Explosionsmotor mit 18 cm³ und 0,25 PS. Diesen Motor baute er bei der Zschopauer Maschinenfabrik J. S. Rasmussen unter der Bezeichnung Des Knaben Wunsch (DKW). Die Weiterentwicklung zum Fahrradhilfsmotor mit 118 cm³ unter der Bezeichnung Das Kleine Wunder verhalf DKW zum Durchbruch – das Unternehmen war 1928 die größte Motorradfabrik der Welt.

Patentanmeldungen[Bearbeiten]

Zu seinen patentierten Erfindungen zählen u. a. ein Schwungradzünder, ein Fahrradantrieb mit umlaufendem Boxermotor, aber auch eine "Pumpenanlage, insbesondere zum Sprengen von Gartenbeeten".

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Rauch ; Frank Rönicke: Männer und Motorräder - ein Jahrhundert deutscher Motorradentwicklung. Stuttgart: Motorbuch-Verlag 2008, ISBN 978-3-613-02947-7, S. 180 - 187