Hypochilidae

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Hypochilidae
Hypochilus petrunkevitchi

Hypochilus petrunkevitchi

Systematik
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Hypochiloidea
Familie: Hypochilidae
Wissenschaftlicher Name der Überfamilie
Hypochiloidea
Marx, 1888
Wissenschaftlicher Name der Familie
Hypochilidae
Marx, 1888

Die Hypochilidae sind eine Familie der Echten Webspinnen, die zwei Gattungen mit insgesamt 12 Arten umfasst. Ein älteres Synonym für die Familie ist auch Ectatostictidae. Mit ihren sehr langen Beinen und kleinen Körper können sie leicht mit Zitterspinnen verwechselt werden. Sie bevorzugen wie diese meist wärmere Klimate und geschützte Stellen.

Die heute anzutreffenden Vertreter dieser cribellaten Familie stammen vermutlich von bodenbewohnenden Vogelspinnenartigen des Paläozoikums ab und nehmen heute, evolutionär betrachtet, eine verbindende Stellung zwischen den beiden Unterordnungen der Webspinnen, zwischen den Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae) und den Echten Webspinnen (Araneomorphae) ein.

Anatomische Besonderheiten, Evolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie ist die einzige Familie der Echten Webspinnen, die zwei Paar Buchlungen besitzt. Während alle Vogelspinnenartigen zwei Paar Buchlungen besitzen, ist bei allen Echten Webspinnen das hintere Paar Buchlunge zu einem Paar Fächertracheen umgebildet – nur bei den Hypochilidae nicht. Die Atemöffnungen des hinteren Paares der Buchlungen liegen seitlich am Opisthosoma (Hinterleib). Ebenso wie die Vogelspinnenartigen hat das Herz vier Paare von Ostien.

Am deutlichsten wird die Stellung der Hypochilidae als Bindeglied zwischen den orthognathen Vogelspinnenartigen und den labidognathen Echten Webspinnen anhand des Baus und der Stellung der Cheliceren. Die Giftdrüsen liegen wie bei den Vogelspinnenartigen vollständig in dem Basalglied der Cheliceren. Die Stellung der Cheliceren selber ist am deutlichsten eine Mittelstellung ein. Die Cheliceren klappen weder wie bei den Vogelspinnen taschenmesserartig zusammen, noch arbeiten sie wie ein Greifer zueinander, sondern sind halb aufeinander zu gedreht.

Das Rückenschild des Vorderkörpers (Carapax) weist, neben der bei den meisten Webspinnen deutliche Teilung des Vorderkörpers (Prosoma) in ein Kopfteil und in ein Brustteil, auch von der Mitte ausstrahlende Furchen zu den Hüften auf. Während die Unterscheidung von Kopfteil und Brustteil als Relikt der gemeinsamen Vorfahren der Spinnentiere und Insekten gewertet wird, ist nicht mehr zu klären, ob die ausstrahlenden Furchen auf dem Rücken des Brustteils ein Relikt einer ursprünglichen Segmentierung gesehen werden können (vgl. a. Gliederspinnen).

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungskarte der Hypochelidae
Netz einer Hypochilus-Art

Ectatosticta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Ectatosticta Simon, 1892 besteht aus nur zwei Arten, Ectatosticta davidi (Simon, 1889) und Ectatosticta deltshevi Platnick & Jäger, 2009, die in China verbreitet sind.[1] (Stand: April 2016)

Hypochilus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Hypochilus Marx, 1888 zeigt einen größeren Unterschied in seiner Lebensweise zu den Vogelspinnenartigen als in seinen morphologischen Merkmalen. Die bekannteste Art, Hypochilus thorelli, kommt in feuchten Tälern oder Bergen im Südosten der USA vor und ist dort in Höhen zwischen 350 und 1600 m, besonders in den Great Smokey, Nantahala und den südlichen Blue Ridge Mountains, außerordentlich häufig. Sie bevorzugt schattige und feuchte Plätze unter Felsvorsprüngen, Felsbögen und an Bächen in feuchten Wäldern.

Die Netze von Hypochilus-Arten sind selbst aus der Entfernung auffällig und können oft in Aggregationen unter Felsvorsprüngen eng aneinander gefunden werden. Sie sind wie Lampenschirme geformt, deren Oberseite an den überhängenden Felsen befestigt wird, und bestehen aus einem sehr dichten Gemasche trockener cribellater Fangseide. Die Spinne hängt kopfüber an der Unterseite ihres Netzes, so dass ihre langen Beine die Seiten ihres Abteils berühren.

Anscheinend besitzen die Arten der Gattung Hypochilus nicht die Fähigkeit zur Autotomie und auch keine Sollbruchstellen an den Beinen, wie bei den meisten Echten Webspinnen. Die Männchen werden im Herbst Geschlechtsreif und unterscheiden sich dabei nur wenig von ihren gelblichen Jugendstadien. Die männlichen Geschlechtsorgane (Bulben) sind wie die weiblichen (Epigyne) relativ unkompliziert gebaut.

Der World Spider Catalog listet für die Gattung Hypochilus 10 Arten, die alle in den USA vorkommen.[1] (Stand: April 2016)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hypochilidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 17.0 – Hypochilidae. Abgerufen am 1. April 2016