Ibn an-Nafīs

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Statue des Ibn al-Nafis
Erste Seite aus einem seiner medizinischen Werke

Ibn an-Nafīs (arabisch ابن النفيس Ibn al-Nafis, mit vollem Namen ʿAlā' ad-Dīn Abū l-Hasan ʿAlī ibn Abī Hazm al-Quraschī ad-Dimaschqī / علاء الدين أبو الحسن علي بن أبى حزم القرشي الدمشقي / ʿAlāʾu d-Dīn Abū l-Ḥasan ʿAlī bin Abī Ḥazm al-Qurašī ad-Dimašqī), genannt auch el Koraschi (* 1210 oder 1213 in oder bei Damaskus; † 17. Dezember 1288 in Kairo), war ein syrisch-arabischer Universalgelehrter und Arzt.

Er studierte während seiner Jugendzeit Grammatik, Logik, Koran[1] und Medizin im Nuri-Hospital in Damaskus. Später erhielt er, als einer der besten Studenten ein Stipendium für das Nasiri-Hospital in Kairo, wo er später die Leitung übernahm und zum Leibarzt von Sultan Baibars I. wurde.

Bekannt ist er vor allem durch die Erstbeschreibung des kleinen Blutkreislaufs, besser bekannt als Lungenkreislauf.[2][3] Seine Entdeckung stand in fundamentalem Gegensatz zur Humoralpathologie, die durch die Werke von Galen und Ibn Sina (latinisiert: Avicenna) allgemein bekannt war, und nahm zum Teil die Entdeckung des Blutkreislaufs durch den englischen Arzt William Harvey im 17. Jahrhundert vorweg. Doch im Gegensatz zu diesem konnte sich Ibn an-Nafis auf keine empirischen Erfahrungen stützen, sondern gelangte zu seinen Ergebnissen auf dem Weg theoretischer Überlegungen. Auch die Versorgung des Herzens durch die Koronargefäße erkannte er.

Des Weiteren kommentierte er Schriften von Hippokrates, Ibn Sina und Hunayn ibn Ishaq, schrieb Bücher über Diäten und Augenkrankheiten sowie einen Roman, der im lateinischen Westen unter dem übersetzten Titel Theologus Autodidactus erschien.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ʻAlī ibn Abī al-Ḥazm Ibn al-Nafīs In: Max Meyerhof, Joseph Schacht (Hrsg. und Übers.): The Theologus autodidactus of Ibn al-Nafīs. Clarendon, Oxford 1968.
  • Hans Hinrich Biesterfeldt: Ibn al-Nafis. In: Josef W. Meri (Hrsg.): Medieval Islamic Civilization. Taylor & Francis / Routledge, New York 2006, Band 1, S. 347–349.
  • Max Meyerhof, Joseph Schacht: Ibn al-Nafīs. In: Encyclopédie de l’Islam. Band III: H–Iram. Brill, Leiden, doi:10.1163/9789004206106_eifo_SIM_3319 (französisch).
  • Nahyan Fancy: Science and Religion in Mamluk Egypt. Ibn Al-Nafis, Pulmonary Transit and Bodily Resurrection. Routledge, New York 2013 (kritisiert den Mythos vom Goldenen Zeitalter, der bloßen Mittlerfunktion der arabischen Wissenschaften und der Vorläuferthesen für die europäisch-amerikanische Wissenschaft. Explizit wird in der Rezension dieser Artikel mit Stand vom 11. August 2014 kritisiert, der die Bedeutung Ibn an-Nafīs ausgerechnet am Blutkreislauf festmacht.).[4]
  • Friedrun R. Hau: Ibn an-Nafīs. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1023 f.
  • Gerold Prager: Ibn an-Nafīs (1210–1220), Erstbeschreiber des Lungenkreislaufs? Kritische Analyse der Meyerhof-Übersetzung. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 2/3, 2006/2007 (2008), S. 177–186.
  • Fuat Sezgin, Mazen Amawi, Carl Ehrig-Eggert u. a. (Hrsg.): ʿAli ibn Abi ’l-Hazam al-Qarshi Ibn al-Nafis (d. 687/1288): Text and Studies. Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main 1997, ISBN 978-3-8298-3079-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ibn al-Nafis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrun Hau: Ibn an-Nafīs. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 1023.
  2. Max Meyerhof: Ibn an-Nafīs und seine Theorie des Lungenkreislaufs. In: Quellen und Studien zur Geschichte der Naturwissenschaft und Medizin. Band 4, 1935, S. 37–88 und 12 Seiten in arabischer Schrift.
  3. Mohyi el Din El Tatawi (= Muḥyī ad-Dīn at-Taṭāwī) (Hrsg.): Der Lungenkreislauf nach el Koraschi. Wörtlich übersetzt nach seinem „Kommentar zum Teschrih Avicenna“. Medizinische Dissertation Freiburg im Breisgau 1924.
  4. Rezension von Stephan Conermann.