Igor Wilenowitsch Eidman

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Igor Wilenowitsch Eidman (russisch Игорь Виленович Эйдман; * 25. September 1968 in Gorki, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein russischer Soziologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Igor Eidman wurde als Sohn eines Arztes geboren. Er ist ein jüngerer Cousin des 2015 ermordeten russischen Politikers Boris Nemzow. Er studierte Geschichtswissenschaft an der Lobatschewski-Universität, arbeitete als Journalist und Herausgeber und als Politikberater für liberale Abgeordnete der Duma.

Eidman war als Kommunikationsdirektor beim Allrussischen Meinungsforschungszentrum (WZIOM), dem größten seiner Art in Russland, beschäftigt. In seinen Artikeln und Vorträgen analysiert er die sozialen und politischen Folgen des Internets und der Entwicklung von sozialen Netzen und publizierte dazu 2007 eine Studie.[1] In der Folge eines Berichtes eines Korrespondenten der New York Times über einen Korruptionsfall, bei dem er als Zeuge genannt war, verlor er seinen Job beim WZIOM und wurde sozial angefeindet. Er verließ daraufhin 2011 mit seiner Familie Russland und zog nach Leipzig.

Journalistische Beiträge, die er 2012 zur Unterstützung der Gruppe Pussy Riot bei Echo Moskwy veröffentlichte, zogen eine Klage der Orthodoxen Kirche Russlands nach sich.[1]

Im 2016 erläuterte er, die Russen unter der Regierung Putins („homo putinicus“ in Anlehnung an den „homo sowjeticus“) seien „Anti-Westler“, bei dem sich sowjetischer Revanchismus mit neu angenommener Religiosität paare. Dies sei das Resultat der „totalen Putinschen Propaganda“ parallel zur Übernahme einer solchen Staatsideologie, die die Atmosphäre einer „belagerten Festung“ schaffe. Eidmann ist trotzdem der Meinung, dass die russischen Bürger die Angst in Putins Regime genau so wie unter der kommunistische Diktatur verlieren werden, weil auch „die gerissensten, ehrgeizigsten und selbstbewusstesten Diktaturen“ in der heutigen modernen Welt irgendwann scheitern würden.[2] Er nannte aber auch die Gefahr der Unterwanderung des europäischen demokratischen Staats- und Rechtswesens durch russische korrupte Geschäftspraktiken[3] wie es auch Michail Chodorkowski ganz ähnlich thematisiert.[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien
  • Proryv v buduščee. Sociologija internet-revoljucii (Der Durchbruch in die Zukunft. Soziologie der Internet-Revolution). Moskau: OGI, 2007. ISBN 978-5-94282-433-4 (russisch)
  • Novaja nacionalʹnaja ideja Putina (Putins neue nationale Idee). Moskau: Algoritm, 2014. ISBN 978-5-4438-0818-5 (russisch)
  • Das System Putin. Wohin steuert das neue russische Reich? München: Ludwig Verlag, 2016. ISBN 978-3-453-28083-0 (Verlagsseite)
Artikel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Igor Eidman, Kurzbiografie bei Oslo Freedom Forum
  2. Aufstieg und Fall des «homo putinicus» - Die Russen werden sich nicht ewig ducken, NZZ, 22. November 2016
  3. 7 Gründe, weshalb er der gefährlichste Mann der Welt ist, Watson, 4. März 2016
  4. Chodorkowski: Putin dürfte zur Wahl gar nicht mehr antreten, Deutschlandfunk, 14. März 2018