WZIOM

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Das WZIOM (russisch ВЦИОМ, die Abkürzung von "Всероссийский центр изучения общественного мнения", Wserossijski zentr isutschenija obschtschestwennowo mnenija; übersetzt Allrussisches Zentrum der Erforschung der öffentlichen Meinung oder kurz Allrussisches Meinungsforschungszentrum) ist ein russisches Markt- und Meinungsforschungsunternehmen. Es ist sowohl das älteste als auch das führende Unternehmen dieser Art im postsowjetischen Raum.[1] Das zu 100 % staatliche Institut hat seinen Hauptsitz in Moskau und unterhält örtliche Repräsentanzen in sieben föderalen Distrikten.

Geschichte[Bearbeiten]

WZIOM wurde im Dezember 1987 als erstes Meinungsforschungsinstitut der Sowjetunion unter dem Namen Wsesojusny zentr isutschenija obschtschestwennowo mnenija (Allunions-Meinungsforschungszentrum) gegründet. Es war dem Ministerium für Arbeit der UdSSR und dem Allrussischen Zentralrat der Gewerkschaften ВЦСПС (VCSPS/AUCCTU) zugeordnet.[2][3] Als Gründer werden Tatjana Saslawskaja und Boris Gruschin[4] genannt. Saslawskaja zufolge diente das Institut für Demoskopie Allensbach von Elisabeth Noelle-Neumann bei der Gründung des WZIOM als Modell. Ein Jahr später, 1988, wurde Juri Lewada zur Mitarbeit eingeladen und leitete dort bis 1992 die Abteilung für theoretische Untersuchungen.[5] Im selber Jahr wurde er als Nachfolger von Tatjana Saslawskaja zum Leiter des WZIOM ernannt. Im August 1989 verließ Boris Gruschin das WZIOM, um sein eigenes Meinungsforschung "Vox Populi" zu gründen[6][7]

Im Jahr 1998 erfolgte eine Neuregistrierung des WZIOM als GUP, worunter ein staatliches Unternehmen verstanden wird, das zwar das Recht zur Durchführung kommerzieller Aktivitäten besitzt, allerdings eine Rechenschaftspflicht gegenüber dem Arbeitsministerium hat. Im Jahr 1999 erhielt das Institut den Status einer akademischen Einrichtung.[2]

Im Jahr 2003 wurde das staatliche Institut in eine offene Aktiengesellschaft (OAO) in hundertprozentigem Staatsbesitz umgewandelt. Der damalige Institutsleiter Juri Lewada, der bis dahin der Tatsache, dass das Institut ein staatliches Unternehmen war, wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte, fürchtete nun aber um die Unabhängigkeit seines Instituts[8] und gründete mit Teilen des Institutspersonals den Ableger WZIOM-A. Alexander Parschukow, der Sprecher des für die Umstrukturierung zuständigen Ministeriums für Eigentumsverhältnisse, begrüßte den Weggang Lewadas mit den Worten, dass dieser nun die Chance bekäme wirklich unabhängig zu werden, sich in den Markt hinein zu begeben und sich an dessen Gesetzen zu orientieren, zu denen auch der Wettbewerb und die Zahlung von Steuern gehören.[9]

Im Jahr 2004 entschied der Föderale Antimonopoldienst, dass WZIOM der alleinige Inhaber der Markenrechte des Instituts sei, worauf Lewada seinen Ableger in Lewada-Zentrum umbenannte.

Tätigkeitsbereich[Bearbeiten]

Das marktführende[10][11] Institut publiziert eine Vielzahl von Studien, die alle wichtigen Bereiche aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft abdecken.[1] Das Institut arbeitet für in- und ausländische Kunden, worunter auch das UNO-Programm UNDP, das US-Außenministerium oder die NATO.[12] Seit 2004 beteiligt sich das Institut an der Entwicklung und Gestaltung des Eurasian Monitor, eines Systems für kontinuierliche soziologische Untersuchungen im postsowjetischen Raum.[13]

Das WZIOM führt unter anderem wöchentlich eine landesweite Mehrthemenumfrage (Omnibus study) durch, die die Bezeichnung “Express” trägt.[14]

Institutsleitung[Bearbeiten]

Das WZIOM wurde von 1987 bis 1992 durch Tatjana Saslawskaja geleitet. Stellvertreter bis August 1989 war Boris Gruschin. Seit 1992 hatte Juri Lewada die Institutsleitung inne, der 2003 von Waleri Fjodorow abgelöst wurde.[15]

Verschiedenes[Bearbeiten]

Seit 1992 gibt das WZIOM die von Tatjana Saslawskaja gegründete Zeitschrift "Мониторинг общественного мнения: экономические и социальные перемены" / "The Monitoring of Public Opinion: Economic and Social Changes Journal" heraus. Die Artikel des Journals erscheinen in Russisch und Englisch.[16]

Das Meinungsforschungsinstitut WZIOM ist Mitglied der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung (ESOMAR).[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Juri Lewada: Die Sowjetmenschen 1989–1991: Soziogramm eines Zerfalls. DTV, München 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b About us, wciom.com
  2. a b History and principles, wciom.com
  3. История ВЦИОМ, wciom.com
  4. Russlands Entwicklung unter Putin im Jahre 2007, laender-analysen.de
  5. Юрий Левада, svoboda.org, 11. Jan. 2004
  6. Грушин Б. На дальних и ближних подступах к созданию ВЦИОМа / Общественный разлом и рождение новой социологии: двадцать лет мониторинга. — М.: Новое издательство, 2008. — С. 18—22.
  7. Заславская Т. Как рождался ВЦИОМ / Общественный разлом и рождение новой социологии: двадцать лет мониторинга. — С. 11—17.
  8. Dynamisch gleichgeschaltet (FAZ vom 26. August 2003)
  9. Levada Leaves VTsIOM for VTsIOM-A, The Moscow Times, 10. September 2003
  10. Rating für 2005–2007
  11. Rating für 2009–2010
  12. How the Russian public views NATO (PDF; 235 kB)
  13. Eurasian Monitor, wciom.com
  14. Omnibus study (“Express”), wciom.com
  15. Staff, wciom.com
  16. The Monitoring of Public Opinion: Economic and Social Changes Journal, wciom.com
  17. WCIOM, esomar.org

55.74111837.610588Koordinaten: 55° 44′ 28″ N, 37° 36′ 38″ O