Infrastruktur in Äthiopien

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Die äthiopische Infrastruktur ist in den Regionen Tigray und Amhara besser entwickelt als im eher vernachlässigten ödlandreichen Osten.

Technische Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Addis-Abeba-Station in Äthiopien, Teil der Äthiopischen Eisenbahn

Die Verkehrsinfrastruktur gilt im internationalen Vergleich als eher ungenügend, es wird jedoch versucht, das Netz eigenständig auszubauen.

Seehäfen[Bearbeiten]

Äthiopien ist ein Binnenstaat ohne eigenen Seehafen. Vor dem Eritrea-Äthiopien-Krieg von 1998–2000 hat Äthiopien den internationalen Handel überwiegend über die eritreischen Häfen Assab und Massaua abgewickelt. Gegenwärtig wird der Hafen von Dschibuti, zu welchem eine Eisenbahnverbindung von Addis Abeba aus besteht, und in geringerem Maße der Hafen Port Sudan im Sudan benutzt. 2005 begannen Verhandlungen über die Nutzung des Hafens Berbera in Somaliland.

Straßen und Schienen[Bearbeiten]

Äthiopien verfügt des Weiteren über 33.856 Straßenkilometer, von denen lediglich 4367 asphaltiert sind und 681 km Gleise, welche die äthiopische Strecke der Eisenbahnverbindung Addis Abeba bis Dschibuti darstellen. Der Binnenhandel wird dadurch stark eingeschränkt. In der Regenzeit werden die kaum asphaltierten Transportwege unpassierbar und die Menschen sind oft wochenlang von den Märkten und von medizinischen Einrichtungen abgeschnitten. Das Straßennetz wird jährlich um durchschnittlich 6 % erweitert. Insgesamt gibt es 26.053 Kilometer Überlandstraßen, davon jedoch nur 3656 Kilometer befestigte Straßen, die sich durch die zerklüftete Landschaft ziehen. Die Straße, die den für Äthiopien wichtigen Seehafen in Dschibuti mit der Hauptstadt Addis Abeba verbindet, ist häufig überlastet. Allerdings wird derzeit massiv in den Ausbau der Straßen investiert, so etwa in die West-Ost Verbindung zwischen dem Tana-See und der Stadt Weldiya. Daran beteiligt sind unter anderem chinesische Firmen.

Eine einzige 681 km lange meterspurige Eisenbahnlinie besteht, welche Addis Abeba mit Dschibuti verbindet. Die Bahnlinie ist in einem schlechten Zustand, deshalb hat die Europäische Kommission im Jahr 2003 einen Kredit von 40 Millionen Euro zur Instandstellung verabschiedet. Dieser Kredit wurde 2006, im Hinblick auf steigende Preise für Treibstoff und Stahl, auf 50 Millionen erhöht. Es besteht die Absicht (Oktober 2006), bald eine Bauunternehmung mit den Arbeiten zu betrauen, so dass die Arbeiten Anfang 2007 aufgenommen werden können. In Zukunft soll die Bahnlinie von einem privaten Betreiber übernommen werden.

Flughäfen[Bearbeiten]

Weiterhin verfügt das Land über zwei internationale Flughäfen in Addis Abeba und Dire Dawa, sowie weitere 80 Flughäfen und Flugpisten (2005), von denen 14 asphaltiert sind. Insbesondere die touristisch relevanten Städte sind mit Flughäfen oder -pisten ausgestattet.

Kommunikation[Bearbeiten]

Der Telekommunikationssektor in Äthiopien wird vom staatlichen Anbieter Äthiopische Telekom kontrolliert und ist stark reguliert. Nach Angaben der Weltbank haben weniger als 4 Prozent der Äthiopier einen Festanschluss und nur etwa 3 Prozent Breitbandzugang. Pro 100 Einwohner gibt es in Äthiopien nur etwa 30 Mobiltelefone, wohingegen in Ruanda über 60 und in Kenia 75 Mobiltelefone pro 100 Einwohner im Umlauf sind.[1]

Die Preise für Telekommunikation, insbesondere für die Anrufe ins Ausland, liegen allerdings sehr hoch. (Sie sind etwa bei 15 Birr pro Minute für einen Anruf in die Bundesrepublik Deutschland). Internetverbindungen sind zum Teil sehr langsam, so dass eine Nutzung kaum beziehungsweise nur mit einem hohen Maß an Geduld möglich ist. Neben den technischen Einschränkungen beeinträchtigt die ausgeprägte Internetzensur in Äthiopien den freien Zugang zu Inhalten.

Beim Mobilfunknetz gibt es Roaming-Abkommen mit dem Betreiber E-Plus und der Telekom. Eine äthiopische SIM-Karte kostet etwa 370 Birr und kann auch von Ausländern in Hotels, Telekommunikationsläden oder direkt bei der Äthiopischen Telekom selbst gegen Vorlage des eigenen Reisepasses erworben werden. Ausländern ist hierbei allerdings nur der Besitz einer SIM Karte erlaubt. Die Vorwahl äthiopischer Mobilfunknummern besteht aus den Ziffern 091 gefolgt von noch einer Nummer, die in jeder der neun ethnisch definierten Regionen unterschiedlich ist.

Energie[Bearbeiten]

Zur Stromerzeugung wird in erster Linie Wasserkraft verwendet. 2004 waren Kapazitäten von 750 MW installiert. Es sind mit den Projekten Gilgel Gibe und Tekeze weitere Kapazitäten von 450 MW und 300 MW im Bau, beziehungsweise in Planung. Darüber hinaus wird von einem chinesischen Firmenkonsortium ein Kohlekraftwerk gebaut. Jedoch sind einige Äthiopier strikt gegen Strom, da das gegen ihre Religion verstößt.

Die Elektrifizierung des Landes kommt nur schrittweise voran. Inzwischen haben ca. 15 Prozent der Bevölkerung Anschluss an das Stromnetz. Es steht dennoch ein Potential an geothermischer Energie zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) setzen die äthiopischen Behörden unter anderem auf den Ausbau von Wasserkraft.[2]

Rechtliche und Soziale Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Es existieren 6 Universitäten und weitere Hochschulen in Äthiopien mit insgesamt 765.000 Studenten (2002). Hingegen ist der Bildungsstand insgesamt sehr niedrig und die Berufsausbildung ist ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Offiziell gilt in Äthiopien die Schulpflicht, sie wird jedoch nicht konsequent durchgesetzt.[3] Die Analphabetenquote der über 15-jährigen liegt bei 59,7 % (2001). In Äthiopien sind somit die meisten Menschen Analphabeten.[4] 41 % der Kinder besuchen eine Grundschule und 10 % besuchen eine weiterführende Schule. Bei Mädchen ist dieser Anteil niedriger als bei Jungen.[4]

Gesundheit[Bearbeiten]

Nur 6 Prozent aller Geburten in Äthiopien können medizinisch betreut werden.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • UNCTAD (Hrsg.): An Investment Guide to Ethiopia – Opportunities and conditions. Genf 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ethiopia: What if they were really set free?, in: The Economist, Jan 2nd 2016.
  2. The Reporter v. 23. Februar 2008, S. 9.
  3. http://www.geo-reisecommunity.de/reisebericht/12818/1/AEthiopien-Die-Diva-unter-den-Afrikanischen-Laendern
  4. a b Human Development Report 2009: Äthiopien (Memento vom 16. Februar 2010 im Internet Archive) Abgerufen am 23. November 2015.
  5. Länderdatenbank der deutschen Stiftung Weltbevölkerung "Äthiopien"; Stand 2009