Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen
| Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen | |
|---|---|
| Schulform | Feuerwehrschule |
| Ort | Münster |
| Land | Nordrhein-Westfalen |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 51° 57′ 19″ N, 7° 39′ 35″ O |
| Träger | Nordrhein-Westfalen |
| Lehrkräfte | ca. 115 |
| Leitung | Berthold Penkert |
| Website | www.idf.nrw.de |
Das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (kurz IdF NRW) ist die Landesfeuerwehrschule des Landes Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Münster in Westfalen. Es ist mit rund 220 Beschäftigten und ca. 300 Internatsplätzen die größte Feuerwehrausbildungsstätte in Deutschland.[1] Zum Institut gehören, neben dem Stammgelände, ein Übungsgelände außerhalb von Münster mit Einrichtungen für den theoretischen und praktischen Unterricht sowie ein 2022 eröffneter Südstandort im Kreis Düren. Zu den Aufgaben gehört die Ausbildung von Führungskräften in den Feuerwehren und Mitarbeitern der Krisenstäbe der Regierungsebenen.
Gesetzliche Grundlage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die gesetzliche Grundlage für das IdF in Münster bildet der § 5 des Gesetzes über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG) des Landes Nordrhein-Westfalen.
- Das Land unterhält eine zentrale Aus- und Fortbildungsstätte mit Kompetenzzentren zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Brandschutzes, der Hilfeleistung und des Katastrophenschutzes.
- Das Land unterstützt die Sicherheitsforschung und -normung im Anwendungsbereich dieses Gesetzes.
- Das Land trifft die erforderlichen zentralen Maßnahmen. Es kann den Einsatz der Feuerwehren und der weiteren Einheiten des Katastrophenschutzes sowie Übungen anordnen.
Auf dieser Grundlage[2] bietet das IdF allen Berufsfeuerwehren und Freiwilligen Feuerwehren des Landes seine Dienste an. Einige der Dienste können auch von Werkfeuerwehren in Anspruch genommen werden.
Angebot
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lehrgangs- und Fortbildungsangebot
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Angeboten werden Lehrgänge ab der dritten Ausbildungsebene (auch Beruflich bzw. Freiwillig III genannt), also vom Gruppenführer an aufwärts. Bei den meisten Lehrgängen wird unterschieden zwischen Berufsfeuerwehr (B) und Freiwilliger Feuerwehr (F), wobei einige Lehrgänge zu speziellen Themen wie Atemschutzgerätewarte oder Absturzsicherung als Kombination angeboten werden.[3]
Neben diesen zumeist mehrtägigen Lehrgängen gibt es noch ein großes Angebot an verschiedenen Seminaren, zur Auffrischung, zu aktuellen Themen oder Neuerungen.[4] Ferner werden seit 2020 diverse Webseminare[5] aufgrund der Pandemie angeboten. Im Speziellen gibt es für Führungskräfte besondere Seminare, die rechtliche, organisatorische und ähnliche Führungsaufgaben beinhalten.[6]
Die Planungen für die Lehrgänge werden auf Grundlage einer Bedarfsanalyse erstellt. Im zweiten Quartal eines Jahres melden die Berufsfeuerwehren und die Werkfeuerwehren ihren Bedarf an das IdF, der Bedarf der Freiwilligen Feuerwehren wird über die Gemeinden und den Dienstweg des Landes ermittelt. Die Zuweisung der Plätze erfolgt dann nach demselben Schema. Die Werk- und Berufsfeuerwehren bekommen die Lehrgangsplätze direkt zugewiesen und melden dann die entsprechenden Teilnehmer. Bei den Freiwilligen Feuerwehren werden die Plätze über die Bezirksregierungen zugeteilt.
Laufbahnausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für die Laufbahngruppe 2, 1. Einstiegsamt (ehem. gehobener Dienst), werden halbjährlich Auswahlverfahren für hauseigene Brandoberinspektoranwärter (BOIA) angeboten, die zu Beginn eines jeden Quartals in die Laufbahnausbildung starten. Für die Laufbahngruppe 2, 2. Einstiegsamt (ehem. höherer Dienst) beginnt zweimal pro Jahr die entsprechende Ausbildung der hauseigenen Brandreferendare (BRef).[7]
Technik: Prüfungen und Beratungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Technische Kompetenzzentrum (TK) des IdF ist aus dem Technischen Überwachungsdienst (TÜD) hervorgegangen. Es bietet den Kommunen und Feuerwehren des Landes NRW Unterstützung bei der Wartung und Prüfung von technischem Gerät zum Brandschutz und Hilfeleistung. Es werden unter anderem auch Neufahrzeuge und Geräte geprüft. Darüber hinaus werden die Kommunen und Feuerwehren auch bei Beschaffungsangelegenheiten beraten und unterstützt.
Einrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Einrichtung des IdF gehören rund 50 Lehrsäle, unter anderem Planspielräume, Chemieräume, mehrere Stabsräume und eine Übungsleitstelle.
Übungsgelände
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das Übungsgelände des IdF liegt in Handorf an der Stadtgrenze zu und teilweise auch auf dem Gebiet der Stadt Telgte (Kreis Warendorf)[8], in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Flugplatz Münster-Handorf. Auf dem Übungsgelände wird ein großer Teil der praktischen Lehrgangsteile abgehalten sowie praktische Prüfungen abgenommen. Das Gelände ist 2,5 ha groß und ermöglicht eine Vielzahl von Übungsszenarien. Neben Gebäuden und Baustellen sind Straßen- sowie Schienenfahrzeuge zum Üben auf dem Gelände vorhanden. Zu den Übungsgebäuden zählen unter anderem ein Doppelhaus, eine Arztpraxis und ein Mehrfamilienhaus. Als Fahrzeuge sind Kesselwagen nach Standard der Deutschen Bahn, Autos und Lastkraftwagen vorhanden. Zusätzlich ist ein aus einem mit Beton ausgegossenen Stahlrohr bestehender Festpunkt vorhanden, der Kräfte bis 1000 kN aufnehmen kann.[9]
Übungshalle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 8. Mai 2007 wurde die Übungshalle nach über zwei Jahren Bauzeit offiziell übergeben. Erste Planungen für die Halle gab es bereits 2001. Die Baukosten werden mit circa 23 Millionen Euro angegeben. Die Übungshalle befindet sich gleich neben dem Übungsaußengelände in Handorf. Sie hat eine Grundfläche von knapp 11.000 m², ist an der höchsten Stelle circa 30 m hoch und bietet diverse Möglichkeiten, unter anderem ein Labor, eine Tiefgarage, Wohnhäuser, Hochregallager etc. Dies ermöglicht das Üben unabhängig vom Wetter, sogar mit Hubrettungsfahrzeugen.[10]
Freizeiteinrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da einige der Lehrgänge am IdF mehrwöchig sind und die Teilnehmer aus ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus anreisen, gibt es am IdF auch verschiedene Freizeiteinrichtungen, die eine Beschäftigung vor und nach den Lehrgangszeiten bieten. Dazu gehören zwei Kegelbahnen, eine Sporthalle mit Fitnessbereich, ein Outdoor-FitnessbereichEgenehte, zwei Saunen sowie die Kantine. Im Wohnbereich des IdF gibt es diverse Aufenthaltsräume mit Fernseher und Teeküche. Zur Unterbringung der Teilnehmer stehen 151 Einzel- und 75 Doppelzimmer, alle mit Telefon, Dusche und Toilette, zur Verfügung.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als sich im Jahr 1862 in Duisburg der Rheinisch-Westfälische Feuerwehrverband gründete, geschah dies unter anderem, um die Ausbildung der Feuerwehrmänner zu forcieren und zu vereinheitlichen. Da das zu betreuende Gebiet insgesamt zu groß war, vereinbarte man die Trennung dieses Verbandes in den Westfälischen Feuerwehrverband und den Feuerwehrverband der Rheinprovinz. Während die Provinz Westfalen, mit Ausnahme des Landes Lippe, die gleichen Grenzen wie heute hatte, war die Rheinprovinz um ein Vielfaches größer als der heutige Anteil des Rheinlandes. So umfasste die Rheinprovinz Teile von Hessen, von Rheinland-Pfalz, Eupen-Malmedy, das Saarland und den heutigen Rheinlandbereich des Landes Nordrhein-Westfalen.[11]
Wurden zuerst nur Unterrichtskurse angeboten, entstand vor rund neunzig Jahren das Bestreben, die Ausbildung der Feuerwehren weiter zu vereinheitlichen und zu verbessern. Ein wesentlicher Grundstein hierfür wurde mit der Eröffnung einer der ersten Feuerwehrschulen des damaligen Deutschen Reichs durch den Westfälischen Feuerwehrverband im Jahr 1931 in Münster gelegt. Der erste Standort der Provinzial-Feuerwehrschule befand sich an der Hauptwache der Berufsfeuerwehr Münster. Bereits 1930 hatte der Feuerwehrverband der Rheinprovinz eine Feuerwehrschule in der Koblenzer Rheinanschlusskaserne eingerichtet. Im Jahr 1936 konnte mit Unterstützung der Provinzial-Feuerwehrschule am „Inselbogen“ in Münster ein eigenständiger Standort errichtet und bereits ein Jahr später eingeweiht werden. Waren zu Beginn nur zwei Unterrichtskurse pro Jahr angedacht und auch nur für Führungskräfte offen, so sollte sich dieses im Laufe der Zeit ändern. Immer mehr Kurse wurden angeboten, diese wurden zudem immer umfangreicher. Mittlerweile konnten auch „normale“ Mannschaftsdienstgrade sowie Werkfeuerwehrleute an den Lehrgängen teilnehmen.[11]
Während des Nationalsozialismus wurde die bisherige Feuerwehrschule des Westfälischen Feuerwehrverbandes und des Feuerwehrverbandes der Rheinprovinz, neben allen anderen Feuerwehrschulen des Deutschen Reichs, verstaatlicht, was sie bis heute blieben. Im Oktober 1944 wurde die Schule in Münster so stark zerbombt, dass sie nicht weiter nutzbar war. Ein Ausweichquartier konnte in einer Mettinger Schule gefunden werden. Da die Schule in Mettingen nicht ausreichte, konnten in Havixbeck Räumlichkeiten zur Unterbringung von Gerätschaften angemietet werden. Diese mussten nach dem Einmarsch der Besatzungsmächte wieder verlassen werden. Vorübergehend konnte ein Standort in Nottuln gefunden werden. Die Zeit in Mettingen kann als die schwärzeste Epoche in der Geschichte der Feuerwehrschule bezeichnet werden. Dadurch, dass viele Männer im Felde und damit für den Feuerwehrdienst nicht mehr zur Verfügung standen, griff man bei den Feuerwehren immer mehr auf Mädchen und Frauen zurück. Bei einer Ausbildungsfahrt (Fahrschule) wurde das Fahrzeug bei einem feindlichen Angriff nahe Westerkappeln von einer Bombe getroffen. In dem völlig zerstörten Fahrschulwagen der Feuerwehrschule starben fünf Frauen und der Fahrlehrer. Die im Jahr 1937 vom Feuerwehrverband der Rheinprovinz neu eingerichtete und eingeweihte Feuerwehrschule in Koblenz (Oberwerth) stand nach Kriegsende aufgrund der Neueinteilung der Länder durch die Besatzungsmächte nicht mehr zur Verfügung.[11]
Im Jahr 1946 war Hilden für ein halbes Jahr die Heimat der Feuerwehrschule der Rheinprovinz. Ein ehemaliges Heim der Hitlerjugend diente nun als Standort. Ursprünglich war im Gespräch, in Hilden die zentrale Feuerwehrschule für Nordrhein-Westfalen einzurichten. Hierzu hätte man jedoch eine komplett neue Infrastruktur aufbauen müssen. Im selben Jahr konnten die Schulen in Hilden und Nottuln zu einer gemeinsamen Schule für das neugegründete Land Nordrhein-Westfalen zusammengelegt werden. Als Standort wurde eine leerstehende ehemalige Kaserne in Warendorf gefunden.[11]
1960 erfolgte der Umzug ins heutige Domizil nach Münster an die Wolbecker Straße. Zu Ehren des Begründers der Provinzialfeuerwehrschule für Westfalen, Ferdinand Verfürth, wurde eine Nebenstraße, der Verfürthweg, nach ihm benannt. Als erste Gebäude wurden A1 bis A4 errichtet, zudem eine Übungshalle, Werkstätten, Garagen und der Steigeturm. Die Ausbildung musste immer wieder den zeitlichen Gegebenheiten angepasst werden. So konnten im selben Jahr zahlreiche Lehrgänge, wie Gruppenführer (FF + BF), Gerätewarte, OFM-Lehrgänge, Atemschutzgerätewart, Erste Hilfe und Maschinisten-Lehrgänge, angeboten werden.[11]
Im Laufe der Jahre erfolgten einige Umgestaltungen des Geländes und der Gebäude an der Wolbecker Straße. Zudem wurden immer wieder Gebäude neu erstellt, zuletzt das Lehrsaalgebäude C. Das Aufgabengebiet der Feuerwehrschule wurde immer umfangreicher, sodass der Standort trotz vielfältiger Erweiterungsmaßnahmen nicht mehr ausreichte. Besonders der Bereich der Technischen Hilfeleistung wurde immer mehr. Erst viele Jahre nach der Ersteinrichtung der Feuerwehrschulen fand dieser Einzug in die Lehrgangsplanung. Da der Standort an der Wolbecker Straße nicht erweitert werden konnte und die praktische Ausbildung immer mehr an Stellenwert gewann, wurde ein zweiter Standort notwendig. Dieser konnte in Handorf (Telgte) gefunden und bereits im Jahr 1985 eingeweiht werden. Neben einer Übungshalle wurden viele weitere Übungsgebäude bzw. -möglichkeiten erstellt.[11]
Auch die amtliche Prüfstelle für Feuerlöschmittel konnte in Telgte ihren Standort finden. In einer eigens eingerichteten Brandhalle konnten entsprechende Prüfungen durchgeführt werden. Die amtliche Prüfstelle war früher in der Reichsfeuerwehrschule in Eberswalde beheimatet. Direktor Dr. Kaufhold, früher an der Reichsfeuerwehrschule tätig, konnte nach Gesprächen mit Behörden und Herstellern von Feuerlöschmitteln die verwaiste Prüfstelle zur Landesfeuerwehrschule in Warendorf holen. Ende 2005 wurde die Arbeit der amtlichen Prüfstelle eingestellt.[11]
Seit den 2020er Jahren wird die Ausbildung kontinuierlich den Anforderungen angepasst. Während bei Gründung der Landesfeuerwehrschule nur Lehrgänge angeboten wurden, wird mittlerweile ein breites Spektrum verschiedener ein- und mehrtägiger Seminare und Lehrgänge durchgeführt.[11]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Organisation des IdF NRW
- ↑ Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG)
- ↑ Lehrgänge am IdF
- ↑ Seminare am IdF
- ↑ Webseminar des IdF abgerufen am 22. September 2022
- ↑ Seminare für Führungskräfte
- ↑ IdF - Ausbildung für den höheren und gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst. Abgerufen am 22. September 2022.
- ↑ Über das Außengelände ( vom 9. März 2014 im Internet Archive) auf der Seite des IdF, abgerufen am 9. März 2014
- ↑ Übungsgelände des IdF ( vom 30. April 2008 im Internet Archive)
- ↑ Übungshalle des IdF übergeben. (PDF) In: www.idf.nrw.de. Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen, Mai 2007, ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 14. Februar 2026. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
- ↑ a b c d e f g h Michael Thissen: 90 Jahre Feuerwehrausbildung. In: IdF NRW (Hrsg.): Jahresbericht 2020 IdF NRW. Münster 2021.