Interdependenz

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Interdependenz bedeutet wechselseitige Abhängigkeit (Dependenz). Als soziale Interdependenz wird auf den Begriff gebracht, dass Menschen in ihrem Dasein aufeinander eingestellt und angewiesen sind.[1]

In der Wirtschaftstheorie spricht man von „Interdependenz“, wenn ökonomische Variablen sich wechselseitig beeinflussen. Beispiel: der Mitläufereffekt in der Haushaltstheorie.

Arten von Interdependenzen[Bearbeiten]

  • Sachinterdependenzen
  • Verhaltensinterdependenzen
  • konkurrierende Interdependenzen: die optimalen Alternativen zweier Entscheider A und B sind nicht gleichzeitig realisierbar
  • sich fördernde Interdependenzen: die Entscheidung von A für die beste eigene Alternative fördert die beste Alternative von Person B
  • gepoolte Interdependenzen: mehrere Organisationseinheiten benutzen die gleiche begrenzte Ressourcenmenge
  • sequentielle Interdependenzen: Organisationseinheiten benutzen den vorhergehenden Output als ihren Input
  • reziproke Interdependenzen: jeweiliger Output ist Input der jeweils anderen Organisationseinheit

Soziale Interdependenz[Bearbeiten]

In der Sozialpsychologie und Gruppendynamik[Bearbeiten]

Siehe auch: Dependenzmodell in der Gruppendynamik Als Abhängigkeit zwischen Personen spielt er eine besondere Rolle bei der Betrachtung von Beziehungen und Interaktionen in der Sozialpsychologie und in der Gruppendynamik. Eine Interdependenz ist hier eine wechselseitige Abhängigkeit zweier oder mehrerer Personen, d. h. das Verhalten von Person A hat Einfluss auf das Verhalten von B – letzteres hat wiederum eine Rückwirkung auf A. Beispiel: Mann und Frau, Leiter und Gruppe, Staat und Bevölkerung.

Im Gegensatz dazu ist eine Dependenz eine Abhängigkeit ohne Rückwirkung oder Gegenseitigkeit. Systemisch gesehen ist einseitige Dependenz eine begrenzte Betrachtung (zeitlich oder Subsystem). Bei erweitertem Blick zeigt sich immer eine Interdependenz.

Unter Konterdependenz versteht man eine gegen den anderen gerichtete Haltung, die in sich gleichzeitig auf einer Abhängigkeit beruht. Beispiel: AKW-Gegner und AKW-Betreiber bzw. Staat, Arbeitgeber und Gewerkschaften, Eltern und pubertierende Kinder.

Interdependenz existiert in einer Beziehungsform, wenn das Verhalten eines Partners das des anderen bedingt und umgekehrt.

„Jedermann weiß, was es bedeutet, wenn ein Ding von einem anderen abhängt. Wenn aber dieses andere, zweite Ding im selben Maße vom ersten abhängt, so nennt man diese Beziehungsform interdependent.“ (Paul Watzlawick)

In seinem Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ versucht Paul Watzlawick seine Definition durch das Gefangenendilemma zu verdeutlichen.

Menschliche Situationen, die die Struktur des Gefangenendilemmas aufweisen, treten überall dort auf, wo Menschen sich in einem Zustand der Desinformation befinden, aber eine gemeinsame Entscheidung treffen müssen, wobei ihnen die Möglichkeit zur direkten Kommunikation fehlt.

Es gibt zwei Gründe dafür:

  • Mangel an gegenseitigem Vertrauen
  • physische Unmöglichkeit zu kommunizieren

In wirklichen Lebenslagen reicht das Fehlen einer dieser Faktoren, um dieses Dilemma herbeizuführen. Interdependente Entscheidungen haben nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie auf der Basis einer von beiden Partnern geteilten Wirklichkeitsauffassung beruhen, deren minimale Übereinkunft darin besteht, die Wirklichkeit nicht in einer zeitlich-kausalen Weise zu sehen. Das ist nur in raum- und zeitbegrenzten Abläufen möglich.

Interdependenzen zwischen Personen und Gruppen entstehen durch unterschiedliche Verteilung von Macht und Anerkennung. Auch eine gemeinsam und einvernehmlich beschlossene Aufteilung von Aufgaben erzeugt entsprechende Verantwortungsbereiche und bewirkt Dependenz und Interdependenz zwischen diesen Bereichen in Hinsicht auf die Gesamtaufgabe.

Diese Interdependenzen treten in Beziehungen zwischen Menschen in jeder Situation auf. Ein Ehepaar versucht gemeinsam durch das Leben zu gehen (= gemeinsame Aufgabe) oder die Abteilungen eines Unternehmens müssen ihre Interdependenzen beachten, um ein kundenorientiertes Produkt anbieten zu können.

In der Politikwissenschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Interdependenztheoretischer Ansatz

In der Politikwissenschaft wird Interdependenz in der Föderalismusforschung als „Politikverflechtung“ thematisiert.

Außerdem wird Interdependenz von großer Bedeutung im Bereich der Internationalen Beziehungen. Angesichts der Globalisierung spielen Interdependenztheoretische Ansätze eine bedeutsame Rolle: Jeden Tag verlässt man sich auf viele Menschen, die rund um den Globus verteilt sind. Obwohl unbekannt, beliefern sie uns mit allen wünschenswerten Gütern. Dieses Zusammenspiel ist nur möglich, weil alle miteinander in einer Handlungsbeziehung stehen, die man als „Interdependenz“ bezeichnet. Die Waren- oder Dienstleistungsversorger werden weder von einer Regierung dazu veranlasst, noch sind sie großzügige Spender. Sie handeln nur so, weil sie dafür etwas bekommen.

Es bedarf eines Koordinationssystems der wirtschaftlichen Prozesse, das dies aufeinander abstimmt. Es gibt vier Merkmale bzw. Dimensionen von Interdependenz:

  1. symmetrische / asymmetrische Interdependenz
  2. Interdependenz-Empfindlichkeit (sensitivity)
  3. Interdependenz-Verwundbarkeit (vulnerability)
  4. horizontale / vertikale Interdependenz

Die Begriffe Interdependenz-Verwundbarkeit bzw. -Empfindlichkeit beziehen sich auf einen jeweils unterschiedlichen Grad von Betroffenheit bezüglich der Kosten, die bei Abbruch oder Störung einer grenzüberschreitenden Interaktionskette entstehen. Im Falle von Interdependenz-Empfindlichkeit können die entstehenden Kosten durch eine Veränderung der Politik verarbeitet bzw. reduziert werden. Im Falle von Interdependenz-Verwundbarkeit können Kosten auch durch eine Politikveränderung nicht reduziert werden. Beispiel: Unterschiedliche Auswirkungen der Ölkrise von 1973 auf Europa und Japan einerseits und die USA andererseits.

In der Betriebswirtschaftslehre[Bearbeiten]

Die komplexen Aufgaben von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen erfordern eine gut durchdachte Aufgabenteilung. Dabei sind, neben der reinen effizienten Leistungserstellung, der Einsatz effizienter Informationsinstrumente, die Beachtung kultureller Gegebenheiten in verschiedenen Teilen unserer Erde sowie Umweltziele eine große Herausforderung.

Aufgrund der komplexen Interdependenzen, die durch die Aufgabenteilung in international tätigen Unternehmen auftreten, ist die Unternehmensführung besonders auf professionelle Steuerungs- und Koordinationsinstrumente angewiesen. Diese sollen alle Unternehmensteile auf das Unternehmensziel ausrichten.

Das koordinationsorientierte Controlling hat solche Instrumente sowie weiterführende Lösungsansätze herausgearbeitet.

Maßgeblichen Anteil bei der „Handhabung“ von Interdependenzen in Unternehmen hat ferner der Einsatz integrierter, abteilungs- bzw. unternehmensübergreifender Anwendungssoftware (integrierte Anwendungssysteme).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Theodor Geiger: Vorstudien zu einer Soziologie des Rechts. Mit einer Einleitung und internationalen Bibliographie zur Rechtssoziologie von Paul Trappe. Luchterhand Neuwied am Rhein 1964 (zuerst: Kopenhagen 1947), S. 46 f.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Interdependenz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen