Internationaler Führerschein

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Ein Internationaler Führerschein ist ein Dokument, das von den Straßenverkehrsbehörden oder Automobilclubs[1] eines Landes aufgrund zwischenstaatlicher Verträge ausgestellt wird. Er soll vor allem der Polizei eines anderen Landes die Feststellung ermöglichen, ob ein ausländischer Kraftfahrer die Fahrerlaubnis hat, die für sein aktuelles Fahrzeug erforderlich ist.

Zwischenstaatliche Abkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr regelt in Kapitel IV (Führer von Kraftfahrzeugen) im Artikel 41 (Führerscheine)[2] die Ausstellung Internationaler Führerscheine. Deutschland gehört zu den Unterzeichnerstaaten dieses Abkommens. Es ist mittlerweile jedoch weitgehend obsolet, da die meisten Unterzeichnerstaaten der EU beigetreten sind und somit die jeweiligen nationalen Führerscheine ohnehin EU-weit gelten.

Parallel gibt es ein zweites Abkommen, das „Genfer Abkommen über den Kraftfahrzeugverkehr“ (12. August 1949). Diesem gehören überwiegend die amerikanischen Nationen sowie afrikanische und asiatische Staaten an. Somit existieren zwei Gruppen von Staaten, die jeweils einen unterschiedlichen „Internationalen Führerschein“ ausgeben bzw. akzeptieren, nicht jedoch den jeweiligen „Internationalen Führerschein“ der jeweils anderen Gruppe. Für einen Inhaber lediglich einer Fahrerlaubnis aus der Bundesrepublik Deutschland ist es somit beispielsweise nicht möglich, einen legal in den USA akzeptierten Internationalen Führerschein zu erhalten. Der Internationale Führerschein nach dem „Wiener Übereinkommen“ wird in Verbindung mit einem gültigen EU-Führerschein von örtlichen US-Behörden jedoch im Allgemeinen kulanzweise akzeptiert.

Dunkelblau: Unterzeichner des Genfer Abkommens; hellblau: zusätzliche Länder, die Genfer Führerscheine akzeptieren

Wiener Übereinkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Zitate aus Unterpunkten von Kapitel IV (Artikel 1 Buchstabe p, Art. 41)[3]

Dabei darf nach (5.)[3] „Ein Internationaler Führerschein nur dem Inhaber eines nationalen Führerscheins ausgestellt werden, für dessen Erwerb die in diesem Übereinkommen bestimmten Mindestanforderungen erfüllt wurden. Ein Internationaler Führerschein darf nur von der Vertragspartei ausgestellt werden, auf deren Gebiet der Inhaber seinen ordentlichen Wohnsitz hat und die auch den nationalen Führerschein ausgestellt oder einen von einer anderen Vertragspartei ausgestellten Führerschein anerkannt hat; er hat auf diesem Gebiet keine Gültigkeit.“

Unter Punkt 2.4a[3] „[erkennen] die Vertragsparteien an [...]:

  • i) jeden nationalen Führerschein, der dem Anhang 6;
  • ii) jeden internationalen Führerschein, der dem Anhang 7 entspricht, wenn er zusammen mit entsprechendem nationalen Führerschein vorgelegt wird

als gültig, um auf ihrem Gebiet ein Fahrzeug zu führen, das zu den Klassen gehört, für die die Führerscheine gelten, vorausgesetzt, dass die Führerscheine noch gültig sind und von einer anderen Vertragspartei oder einem ihrer Teilgebiete oder von einem Verband ausgestellt worden sind, der dazu von dieser anderen Vertragspartei oder einem ihrer Teilgebiete ermächtigt wurde“

Format und Inhalte des Führerscheins sind im Anhang 7 des Übereinkommens vorgegeben.[4]

Für Deutschland wird die Ausfertigung Internationaler Führerscheine in den § 25a und § 25b Fahrerlaubnisverordnung (FeV) geregelt.

Pariser Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr vom 24. April 1926[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Artikel 48 des Übereinkommens vom 8. November 1968 über den Straßenverkehr (BGBl. 1977 II S. 809) gilt das Pariser Abkommen für die Bundesrepublik Deutschland nur noch im Verhältnis zu denjenigen Staaten, die diesem Übereinkommen noch nicht als Vertragspartei angehören, wie z. B. Thailand.

Die unterzeichneten Bevollmächtigten der Regierungen der unten aufgeführten Staaten, die vom 20. bis 24. April 1926 in Paris zu einer Konferenz versammelt waren, um zu prüfen, welche Änderungen des Internationalen Abkommens über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 11. Oktober 1909 vorzunehmen sind, haben diese Bestimmungen vereinbart. Der Vertrag ist ab dem 13. Dezember 1930 gültig.

Im Pariser Abkommen wird geregelt, dass der Internationale Führerschein in allen Ländern, die den Vertrag unterzeichnet haben, gültig ist. Der Führerschein hat eine Gültigkeit von 12 Monaten und muss danach im Ausstellungsland neu ausgestellt werden.

Klassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fahrerlaubnisklassen nach der Wiener Straßenverkehrskonvention entsprechen denen des EU-Führerscheins:

Klasse Beschreibung
A Krafträder
B Kraftfahrzeuge – ausgenommen jede der Klasse A – mit einem höchsten zulässigen Gesamtgewicht von nicht mehr als 3,5 t (7700 Pfund) und nicht mehr als 8 Sitzplätzen außer dem Führersitz.
C Kraftfahrzeuge zur Güterbeförderung mit einem höchsten zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t (7700 Pfund)
D Kraftfahrzeuge zur Personenbeförderung mit mehr als 8 Sitzplätzen außer dem Führersitz.
E Miteinander verbundene Fahrzeuge, deren Zugfahrzeug in die Klasse B, C oder D fällt, zu dessen Führung der Fahrzeugführer berechtigt ist, die aber selbst nicht in diese Klasse(n) fallen.

Das ältere Internationale Abkommen über Kraftfahrzeugverkehr von 1926 kennt folgende drei Klassen:

Klasse Beschreibung
A Kraftfahrzeuge, deren Gesamtgewicht 3500 kg nicht übersteigt.
B Kraftfahrzeuge, deren Gesamtgewicht 3500 kg übersteigt.
C Krafträder, mit und ohne Beiwagen.

Situation in einzelnen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Länderempfehlungen Gültigkeit Internationaler Führerschein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb der EU ist das Mitführen eines internationalen Führerscheins grundsätzlich empfehlenswert. Der internationale Führerschein besitzt nur in Verbindung mit der jeweiligen nationalen Fahrerlaubnis Gültigkeit.

Land nur nationaler Führerschein ausreichend zusätzlich Internationaler Führerschein Anmerkung
Europa
EU-Staaten ja -
EWR-Staaten (Europäischer Wirtschaftsraum)
Island, Liechtenstein, Norwegen
ja -
Bosnien-Herzegowina ja -
Schweiz ja -
Türkei ja -
Russland - empfohlen
Ukraine - empfohlen
Weißrussland - empfohlen
Moldawien - empfohlen
Nordamerika
USA wird geduldet, aber keine Rechtsgrundlage ja, empfohlen -
Kanada wird geduldet, aber keine Rechtsgrundlage ja, empfohlen -
Mexiko - ja -
Mittel-/Südamerika
Argentinien - ja -
Bolivien - ja Der int. Führerschein muss vor Ort von der zuständigen Behörde abgestempelt werden.
Brasilien - ja Bei längerem Aufenthalt muss ein zeitlich begrenzter Führerschein in Brasilien ausgestellt werden.
Chile - ja -
Costa Rica - ja -
Kolumbien - ja -
Kuba - ja -
Peru - ja -
Australien/Ozeanien
Australien ja, wird geduldet zusätzlich empfohlen -
Neuseeland - ja Mit dem nationalen Führerschein plus Übersetzung oder internationalem Führerschein darf bis zu 12 Monate gefahren werden.
Asien
Bahrain - ja -
China - ja In der Regel muss noch zusätzlich eine Fahrprüfung abgelegt werden.
Indien - ja -
Indonesien - ja Nur auf Bali darf man selbst fahren, sonst muss ein Auto mit Chauffeur gemietet werden.
Irak - ja -
Iran - ja -
Israel - ja -
Japan - - In Japan wird eine Übersetzung des nationalen Führerscheins gefordert, die bis zu einem Jahr nach Einreise gültig ist. Die Übersetzung kann von der Japan Automobile Federation (JAF) erstellt werden, die in großen Städten „International Service Counter“ betreibt. Die Gebühren betragen 3000 Yen (ca. 24,- Euro) und sind in der Landeswährung zu entrichten. Einige spezialisierte Reisebüros in Deutschland bieten die Übersetzung vor einer Reise als Service an.
Katar - ja Der Int. Führerschein gilt nur 7 Tage lang. Danach muss man sich eine „Temporary Visitor's Driving Licence“ ausstellen lassen.
Malaysia - ja -
Oman - ja -
Saudi-Arabien - ja Seit Juni 2018 dürfen auch Frauen Auto fahren[5]
Thailand - ja Max. 6 Monate gültig nach dem Genfer Abkommen über den Kraftfahrzeugverkehr“ (12. August 1949). Der Deutsche Internationale nach dem Straßenverkehrsabkommen von 1968 ist in Thailand nicht gültig!
Vereinigte Arabische Emirate - ja Mindestalter ist 21. Sie benötigen eine „Temporary Visitor's Driving Licence“. Mietwagen-Unternehmen sind behilflich.
Afrika
Ägypten - ja -
Algerien - ja -
Kenia - ja bis zu 3 Monate (bei Polizei anmelden)
Marokko - ja -
Mauritius - ja -
Südafrika - ja -
Tunesien - ja -

Quelle: [6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Internationaler Führerschein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internationaler Führerschein | ÖAMTC. In: www.oeamtc.at. Abgerufen am 6. April 2016.
  2. Artikel 41
  3. a b c Kapitel IV „Führer von Kraftfahrzeugen“, (Artikel 1 Buchstabe p), Art. 41 „Führerscheine“
  4. Anhang 7 Internationaler Führerschein
  5. Paul-Anton Krüger Kairo: Saudi-Arabien: Freie Fahrt für ein bisschen freiere Bürgerinnen. In: sueddeutsche.de. 27. September 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 5. Juli 2018]).
  6. Übersicht über die Länder, in denen der internationale Führerschein benötigt wird (Memento vom 7. Dezember 2014 im Internet Archive)
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