Irma Thälmann

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Irma Gabel-Thälmann (links) und Eva Budilová, Sekretärin des ZK des Tschechoslowakischen Frauenbundes, im Berliner Palast der Republik (1987).

Irma Thälmann, eigentlich Irmgard, verheiratete Vester-Thälmann und in zweiter Ehe Gabel-Thälmann (* 6. November 1919 in Hamburg-Eppendorf; † 10. Dezember 2000 in Berlin) war eine deutsche Funktionärin des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) in der DDR. Sie war die Tochter des langjährigen KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann und überlebte zur Zeit des Nationalsozialismus die Haftzeit im KZ Ravensbrück.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irma Thälmann wurde geboren als Tochter des späteren KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann und dessen Ehefrau Rosa Thälmann, geborene Koch.[1] Sie besuchte von 1926 bis 1934 die Volksschule und danach bis 1936 die Berufsschule, die sie aufgrund ihres prominenten inhaftierten Vaters abbrechen musste. Irma Thälmann, die während ihrer Kindheit den Jungpionieren angehörte und zur Jugendzeit 1932 dem KJVD beitrat, erhielt wegen ihres bekannten Namens keine Anstellung und blieb arbeitslos.[2] Gemeinsam mit ihrer Mutter besuchte sie ihren Vater regelmäßig im Gefängnis und betätigte sich illegal als Kurierin, indem sie ihm Nachrichtenzettel überbrachte bzw. Kassiber von ihm herausschmuggelte. Außerdem gelang es ihr, ihren Vater während der Haft heimlich zu fotografieren.[3]

Ab Juni 1936 wohnte sie in Singen am Hohentwiel in der Haselstraße 1 bei ihrem Jugendfreund Heinrich Vester, den sie im Juni 1940 heiratete. Ab Dezember 1941 wohnte Irma Vester in der Rielasinger Straße 180, wo sie am 15. April 1944 festgenommen und ohne Verfahren in Singen, Hamburg sowie Berlin unter dem Tarnnamen Martha Suhren inhaftiert wurde.[4] Zusammen mit ihrer Mutter, die am 5. Mai 1944 verhaftet wurde, wurde sie bis zur Befreiung vom Nationalsozialismus im KZ Ravensbrück bzw. dessen Außenlager Neubrandenburg inhaftiert.[2][1] Obwohl sie mit dem Vermerk „Rückkehr unerwünscht“ inhaftiert worden war, erlebte sie das Kriegsende.[5]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete sie noch 1945 den Antifaschistischen Frauenausschuss mit und hielt sich danach bis 1946 mit ihrer Mutter in mehreren Sanatorien in der Sowjetunion auf. Sie gehörte der KPD an und wurde 1946 nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED Mitglied der SED. Im Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) wurde sie Vorsitzende des DFD-Kreisvorstands Berlin-Treptow. Neben dem Engagement in der Lagerarbeitsgemeinschaft Ravensbrück und dem Verfassen von Büchern übernahm sie mit ihrer Mutter Repräsentationsaufgaben für die SED. Sie selbst wirkte insbesondere für die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und zeichnete Pioniere aus.[2] Sie war die Autorin des Kinderbuchs „Erinnerungen an meinen Vater“, das 1951 erschien.[3]

Hauptberuflich war Irma Thälmann in der DDR zwei Jahre als Kaderinstrukteurin im Ministerium für Schwermaschinenbau tätig. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie anschließend mit einer Rente als Verfolgte des Naziregimes mit Kämpferstatus.[5] Im Hauptverfahren vor dem Landgericht Krefeld gegen den des Mordes an ihrem Vater verdächtigten Wolfgang Otto trat sie 1986 als Nebenklägerin auf.[2] Irma Thälmann war zugegen, als Michail Gorbatschow am 3. Oktober 1986 – anlässlich des 100. Geburtstages ihres Vaters – ein Ernst-Thälmann-Denkmal am Moskauer Leningradski Prospekt enthüllte.[6]

Nach der Deutschen Wiedervereinigung trat sie 1990 aus Enttäuschung über die Neubewertung der Rolle ihres Vaters aus der Partei des Demokratischen Sozialismus aus und der 1990 wiedergegründeten KPD bei, für die sie bei der Bundestagswahl 1994 erfolglos im Wahlkreis Berlin-Lichtenberg kandidierte (266 Stimmen).[2]

Am 9. Januar 2001 wurde die am 10. Dezember 2000 verstorbene Irma Gabel-Thälmann auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde bestattet.[7] Ihre Urne befindet sich in der Grabanlage Pergolenweg der dortigen Gedenkstätte der Sozialisten.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erinnerungen an meinen Vater. Kinderbuchverlag, Berlin 1951.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Irma Gabel-Thälmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b René Börrnert: Wie Ernst Thälmann treu und kühn! Das Thälmann-Bild der SED im Erziehungsalltag der DDR. Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 2004, ISBN 3-7815-1321-1, S. 55f.
  2. a b c d e Elke Reuter: Gabel-Thälmann, Irmgard. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  3. a b René Börrnert: Wie Ernst Thälmann treu und kühn! Das Thälmann-Bild der SED im Erziehungsalltag der DDR. Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 2004, ISBN 3-7815-1321-1, S. 57f.
  4. a b Die Geschichte wohnt gleich nebenan, Südkurier, 9. Februar 2018
  5. a b Irma Gabel-Thälmann: Geb. 1919. In: Der Tagesspiegel, Berlin, Ausgabe vom 21. Dezember 2000
  6. Michail Gorbatschow. In: Der Spiegel. Nr. 41, 1986, S. 296 (online6. Oktober 1986).
  7. Kulturzentrum der Aktion Lebensqualität e.V. : Irma Gabel-Thälmann auf http://www.al-kulturzentrum.de
  8. Neues Deutschland, 4. Oktober 1984, S. 5
  9. Berliner Zeitung, 3. Oktober 1989, S. 4
  10. Stolpersteine für Familie Thälmann verlegt - Justizminister Maas weist Kritik von Gedeon zurück