Isaak Rülf

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Isaak Rülf kurz vor seinem Tod
Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Bonn-Castell

Isaak Rülf[1] (geboren am 10. Februar 1831 in Rauischholzhausen, Hessen; gestorben am 18. September 1902 in Bonn) war ein deutscher Rabbiner, jüdischer Politiker und Zionist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isaak Rülf war der Sohn des Viehzüchters Juda Rülf. Mit 14 Jahren begann er ein Studium bei Rabbiner Mordechai Wetzlar in Gudensberg. 1848 legte er die Lehrerprüfung ab und wurde Hilfsmentor an Wetzlars Schule. Er bekam lateinischen Privatunterricht beim Ortspfarrer. 1854 immatrikulierte er sich in Marburg. Er leitete schon während seines Studiums eine Privatschule, um seinen Unterhalt zu verdienen. 1857 erhielt er das Rabbinatsdiplom.

Ab 1859 war er als Lehrer und Rabbiner in Hessen tätig. Ab 1863 war er Religionslehrer in Schwerin. Dort erhielt er seine vollständige Ordination als Rabbiner. Anfang 1865 promovierte er in Rostock.

Rülf war seit 1865 als Rabbiner in Memel tätig. Dort war er auch Redakteur der politischen Tageszeitung Memeler Dampfboot. Er trat auch als philosophischer Schriftsteller hervor, besonders durch das fünfbändige Werk Wissenschaft des WeltgedankensWissenschaft der GedankenweltWissenschaft der KrafteinheitWissenschaft der GeisteseinheitWissenschaft der Gotteseinheit.

Isaak Rülf war ein früher Wegbereiter der Chibbat Zion.[2] Sein besonderes Interesse galt den russischen Juden sowie jüdischen Emigranten, für die er als jüdischer Politiker Hilfswerke organisierte. Dies brachte ihm den Beinamen „Dr. Huelf“ ein. Er unterstützte Theodor Herzl von Anfang an, vor allem gegen die antizionistischen „Protestrabbiner“. Bis zu seinem Tod nahm er an allen Zionistenkongressen teil. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Bonn in unermüdlicher Arbeit für die Verbreitung des zionistischen Gedankens.

Rülf war verheiratet mit Viola Bechhof (1842–1926).

Weitere Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nothruf aus Memel. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr.31 vom 31. Juli 1869.
  • Meine Reise nach Kowno, 1869.
  • Drei Tage in Jüdisch-Russland, 1881.
  • Aruchas Bas-Ammi. Israels Heilung. Ein ernstes Wort an Glaubens- und Nichtglaubensgenossen, Frankfurt 1883[3]
  • Das Erbrecht als Erbübel, o. O. o. J.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Band 18, de Gruyter, Berlin 2010, S. 423–426
  • Artikel Rülf, Isaak. In: Lexikon des Judentums. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 680.
  • Harald Lordick: Isaac Rülf – Rabbiner, Philosoph, Zionist, Philanthrop. In: Kalonymos 3, 2000, Extrablatt, S. 21f. (online).
  • Eintrag RÜLF, Isaak, Dr. In: Michael Brocke und Julius Carlebach (Herausgeber), bearbeitet von Carsten Wilke: Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 1: Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781–1871. K·G·Saur, München 2004, ISBN 3-598-24871-7, S. 760f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Isaak Rülf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Herkunft des Namens siehe den Artikel Schlomo Friedrich Rülf.
  2. 1900 schrieb Rülf selbst dazu: "Ich betrachte, und gewiss nicht mit Unrecht, drei Männer als die Väter des neuzeitlichen Zionismus: Unseren verewigten Freund Dr. Pinsker, Sie und meine Wenigkeit." Brief von Rabb. Dr. Rülf an Dr. K. Lippe in Jassy. Mitgeteil von Ch. Bloch, in: Die Stimme der Wahrheit. Jahrbuch für wissenschaftlichen Zionismus, Würzburg 1905, S. 217.
  3. Aruchas Bas-Ammi gilt als Rülfs wichtigstes Werk, das er in Anlehnung an Leon Pinskers Autoemanzipation über das Judenproblem in Europa bereits vollständig auf zionistischer Grundlage verfasste.