Israel und die Bombe

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Filmdaten
OriginaltitelIsrael und die Bombe
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2012
Länge52 Minuten
Stab
RegieDirk Pohlmann
DrehbuchDirk Pohlmann
ProduktionAnja Kühne
Florian Hartung
MusikMona Mur
KameraMichael Khano
Jean Schablin
Peter Reuther
SchnittSebastian Schmidt
Elsa Kampen

Israel und die Bombe, Langtitel Israel und die Bombe – Ein radioaktives Tabu,[1] ist ein Fernseh-Dokumentarfilm aus dem Jahr 2012.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhaltliche Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film behandelt die Geschichte des israelischen Nuklearwaffenprogramms, die Informationspolitik Israels diesbezüglich sowie rechtliche und moralische Aspekte. Um die Aussagen des Films zu stützen, werden eine Reihe von Interviews gezeigt, unter anderem mit dem israelischen Philosophen und Atomwaffenkritiker Avner Cohen, dem israelischen Militärhistoriker Martin van Creveld, mit Avi Primor, der von 1993 bis 1999 israelischer Botschafter in Deutschland war, sowie mit Karsten Voigt, der von 1983 bis 1998 außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag war.

Ausgangsthese: Die Politik der Undurchschaubarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einleitend stellt der Film die israelische Politik der Undurchschaubarkeit („עֲמִימוּת“ Amimut „Mehrdeutigkeit“) anhand des Falls von Mordechai Vanunu dar. Dieser habe das in Israel geltende Tabu, dass über die atomare Bewaffnung des eigenen Landes nicht gesprochen werden dürfe, verletzt, indem er der Sunday Times Material über Israels geheimes Atomwaffenprogramm zugänglich machte, und sei dafür zu einer hohen Haftstrafe von 18 Jahren wegen Spionage und Hochverrats verurteilt worden. Offiziell streitet Israel bis heute ab, im Besitz von atomaren Waffen zu sein, und sieht sich auf dieser Grundlage auch nicht in der Pflicht, internationale Verträge wie den Atomwaffensperrvertrag einzuhalten.

Darstellung der Geschichte des israelischen Nuklearwaffenprogramms[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film rekonstruiert die Genese des Programms der atomaren Bewaffnung Israels aus dem Szenario des Zweiten Weltkrieges. Die Erfahrung aus dem Holocaust und der Haltung der alliierten Streitkräfte, für die der Schutz der europäischen Juden vor der Ermordung durch Nazideutschland kein Kriegsziel gewesen sei, habe zu der Einstellung geführt, dass im Ernstfall nur Juden für die Sicherheit des jüdischen Volkes einstehen würden. Der Besitz atomarer Waffen sei daher ein Ziel von Israels Politik gewesen, das mit allen – lauteren und unlauteren Mitteln – verfolgt worden sei.

Unter der Regierung von Kennedy habe sich die Politik der USA, die der Militärhistoriker Martin van Creveld als ein Abkommen beschreibt, bei dem die USA weggeschaut hätten unter der Prämisse, dass Israel sein Nuklearprogramm geheim halten werde, drastisch geändert, da Kennedy nicht bereit gewesen sei, ein israelisches Atomwaffenprogramm und die mit ihm einhergehende Gefahr, dass weitere Staaten das notwendige Know-how für den Bau von Nuklearwaffen erhalten könnten, zu dulden.

Bevor 1967 am Vorabend des Sechs-Tage-Krieges die erste israelische Atombombe fertig gewesen sei, hätten sich die Sowjetunion, der es vorrangig um die Verhinderung einer israelischen Bombe gegangen sei, und die Arabischen Staaten verbündet. Allerdings habe niemand mit dem Erfolg des israelischen Präventivangriffs auf die arabische Luftwaffe gerechnet, so dass sich die Sowjetunion letztlich passiv in dem Krieg verhalten habe. 1969 sei dann zwischen Golda Meir und Richard Nixon ein Geheimabkommen geschlossen worden, in dem die USA Israel gestatten, Atommacht zu sein.

Eines der drei israelischen U-Boote der Dolphin-Klasse aus deutscher Produktion

Als 1991 im Golfkrieg Saddam Hussein aus Rache für die Angriffe auf den Irak Israel mit Scud-Raketen bombardieren ließ, nutzten das die israelischen Politiker, um Deutschland moralisch unter Druck zu setzen. Der Erfolg der Strategie sei die Lieferung von drei deutschen U-Booten an Israel gewesen, von denen nur ein halbes U-Boot bezahlt werden musste. Die U-Boote seien umgehend mit nuklearen Cruise-Missile-Raketen bestückt worden. Avi Primor beschreibt, dass trotz aller Kenntnisse über israelische Atombomben die jeweiligen deutschen Regierungen stets so getan hätten, als gäbe es sie nicht. Der Film stellt die These auf, dass israelische Atomwaffen somit auch ein Tabu in Deutschland seien. Der Politiker Karsten Voigt, der in der Zeit außenpolitischer Sprecher der SPD war, gibt an, dass das Schlimmste gewesen wäre, wenn man Israel gefragt und dort eine ehrliche Antwort bekommen hätte – weswegen die Fragen unterblieben seien. Dennoch sei jedem mit der Materie befassten Politiker klar gewesen, dass die deutsche Lieferung von Israel umgehend zu Zwecken der atomaren Aufrüstung verwendet würde, nur sei das ein Punkt, über den niemand genauer nachdenken wolle.

Fazit des Films: Israel als Atommacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammenfassend konstatiert der Film, dass Israel eine der größten Atommächte sei, weltweit Ziele angreifen könne, seine Bürger zum Schweigen verpflichtet habe und so sein atomares Rüstungsprogramm der demokratischen Kontrolle entziehe.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Arbeitstitel des Films lautete Der Kalte Krieg im Nahen Osten. Vor-Ort-Drehs fanden vom 11. September bis 5. November 2011 in den Vereinigten Staaten, Israel, Deutschland, Großbritannien und Frankreich statt. Die Filmregie führte Dirk Pohlmann, der auch das Drehbuch schrieb.

Die Erstausstrahlung des 52 Minuten langen Films fand am 7. Juli 2012 auf ARTE statt. Die Redaktion hatten Martin Pieper (ARTE) sowie Annette Tewes (ZDF) inne.[2][3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Titelangabe in der Ankündigung des Arte-Programms vom 7. Juli 2012 auf ARD.de (online; abgerufen am 7. Oktober 2012).
  2. Israel und die Bombe. Arte, abgerufen am 22. Juli 2012.
  3. Israel und die Bombe. Ein radioaktives Tabu. Februar Film GmbH, Berlin, abgerufen am 25. August 2012.