Dirk Pohlmann

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Dirk Pohlmann (* 11. August 1959) ist ein deutscher Drehbuchautor und Filmregisseur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pohlmann studierte in Mainz Publizistik, Philosophie und Rechtswissenschaft mit dem Abschluss Magister Artium. Er besaß eine Berufspilotenlizenz mit Instrumentenflugberechtigung. Seit 1986 ist er mit zahlreichen Beiträgen in mehreren Fernsehsendern als TV-Autor und Regisseur tätig. Seit 2004 beschäftigt er sich nach eigenen Angaben insbesondere mit Geheimdienstoperationen im Kalten Krieg.[1] Er erstellte historische Dokumentationen u. a. für Arte, ZDF, ARD und Spiegel-TV.

Schon früh nach der Gründung der Cargolifter AG drehte Pohlmann einen Dokumentarfilm über das Unternehmen[2] und arbeitete später als Freier Mitarbeiter des Unternehmens. Im Juni 2000 wurde Pohlmann Geschäftsführer der CargoLifter World GmbH, einer Tochtergesellschaft der CargoLifter AG, welche sich neben der Dokumentation der Technikentwicklungen des Unternehmens mit der Erstellung von Public Relations- und Marketing-Videos und der Konzeption, Errichtung und dem Betrieb des CargoLifter Besucherzentrums beschäftigte.[3] Diese Position hatte er bis zur Insolvenz der CargoLifter AG Mitte des Jahres 2002 inne.[4]

Pohlmann ist verheiratet und hat drei Kinder.

Werk, Positionen und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Dokumentarfilm Der geheime Luftkrieg der Supermächte, Erstausstrahlung am 28. Januar 2004 auf dem Sender Arte, zeigt Pohlmann, wie die amerikanischen Luftstreitkräfte Spionageflüge von ihrem Hauptquartier in Wiesbaden aus unternahmen und es dabei auch zu Konfrontationen zwischen amerikanischen Aufklärungsflugzeugen und sowjetischen Abfangjägern kam.[5] Von ihrem Einsatz im Höhenflugzeug U-2 seien mehr als 150 US-Flieger nicht zurückgekehrt. Der Film zeigt neben zuvor unbekannten Flug- und Kampfszenen auch Interviews mit ehemals sowjetischen und amerikanischen Piloten.[6] Der Historiker Michael Jeismann kommt in einer Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu der Einschätzung, dass dieser „hervorragende Dokumentarfilm […] nicht nur faszinierendes Archivmaterial über diese Aufklärungsflüge“ bereitstelle, sondern auch „ungeklärten Fällen“ nachgehe. So ende Pohlmanns „hartnäckige Recherche […] erst vor dem Schweigen einer sowjetisch-amerikanischen Kommission“, die aufklären sollte, ob „abgeschossene Piloten gerettet und dann in Lagern gefangengehalten wurden“. Pohlmann versammle hierfür zahlreiche Indizien. Es spreche auch manches dafür, dass die Konfliktparteien kein Interesse an der Aufarbeitung des Geschehens hatten. „Fast unglaublich“ sei es zudem, dass „die CIA eigene Kampfflugzeuge besaß, mit denen sie auf eigene Faust Operationen unternahm“. Der Film stelle „in einer Drastik, die durch Nüchternheit noch gesteigert wird, den menschenverachtenden Zynismus der beiden Militärmaschinerien heraus“.[5]

In seinem Film In feindlichen Tiefen, Erstausstrahlung am 15. Juni 2005 auf dem Sender Arte,[7] berichtet Pohlmann von den damals geheimen U-Boot-Operationen der USA und der Sowjetunion, unter anderem „riskante Spionage-Einsätze der US-Kampfschwimmer in sowjetischen Gewässern“, bei denen es zu zahlreichen tödlichen Unfällen gekommen sei. Auch sollen beide „Supermächte“ bei verschiedenen Einsätzen U-Boote durch Unfälle oder Kollisionen verloren haben. Pohlmann lässt im Film Ola Tunander, zum damaligen Zeitpunkt Professor am Institut für Friedensforschung in Oslo, zu Wort kommen, der „sich sicher“ ist, dass „die angeblich sowjetischen U-Boote, die Anfang der 80er Jahre erfolglos von den Skandinaviern gejagt wurden, in Wirklichkeit Teil der psychologischen Kriegsführung der Amerikaner“ gewesen seien. Das „gemeinsame Ziel einiger sehr hoher schwedischer Offiziere, der britischen Thatcher-Administration und der Politik Ronald Reagans“ sei „die Diskreditierung der Regierung Olof Palme und ihrer Initiative für ein nuklearwaffenfreies Nordeuropa“ gewesen.[8]

In seinem Dokumentarfilm Mengeles Erben, Erstausstrahlung am 12. Mai 2010 auf dem Sender Arte, berichtet Pohlmann über systematische medizinische Experimente an Menschen im Kalten Krieg, die zuvor kaum systematisch erforscht worden seien. Er dokumentiert, wie „einige der schlimmsten Kriegsverbrecher mit den Siegermächten [des Zweiten Weltkrieges] Straffreiheit gegen Übergabe der Versuchsergebnisse“ aushandelten. Militärs und Geheimdienste in den USA seien insbesondere an den „Ergebnissen echter Menschenexperimente mit Pest, Anthrax und Tularämie, Unterkühlung, Unterdruck und neuartigen Bomben“ interessiert gewesen. Keiner der Täter sei in den USA bestraft worden. Auch in den ehemals kommunistischen Staaten sei „die Aufarbeitung dieser finsteren Vergangenheit schleppend“ verlaufen, die Verbrechen seien vertuscht worden.[9] Der Journalist Jens Brüning kommt in einem Bericht für Deutschlandfunk Kultur zu dem Fazit: „Dirk Pohlmanns Film ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven oder einem fest gefügten Weltbild. Er ist ein Hinweis auf Täter, hinter denen man die Auftraggeber bisher nur vermuten kann“[10] Der Redakteur Hendrik Feindt bemängelt in einer Rezension im Tagesspiegel an Pohlmanns Dokumentation, dass diese sich einer aus „Überläuferpropaganda“ gespeisten „Rhetorik des Kalten Krieges“ bediene, wenn sie die Verbrechen des KZ-Arztes Joseph Mengele mit Menschenversuchen beider Seiten im Ost-West-Konflikt gleichsetze. Wenig überzeugend sei auch die dämonische Ausleuchtung bei Interviews. Einmontiert erscheinende Archivaufnahmen von medizinischen Experimenten aus diversen, nicht selten ungenannten Quellen dienten dem Erzielen von Schockeffekten. Die Informationen, um die herum Pohlmann seine Interviews und Archivausschnitte gruppiere, gingen ganz überwiegend auf nur eine einzige Person zurück, nämlich den tschechoslowakischen Überläufer Jan Šejna.[11]

In einem Interview von 2011 nannte Pohlmann fingierte Kriegsgründe wie den Mukden-Zwischenfall oder den Überfall auf den Sender Gleiwitz neben der den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg verursachenden Lusitania-Versenkung und bezog sich auf Daniele Gansers Behauptungen zum Oktoberfestattentat über eine angebliche Beteiligung von durch US-Nachrichtendienste finanzierten Gruppierungen. Die besten Verschwörungen seien die, von denen man nie höre, so Pohlmann. Kritiker würfen ihm vor, dass seine Filme nie zu konkreten Schlussfolgerungen kämen; er sehe hingegen seine Aufgabe vielmehr darin, kritisch zu bleiben. Die Erklärungen des Mainstreams seien nur ein Konsens hinsichtlich der Realität, aber die Dinge dahinter würden sich als ganz anders herausstellen.[12]

In seiner Dokumentation Täuschung – Die Methode Reagan, Erstausstrahlung am 5. Mai 2015 auf dem Sender Arte, versucht Pohlmann aufzuzeigen, dass mit Beginn der Präsidentschaft Ronald Reagans die Strategie der USA im Kalten Krieg neu ausgerichtet wurde. Neben der Aufrüstung sei mit dem „Komitee für Täuschungsoperationen“ eines der „wichtigsten Instrumente im Kampf gegen die Sowjetunion“ geschaffen worden, dessen Ziel die „Verunsicherung und Demütigung bei gleichzeitiger Demonstration von Stärke und technischer Überlegenheit“ gewesen sei. Hierzu seien „Gasleitungen […] mit eingeschleusten Computerchips und Trojanern sabotiert“ sowie „Flug- und Seemanöver vor dem wichtigsten Stützpunkt der Sowjets in Murmansk durchgeführt“ worden.[13]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie und Drehbuch:

  • 1999: für die Serie Heimatfront die TV-Folge Die Volksgemeinschaft
  • 2000: für die Serie Soldaten hinter Stacheldraht die TV-Folge Im Osten
  • 2003: Abschuss über der Sowjetunion – Der geheime Luftkrieg der Supermächte
  • 2004: für die Serie Zeitreisen – Geschichte entdecken, drei TV-Folgen: Heilige Kriege – Christen gegen Christen, Heilige Kriege – Im Namen Christi sowie Heilige Kriege – Im Namen Allahs[14]
  • 2005: Ufos, Lügen und der Kalte Krieg
  • 2005: In feindlichen Tiefen – Der geheime U-Boot-Krieg der Supermächte (auch bekannt als Der geheime U-Boot-Krieg der Supermächte – Deutschland)
  • 2006: in der ZDF Reihe ZDF Expeditionen – Magische Welten die Folge Shangri-La – Spurensuche in Tibet
  • 2006: Hinter den feindlichen Linien – Geheimoperationen im Kalten Krieg
  • 2007: Kriegsbeute Mensch – Wie Regierungen ihre Soldaten verraten[15]
  • 2007: Ich wollte nicht mehr aufstehen – Neue Forschung gegen Depressionen
  • 2008: Der Zuckercode – Geheimwaffe gegen Krebs und Malaria?
  • 2009: Geheimnis Area 51 – MiGs im Sperrgebiet
  • 2010: Mengeles Erben – Menschenexperimente im kalten Krieg
  • 2011: Tod in der Tiefe – Schlagabtausch der Supermächte
  • 2012: Israel und die Bombe – Ein radioaktives Tabu
  • 2013: Dienstbereit – Nazis und Faschisten im Auftrag der CIA
  • 2015: Täuschung – Die Methode Reagan (beim Filmfestival Das Meer ruft! in St.Petersburg ausgezeichnet als „bester ausländischer Film“)
  • 2016: Transportgiganten – Das Comeback der Luftschiffe (den Abschnitt über CargoLifter bearbeitete anstelle Pohlmanns in diesem Film Cornelia Borrmann)
  • 2016: Europas größte Marsmission (zusammen mit Cornelia Borrmann)[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Pohlmann: Die CargoLifter-Affäre. In: Lifter news. Band 3, November 2009, S. 12–13, urn:nbn:de:101:1-201104263040.
  2. Mike Steere: The Baron’s Big Balloon. 1. August 2000, abgerufen am 8. Dezember 2012.
  3. Handelsregister-Bekanntmachungen vom 18. Juli 2000 (HRB 75733): CargoLifter World GmbH.
  4. Barbara Möller: Beim CargoLifter ist die Luft raus. In: Hamburger Abendblatt. 10. Juni 2002.
  5. a b Michael Jeismann: Die Piloten dachten, sie seien Helden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. Januar 2004, ISSN 0174-4909, S. 40.
  6. TV-Vorschau. In: Der Spiegel. Nr. 5, 2004, S. 45 (online26. Januar 2004).
  7. TV-Vorschau. In: Der Spiegel. Nr. 24, 2005, S. 159 (online13. Juni 2005).
  8. In feindlichen Tiefen. Der geheime U-Boot-Krieg der Supermächte. In: Phoenix. 28. Dezember 2009, abgerufen am 10. Juni 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/www.phoenix.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  9. Heike E. Krüger-Brand: Menschenexperimente: TV-Dokumentation „Mengeles Erben“. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 107, Nr. 17, 2010, S. A-822- (aerzteblatt.de [PDF; abgerufen am 10. Juni 2018]).
  10. Jens Brüning: Tödliche Experimente. Dokumentarfilm „Mengeles Erben“ zeigt Praktiken der Ärzte im Kalten Krieg. In: Deutschlandfunk Kultur. 11. Mai 2010, abgerufen am 23. Juni 2018.
  11. Hendrik Feindt: Die Dämonen, Der Tagesspiegel vom 12. Mai 2010.
  12. Interview mit Dana Kikic:“The best conspiracies are those you’ll never hear about”, Exberliner vom 21. April 2011.
  13. Täuschung – Die Methode Reagan. In: Das Erste. 5. Mai 2015, abgerufen am 10. Juni 2018.
  14. Belegexemplar im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  15. Kriegsbeute Mensch (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) dokumentarfilm.info. Abgerufen am 27. November 2015
  16. Europas größte Marsmission, ARD-Programmhinweis