Jürgen Ohlsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Jürgen Ohlsen (* 15. März 1917 in Berlin-Schöneberg; † 23. September 1994 in Düsseldorf) war ein deutscher Schauspieler. Er wurde vor allem als Darsteller der Hauptrolle des „Heini Völker“ in Hitlerjunge Quex bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohlsen bekam 1933 die Rolle des „Heini Völker“ in dem Propagandafilm Hitlerjunge Quex, die ursprünglich Hermann Braun (1917–1945) übernehmen sollte, der jedoch wegen einer plötzlichen und langwierigen Krankheit ausfiel.[1] Er spielte, neben Heinrich George als seinem Vater und Berta Drews als seiner Mutter, unter der Regie von Hans Steinhoff den begeisterten Hitlerjungen, der schließlich von Kommunisten ermordet wird. Im Vorspann wird er nur anonym als „ein Hitlerjunge“ erwähnt.[2] Ob Ohlsen tatsächlich Mitglied der Hitlerjugend war, ist umstritten, angeblich sei er sogar Mitglied der verbotenen bündischen Südlegion gewesen.[3]

Von der NSDAP wurde er als Idealgestalt eines Hitlerjungen auf Tournee durch ganz Deutschland geschickt. Ebenfalls 1933 spielte er im sechsminütigen Kurzfilm Alle machen mit ebenfalls die Rolle des „Heini Völker“. 1935 war er als „Heinz Muthesius“ in Wunder des Fliegens als Flugschüler der Luftwaffe zu sehen. Dies wurde sein letzter Film; Ohlsen wurde 1935 offenbar aus der Hitlerjugend ausgeschlossen, da er verdächtigt wurde, mit Juden Tennis gespielt zu haben. Offiziell wurde dies zwar dementiert, aber der Jungstar verschwand in den folgenden Jahren zusehends aus der Öffentlichkeit.[4][5][6]

Dem „Jugendführer des deutschen Reiches“ Baldur von Schirach wurden pädo- beziehungsweise hebephile Neigungen und Beziehungen zu Hitlerjungen, besonders zu Jürgen Ohlsen, nachgesagt, die sich jedoch aus historisch-kritischer Sicht nicht substantiieren lassen.[4] Die Gerüchte waren aber so stark, dass seit etwa 1933/34 das abgeleitete Verb quexen für sich homosexuell betätigen in der HJ gebräuchlich gewesen sein soll. Schriftlich belegt ist dieses Wort in dem im Herbst 1938 abgeschlossenen und 1940 in London auf Englisch erschienenen Buch Hitler Youth von Hans Siemsen. Auf Deutsch erschien es erstmals 1947 unter dem Titel Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers. Grundlage der – auch aus Personenschutzgründen – fiktiven Geschichte bilden die mündlichen Erzählungen des Rheinländers Walter Dickhaut, welcher nach brutalen Verhören durch die Gestapo Anfang 1936 aus Deutschland fliehen konnte und die letzte große Liebe Siemsens wurde.[7][8] Laut einer Kritik an der nationalsozialistischen Filmpolitik in einer österreichischen Zeitung vom März 1935 soll Ohlsen „vor kurzem“ wegen Vergehen nach dem noch nicht verschärften Homosexuellenparagraphen 175 ins Konzentrationslager gekommen sein.[9] James Ohlsen mutmaßte 1994 in einem Artikel, Jürgen Ohlsen sei, nachdem die Partei seine homosexuelle Neigung entdeckt hatte, von dieser unauffällig beseitigt worden.[10]

Laut Internet Movie Database ist Ohlsen jedoch im Jahre 1994 eines natürlichen Todes gestorben. Laut Find a Grave ist er am Friedhof Unterbach auf Feld 2, Nr. 51 begraben.[11]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1933: Hitlerjunge Quex: Ein Film vom Opfergeist der deutschen Jugend
  • 1933: Alle machen mit (Kurzfilm, 6 Minuten)
  • 1935: Wunder des Fliegens: Der Film eines deutschen Fliegers / Wolkenrausch

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Städeli: Hermann Braun. In: Cyranos.ch. 12. August 2014, abgerufen am 24. Dezember 2018.
  2. Kurt Schilde: Der Film zum Buch zum Tod. In: Berliner Zeitung. 24. Januar 2007, abgerufen am 24. Dezember 2018.
  3. Paulus Buscher: Das Stigma. Verlag Bublies, Koblenz 1988, ISBN 3-926584-01-7, S. 169.
  4. a b Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann – Ein biographisches Lexikon. Suhrkamp Taschenbuch, Hamburg 2001, ISBN 3-518-39766-4.
  5. Hans Schmid: Das dritte Reich im Selbstversuch. In: Telepolis. 4. April 2010, abgerufen am 24. Dezember 2018.
  6. 'Perfect' Hitlerite falls from Grace. Reading, PA, USA 22. August 1935, S. 13 (englisch, bei Google News [abgerufen am 24. Dezember 2018]).
  7. Gottfried Lorenz: Hans Siemsen – Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers – Der Fall des Harburger HJ-Führers K. Sch. In: Gottfried Lorenz - Aufsätze, Rezensionen, Vorträge. S. 26, abgerufen am 24. Dezember 2018.
  8. Dieter Sudhoff: Nachwort. In: Dieter Sudhoff (Hrsg.): Hans Siemsen – Lesebuch (= Nylands kleine westfälische Bibliothek. Nr. 3). Nyland-Stiftung, Köln 2003, ISBN 3-936235-02-3, S. 137 ff. ((PDF; 1,3 MB) bei lwl.org [abgerufen am 24. Dezember 2018]).
  9. Homöopathische Dosen für den deutschen Film. In: Salzburger Chronik, mit der illustrierten Beilage „Oesterreichische Woche“, 16. März 1935, S. 8 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/sch
  10. James Ohlsen: Informationen über Jürgen Ohlsen („Hitlerjunge Quex“) erbeten. In: Forum Homosexualität und Literatur. Nr. 20. Forschungsschwerpunktes Homosexualität und Literatur im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaftender Universität-GH Siegen, 1994, S. 128.
  11. Joseph R. Gainey: Jürgen Ohlsen. In: Find a Grave. 27. August 2014, abgerufen am 24. Dezember 2018 (englisch).