Jürgen Ovens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Selbstbildnis, um 1650, Hamburger Kunsthalle
Porträt des Amsterdamer Zuckerfabrikanten Cornelis Nuyts, 1661

Jürgen Ovens (* 1623 in Tönning; † 9. Dezember 1678 in Friedrichstadt) war ein Maler des Rembrandtkreises. Der größte Teil seiner Werke entstand im Auftrag der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, in Amsterdam war er ebenfalls als Porträtist erfolgreich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jürgen Ovens wurde 1623 als Sohn des wohlhabenden Ratsherrn und Kaufmanns Ove Broders und seiner Frau Agneta geboren. Das genaue Geburtsdatum ist unbekannt.[1] Auch sein Bruder Broder Ovens arbeitete als Maler und Kunsthändler.[2] Ovens’ Sohn Friedrich Adolf Ovens († 1699) war ebenfalls Ratsverwandter und Maler in Tönning.[3] Nach einer grundlegenden Ausbildung, evtl. beim Tönninger Maler Lorens de Keister, ging Ovens um 1640 nach Amsterdam, wo er in der Werkstatt Rembrandts in die Lehre ging.[4] Später war er in der Werkstatt Hendrick van Uylenburghs bzw. seines Sohns Gerrit van Uylenburgh tätig.[5] In diesen Kreisen lernte Ovens Govert Flinck kennen, mit dem er künstlerisch und persönlich eng verbunden war. 1651 ging Ovens dauerhaft zurück nach Schleswig-Holstein und ließ sich in Friedrichstadt nieder, das eng mit den Niederlanden verbunden war. 1652 heiratete Ovens Maria Martens van Mehring. Im selben Jahr erhielt er von Herzog Friedrich III. ein Privileg, dass ihn u. a. von städtischen Abgaben befreite. Ovens war jedoch zu keinem Zeitpunkt Hofmaler, dieses Amt hatte seinerzeit Johannes Müller inne.[6] Ovens selbst nannte sich freier Maler, er gehörte nicht zum Hofstaat.[7][8]

Ovens’ erste Friedrichstädter Zeit fällt in die wichtigsten Jahre der Gottorfer Blütezeit unter Friedrich III., in der Wissenschaften und Künste am Hof gefördert wurden. Für Friedrich III. und Herzogin Maria Elisabeth malte Ovens Porträts und großformatige Historiengemälde. Auch für weitere Hofangehörige war der Maler tätig, so für Johann Adolph Kielmann von Kielmannseck.

Mit dem Zweiten Nordischen Krieg endete diese Phase und Ovens zog mit seiner Familie 1657 nach Amsterdam. Durch die Vermittlung der Uylenburghs und seinen Ruf als „Hofmaler“ konnte er schnell prestigeträchtige Aufträge gewinnen, so porträtierte Ovens im Laufe der Zeit zahlreiche Vertreter des Amsterdamer Bürgeradels, so den Anatom Nicolaes Tulp, bekannt aus Rembrandts Anatomie des Dr. Tulp.[9] Für das Amsterdamer Stadhuis überarbeitete Ovens 1662 Govert Flincks Aquarell der Verschwörung der Bataver unter Iulius Civilis, das bis heute am Platz hängt, anstelle von Rembrandts Gemälde, das nicht wieder in den Burgerzaal des Paleis op de Dam zurückkehrte.[10]

1663 kehrte Ovens dauerhaft wieder nach Friedrichstadt zurück, der junge Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf erneuerte sein Privileg.[11] Die Arbeiten für Christian Albrecht und seine Frau Friederike Amalie sind die umfangreichsten im Œuvre. Beteiligt an der Konzeption mehrerer Bilder war der Hofgelehrte Adam Olearius.

Ovens hielt stets Kontakt ins jeweils andere Land und reiste wohl häufiger für kürzere Zeit von Friedrichstadt nach Amsterdam oder umgekehrt. Das letzte Mal begab er sich 1674 nach Amsterdam. 1675 verließ Gerrit van Uylenburgh die Niederlande, womit Ovens seinen wichtigsten Vermittler verlor.[12]

Nach etwa einjähriger Krankheit starb Ovens am 9. Dezember 1678 und wurde am 21. Januar 1679 in der Christophoruskirche in Friedrichstadt beerdigt.[13]

Porträt Herzog Christian Albrechts von Schleswig-Holstein-Gottorf, 1665, Kunsthalle zu Kiel

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ovens’ Werk ist geprägt vom steten Wechsel zwischen Schleswig-Holstein und den Niederlanden, er ist ein wichtiger Mittler niederländischer Malerei in den Norden. Während seine frühen Werke noch deutlich die Schulung in der Rembrandt-Werkstatt zeigen, wandte Ovens sich zunehmend dem internationalen hellen Stil, geprägt von flämischen Meistern, zu. Anthonis van Dyck ist als wichtigstes Vorbild zu nennen, das Ovens häufig aufgriff und in seinen Notizen bewundernd beschrieb.[14] Diese Entwicklung, die eine Orientierung an Mode und Markt bedeutete, ist typisch für die Malergeneration Ovens’ und so auch bei anderen Rembrandt-Schülern zu beobachten, z. B. Govert Flinck, Jacob Adriansz. Backer oder Ferdinand Bol.

Während in und um Amsterdam noch einige Ovens-Werke am Ort ihrer Bestimmung bzw. in altem Besitz sind, sind die umfangreichen Werke aus Schloss Gottorf nach 1713, als Gottorf wieder an den dänischen König fiel, nach Kopenhagen und bis nach Stockholm gelangt. Dennoch besitzen die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen Schloss Gottorf heute wieder einen aussagekräftigen Querschnitt durch Ovens’ Werk.

Große Ovens-Sammlungen besitzen das Nationalmuseum Stockholm, v. a. die Staatliche Porträtsammlung auf Schloss Gripsholm, und das Dänische Nationalhistorische Museum auf Schloss Frederiksborg in Hillerød. Hierhin ist der größte Teil der Gottorfer Werke gelangt. Der Gottorf-Zyklus mit Szenen der Gottorfer Geschichte hängt heute größtenteils als Dauerleihgabe Frederiksborgs in Christiansborg, er ist die größte erhaltene Werkgruppe Ovens’. Die aufwendige Ausmalung der Amalienburg, einem Lusthaus im Gottorfer Neuwerkgarten, ist hingegen verloren und kann nur anhand von Skizzen rekonstruiert werden.[15]

Justitia aus Schloss Gottorf, um 1665, Museumsberg Flensburg

Wichtige und umfangreiche Grafikbestände gehören zu den Sammlungen der Hamburger Kunsthalle und der Kunsthalle Bremen.

In Amsterdam hängen Ovens-Werke z. B. im Paleis op de Dam oder dem ehemaligen Bürgerwaisenhaus. Auch das Rijksmuseum besitzt mehrere Gemälde.

In Norddeutschland haben sich v. a. religiöse Arbeiten an ihren Bestimmungsorten erhalten, so mehrere Stücke im Dom zu Schleswig, in der Christophoruskirche in Friedrichstadt oder im Ovens-Epitaph in der Laurentiuskirche Tönning. Seit 2013 ist die stark beschädigte Kreuzigung aus der Schlosskirche Dargun wieder als Ovens identifiziert.[16]

Das schöpferische Gesamtwerk Ovens' umfasst Gemälde, Zeichnungen und Radierungen unterschiedlicher Motivik. Ovens' komplettes Werk inkludiert religiöse Motive, Allegorien, mythologische Motive, Bildnisse wie auch Stilleben.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harry Schmidt: Jürgen Ovens. Sein Leben und seine Werke. Ein Beitrag zur Geschichte der niederländischen Malerei im XVII. Jahrhundert. Selbstverlag, Kiel 1922 (Digitalisat).
  • Constanze Köster: Jürgen Ovens (1623–1678). Maler in Schleswig-Holstein und Amsterdam, Michael Imhof Verlag GmbH & Co KG, Petersberg 2017 (Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte 147), ISBN 978-3-7319-0369-7.
  • Lars Olof Larsson: Jürgen Ovens und die Malerei an den nordeuropäischen Höfen um die Mitte des 17. Jahrhunderts, in: Sven Olof Lindquist (Hg.): Economy and Culture in the Baltic. 1650–1700, Visby 1989, S. 161–176.
  • Epitaph mit Selbstporträt und Porträt seiner Ehefrau in Tönning
    Norbert Middelkoop: Jürgen Ovens in Amsterdam. A Reconnaissance of the Artist’s Dutch Years, in: Nils Büttner/Esther Meier (Hg.): Grenzüberschreitung. Deutsch-niederländischer Kunst- und Künstleraustausch im 17. Jahrhundert 2011, S. 123–138.
  • Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Band 4, 177; Band 5, 297.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jürgen Ovens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schmidt 1922 (op. cit.), S. 10.
  2. Köster 2017 (op. cit.), S. 21.
  3. Harry Schmidt: Ovens, Friedrich Adolf. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 26, E. A. Seemann, Leipzig 1932, S. 103.
  4. Köster 2017 (op. cit.), S. 21ff.
  5. Köster 2017 (op. cit.), S. 25ff.
  6. Schmidt 1922 (op. cit.), S. 21, Anm. 21.
  7. Köster 2017 (op. cit.), S. 56f.
  8. offenbar erfolgte die von Rembrandt verlangte Überarbeitung seines Gemäldes nicht; Ref.: Köster 2017, S, 164
  9. Köster 2017 (op. cit.), S. 110ff.
  10. Köster 2017 (op. cit.), S. 161ff.
  11. Schmidt 1922 (op. cit.), S. 121, S. 120f.
  12. Köster (op. cit.), S. 269ff.
  13. Schmidt 1922 (op. cit.), S. 50.
  14. Köster (op. cit.), S. 300 und passim.
  15. Köster 2017 (op. cit.), S. 211ff.
  16. Ist Rembrandt-Schüler Schöpfer des Gemäldes? Abgerufen am 11.2.2017.
  17. Köster, S. 355 ff. (Katalog)