Jakobskathedrale (Stettin)

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Die Jakobikirche mit neuem Turmhelm und Dachreiter
Die Jakobikirche mit altem Turmhelm welcher bei der Belagerung von Stettin 1677 zerstört wurde
Die Jakobikirche noch ohne Turmhelm (vor 2007)
Grundriss

Die Jakobskathedrale oder auch Jakobikirche (polnisch Katedra Świętego Jakuba, Bazylika archikatedralna św. Jakuba) von Stettin (Szczecin) ist ein backsteingotischer Kirchenbau. Sie ist die größte Kirche Pommerns.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gotischer Altar

Das Kirchengebäude wurde in Etappen vom 13. bis zum 15. Jahrhundert gebaut, u. a. vom Baumeister Heinrich Brunsberg. Herzog Barnim I. bestimmte um 1237 die Jakobikirche zur Kirche der in Stettin wohnenden Deutschen, während die Petrikirche den slawischen Bewohnern zugewiesen wurde.[1] Seit der Reformation diente die Jakobikirche als lutherische Gemeindekirche der Pommerschen Evangelischen Kirche und war nach dem Abbruch der St. Marienkirche 1831 die Hauptkirche der Stadt.

Der spätgotische Hallenbau besitzt einen Chor, der fast ebenso groß wie das Langhaus ist. Der ursprünglich zweitürmige Bau erhielt 1456 bis 1503 einen Mittelturm. Dieser Turm hatte ursprünglich einen gotischen Turmhelm, der bei der Belagerung Stettins im Jahre 1677 zerstört wurde.[2] Erst bei der Restaurierung 1894 wurde wieder ein Turmhelm nach Plänen des Architekten Oskar Hossfeld errichtet;[3] dieser fiel wie andere Teile der Kirche den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer.[2]

Die mittelalterliche Einrichtung mit 52 Altären war schon im frühen 17. Jahrhundert untergegangen. 1709 wurde der Altar von Erhard Löffler als zweigeschossiger Bau aus Holz geschaffen. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Kloster Kolbatz.

Im Jahre 1699 vollendete Arp Schnitger den Orgelneubau von Matthias Schurig aus Dresden, der 1697 verstorben war. An ihr wirkte der Komponist Carl Loewe 46 Jahre lang als Organist und Kantor. Nach seinem Tode mauerte man dessen Herz in den ersten südlichen Pfeiler der Orgel ein.

Aus der ehemaligen Kartause Gottesgnaden in Grabow kam 1904 der Gedenkstein für Herzog Barnim III. hierher. Die Glasmaler Alexander Linnemann und seine Söhne Rudolf und Otto Linnemann aus Frankfurt schufen 1903 insgesamt 13 Glasfenster für die Kirche. Dargestellt waren u.a. Der verlorene Sohn, Christus am Ölberg, Abendmahl, Christus und die Samariter (gestiftet vom Kaiser), Christus bei Maria und Martha, ein Fenster mit der Baugeschichte der Kirche, ein Fenster „die ersten Christen Stettins“ und 5 Fenster mit ornamentalem Schmuck.

Am 17. oder 30. August 1944 zerstörte ein Bombentreffer große Teile der Kirche, darunter die Orgel. Chor und Turm – letzterer ohne Helm – blieben erhalten.

Von 1535 bis 1945 war die Jakobikirche ein evangelisches Gotteshaus. Die Jakobi-Kirchengemeinde verfügte zuletzt über drei Pfarrstellen und zählte 1940 insgesamt 22.900 Gemeindeglieder. Sie gehörte zum Kirchenkreis Stettin-Stadt in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union.

Nach 1945 übernahm die polnische katholische Kirche die Ruine der Kathedrale und setzte sie 1971 wieder instand. Das Gebäude wird seither durch die katholische Kirche als Kathedralkirche des Erzbistums Stettin-Cammin genutzt. Papst Johannes Paul II. erhob die Kirche 1983 in den Rang einer Basilica minor.[4]

Ab 2007 wurden Umbauarbeiten durchgeführt, bei denen dem Kirchturm wieder ein Turmhelm aufgesetzt wurde.[2] Der neue Turmhelm hat ein anderes Aussehen als der 1944 zerstörte. Er ist dem ursprünglichen, 1677 zerstörten Turmhelm nachempfunden, wie er auf einer Stadtansicht von Paul Friedeborn aus dem Jahre 1624 dargestellt ist.[5] Der Turm hat eine Höhe von 110,18 m.[6] Auf dem Kirchturm wurde eine Aussichtsplattform eingerichtet, die seit Mai 2009 über zwei Fahrstühle erreichbar ist.[7]

Musikgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Jakobikirche fand die öffentliche Erstaufführung der Ouvertüre zu Ein Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oskar Hossfeld: Die St. Jakobi-Kirche in Stettin und ihre Wiederherstellung. In: Die Denkmalpflege, 4. Jahrgang, Nr. 2 (5. Februar 1902), S. 11–16.
  • Paweł Knap, Andrzej Kraśnicki, Artur Rasmus: Katedra. Historia kościoła św. Jakuba w Szczecinie. Walkowska Wydawnictwo – JEŻ, Szczecin 2008, ISBN 978-83-924983-5-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jakobskathedrale (Stettin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pommersches Urkundenbuch I, 2. Aufl., Nr. 348
  2. a b c Die Pommersche Zeitung. Nr. 50/2007, S. 1.
  3. Małgorzata Gwiazdowska: Konzepte des Wiederaufbaus der Stettiner Baudenkmäler nach 1945 und Möglichkeiten ihrer Durchführung. In: Bulletin der Polnischen Historischen Mission, Nr 7/2012, S. 170 (Online-Veröffentlichung, abgerufen am 23. Oktober 2016).
  4. Ioannes Paulus II: Litt. Apost. Quam iucunda, AAS 75 (1983).
  5. Die Pommersche Zeitung. Nr. 21/2009, S. 1 und 16.
  6. Paweł Knap, Andrzej Kraśnicki, Artur Rasmus: Katedra: historia kościoła św. Jakuba w Szczecinie, Szczecin 2008, ISBN 978-83-924983-5-3.
  7. Die Pommersche Zeitung. Nr. 22/2009, S. 4.

Koordinaten: 53° 25′ 29″ N, 14° 33′ 19″ O