Backsteingotik

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Stralsund: Rathaus und Nikolaikirche
Lübeck – „Königin der Hanse“ und „Mutter der Backsteingotik“

Die Backsteingotik, Norddeutsche Backsteingotik oder Norddeutscher Backsteinbau ist eine in Norddeutschland, den Nord-Niederlanden und dem Ostseeraum verbreitete Bauweise der Gotik. Die Verwendung von Backstein als Baustoff setzte in Nordeuropa im 12. Jahrhundert ein, die ältesten Bauten gehören deshalb noch der so genannten Backsteinromanik an. Im 16. Jahrhundert ging die Backsteingotik in die Backsteinrenaissance über.

Charakteristisch ist einerseits das überwiegende Fehlen von figurativen Bauplastiken, die mit Backsteinen nicht zu realisieren waren, andererseits die reiche Gliederung durch gemauerte Ornamente und Flächenstrukturierungen durch den Wechsel von roten und glasierten Ziegeln und weiß gekalkten Wandflächen.

Viele von der Backsteingotik geprägte Altstädte und Einzelbauten wurden in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Backsteingotik und gotische Backsteinarchitektur[Bearbeiten]

Der Begriff Backsteingotik unterscheidet sich von den meisten anderen Baustilen dadurch, dass hier ein Stil über den Baustoff definiert worden ist. Hinzu kommt die Beschränkung auf Norddeutschland und die Länder um die Ostsee. Das führt zu gewissen Ungereimtheiten.

Geografie[Bearbeiten]

Der Raum der nördlichen gotischen Backsteinarchitektur erstreckt sich westwärts weiter bis an die Straße von Dover (Niederlande, belgisches und französisches Flandern, deutsches Niederrheingebiet). Grundsätzlich findet man hier dieselbe Formensprache wie im Ostseeraum. Einige Beispiele gibt es sogar in England, allerdings fast ausschließlich Landsitze aus der Tudorzeit.

Darüber hinaus gibt es einige Backsteinbauten in Süddeutschland, auch als bayrische Backsteingotik bezeichnet. In der Gegend um Toulouse und Albi finden sich zahlreiche Backsteinbauten als Teil der Südfranzösischen Gotik (Gothique meridional).

Ein großer Teil der gotischen Bauwerke Italiens steht in Norditalien und ist aus Backstein errichtet.

Stilelemente[Bearbeiten]

Natursteinsäulen, Formsteinfriese und Terracottaelemente am Dom von Cremona, Lombardei
Herzogsburg in Dingolfing (Niederbayern), geschlemmter Backstein, Luftfenster mit Maßwerk aus Formsteinen

Typische Elemente der Backsteingotik wie Maßwerk und Friese aus Formsteinen findet man auch in manchen Gebäuden des nordwestlichen gotischen Backsteinbaus. Virtuose Beispiele von Backsteinornamenten finden sich in der Italienischen Gotik, in Einzelfällen sogar an überwiegend aus Werkstein errichteten Gebäuden. Zusätzlich zu den aus dem Ostseebereich bekannten Schmuckformen finden sich an manchen Backsteinbauten der italienischen Gotik Terracottafriese.

Während im norddeutschen Binnenland und in Großpolen Werkstein tatsächlich kaum verfügbar war, konnten Städte mit Seehandel sich leicht welchen verschaffen. So hat die Lübecker Marienkirche, allgemein als Musterbeispiel der Backsteingotik angesehen, zwei Portale aus Sandstein. In den Kanten der Türme sind Natursteinquader in einer Weise verbaut, die sonst für Niederlande und Niederrhein typisch ist, und die schlanken Pfeiler der Briefkapelle sind aus Bornholmer Granit.[1] In den gotischen Backsteintürmen der Wismarer Kirchen und von St. Nikolai in Stralsund wurde Naturstein zwar nicht zu plastisch gestalteten Bauteilen verarbeitet, aber für farblichen Kontrast eingesetzt. Bei der Danziger Marienkirche sind alle fünf Seitenportale und ein paar einfache aber lange Simse aus Werkstein.

Verbreitung des gotischen Backsteinbaus[Bearbeiten]

Nördliches Verbreitungsgebiet[Bearbeiten]

Backsteinarchitektur findet sich in erster Linie in Gebieten, in denen es keine ausreichenden Vorkommen an Naturstein gibt. Dies ist insbesondere im norddeutschen Tiefland und östlich angrenzenden Gebieten südlich der Ostsee der Fall, allerdings auch den westlich anschließenden bis nach Flandern.

Backsteingotik im engeren Sinn[Bearbeiten]

Die Backsteingotik im engeren Sinne wird auch als Ostseegotik bezeichnet.[2] Da sich dieses Gebiet weitgehend mit dem Einflussgebiet der Hanse deckte (mit Ausnahme Westfalens und des Rheinlandes), ist die Backsteingotik zu einem Symbol dieses Städtebundes geworden und neben der niederdeutschen Sprache ein wesentliches Element des norddeutschen Kulturraumes, insbesondere in den jüngeren Stadtgründungen und dem Kolonisationsgebiet nördlich und östlich der Elbe. Dieser Kulturraum umfasste im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit den gesamten südlichen Ostseeraum und hatte großen Einfluss auf Skandinavien und Polen.

Die Südgrenze der Ostseegotik ist nicht scharf, wie in Deutschland die Bergkirche von Altenburg und der Rote Turm in Chemnitz zeigen, sowie in Polen die Kollegiatskirche (heute Kathedrale) von Sandomierz und das Długosz-Haus in Wiślica. An allen vier Orten bestand durchaus die Möglichkeit, Bruchstein zu gewinnen. Entlang der Oder erstreckt sich der Bereich der Backsteingotik vom Mündungsbereich mit Wolgast und Stettin von Stadt zu Stadt bis hinauf nach Racibórz (Ratibor) am Fuß des Sudetengebirges, im Einzugsgebiet der Weichsel bis nach Krakau im Süden und Lublin im Osten.

Sogar östlich von Polen entstanden backsteingotische Bauten. Bei geringer Gesamtzahl vielfältig ist die Gotik in Litauen. Einige Bauwerke dort gehören stilistisch zu einer – überwiegend späten – Sonderform mit osteuropäischen Einflüssen, nach ihrem Hauptverbreitungsgebiet auch Weißrussische Gotik genannt.

Die neu gegründeten Städte schlossen sich bald zur Hanse zusammen und bildeten das wendische Quartier um das Zentrum Lübeck bzw. das gotländisch-livländische Quartier mit dem Vorort Tallinn (Reval). Die wohlhabenden Kaufmannsstädte der Hanse waren besonders von kirchlichen und profanen Repräsentationsbauten geprägt, wie Rats- und Pfarrkirchen, Rathäusern, Bürgerhäusern reicher Kaufleute oder Stadttoren. Im ländlichen Raum hatte die Klosterarchitektur der Orden einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung der Backsteinarchitektur, vor allem diejenige der Zisterzienser und Prämonstratenser. Zwischen Preußen und Estland sicherte der Deutsche Orden seine Herrschaft mit dem Bau zahlreicher Ordensburgen, die ebenfalls aus Backstein errichtet wurden.

St. Johann in Bremen

Nordwestdeutschland[Bearbeiten]

Im Nordwesten, vor allem entlang der Weser und Elbe, war der Transport von Sandstein relativ leicht möglich. Dies hatte eine Synthese der strengen Gestaltung der ostelbischen Gebiete mit der rheinländischen Architektur zur Folge. Bei den meisten gotischen Backsteinbauten westlich der Ems wurde für Zierformen, wie etwa das Maßwerk, Bruchstein verwendet, so dass sie nicht alle Kriterien der Backsteingotik erfüllen.

Tatsächlich gibt es im Nordwesten deutschlands zwei ausgeprägte Regionalstile gotischer Backsteinbauten:

  • Dorfkirchen in Ostfriesland in einem romanisch-gotischen Übergangsstil, seltener auch Spätgotik, mit freistehendem Glockenturm oder Glockenhaus.
  • Kirchen, Burgen und Bürgerbauten westlich des Niederrheins mit starken niederländischen Einflüssen, aus graubraunen oder aber blassen Backsteinen. Bei manchen Gebäuden sind dunkle Backsteinwände durch waagerechte Sandsteinstreifen verziert, nach dem Muster der Kempenschen Gotik (nl.wiki).

Niederlande und Flandern[Bearbeiten]

– Siehe auch Listen in der englischen Wikipedia für

Tatsächlich erstreckt sich die nördliche Backsteingotik wesentlich weiter nach Westen, über die Niederlande und den Norden des belgischen Flandern bis nach Französisch Flandern. Zwar findet sich oft Naturstein im Maßwerk und teilweise auch an den Gebäudeecken, aber beispielsweise der Belfried von Dünkirchen trägt Zierrat aus Backstein, so wie man es vom Ostseeraum kennt.

Gotischer Backsteinbau im Süden[Bearbeiten]

Münchener Frauenkirche, die größte gotische Backsteinkirche nördlich der Alpen, gebrannte Formsteine und Tuffsteinelemente

Weitab des klassischen Gebietes der Backsteingotik gibt es drei weitere Regionen des gotische Backsteinbaus:

Bayern[Bearbeiten]

Eine beträchtliche Anzahl gotischer Backsteinkirchen wurde in Oberbayern errichtet.[3] Man spricht auch von bayrischer Backsteingotik.[4][5] Herausragendes Beispiel ist die Frauenkirche in München (übrigens gleichermaßen eine Hallenkirche). Weitere sind die Liebfrauenmünster in Donauwörth und in Ingolstadt, die Stadtpfarrkirchen St. Jakob in Straubing und St. Johannes in Dingolfing, sowie in Landshut St. Martin, St. Jodok und die Heiliggeistkirche.

Südfrankreich[Bearbeiten]

Siehe auch Listen in der französischen und der englischen Wikipedia

Eine weitere Gruppe gotischer Backsteinbauten gibt es in und um Toulouse in Südfrankreich, am bekanntesten die Kathedrale von Albi. Bedeutend zahlreicher sind in dieser Region romanische Bauwerke aus Backstein. Das größte ist die Basilika Saint-Sernin aus dem späten 11. Jahrhundert.

Italien[Bearbeiten]

Reichlich Tonerde steht in der Poebene zu Verfügung, wo es unterschiedliche Regionalstile wie die venezianische Gotik und die lombardische Gotik[6] gab, deren Bauwerke zu einem großen Teil ganz oder teilweise aus Backstein errichtet sind. Gerade aus Norditalien übernahm der norddeutsche Backsteinbau schon in der Zeit der Romanik sowohl die erforderlichen Techniken als auch einige Schmuckformen.[7] Ein Zentrum des romanischen wie des gotischen Backsteinbaus außerhalb der Lombardei war Bologna. Hier steht die größte aller Backsteinkirchen, die Basilika San Petronio. Aber auch das im Bergland der Toskana gelegene Siena hat bedeutende gotische Backsteinbauten, allen voran den Palazzo Pubblico, also das Rathaus.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Stillgelegte Kirche San Gregorio (IT/EN) in Venedig
Sant'Ambrogio in Mailand, Bauphasen in Backstein von der Spätantike bis zur Frühgotik

Kirchen aus Ziegelmauerwerk wurden schon in frühchristlicher Zeit errichtet, damals in demonstrativer Abgrenzung zur Marmorarchitektur heidnischer Tempel. Berühmte Beispiele dieser Epoche sind in Ravenna erhalten. In Italien gab es eine Kontinuität des Backsteinbaus von der Spätantike bis zur Gotik und natürlich auch weiter.

Nördlich der Alpen setzte sich die Backsteinarchitektur im 12. Jahrhundert durch, also noch in romanischer Zeit, vgl. Backsteinromanik. Im 12. Jahrhundert begann auch die deutsche Ostsiedlung. Die slawischen Gebiete östlich der Elbe wurden während des 12. und 13. Jahrhunderts von Kaufleuten und Kolonisten aus dem Nordwesten Deutschlands, den Niederlanden und Flandern besiedelt. 1158 gründete Heinrich der Löwe Lübeck, 1160 eroberte er den slawischen Fürstensitz Schwerin. Weiter südlich dehnten die Billunger und vor allem dann die Askanier die Mark Brandenburg aus. Die Siedlung ging mit der Christianisierung der Slawen einher und die Bistümer Ratzeburg, Schwerin, Cammin, Brandenburg und andere wurden eingerichtet.

Romanisch: Kloster Jerichow

Lange Zeit hatten in Norddeutschland Holzbauten dominiert, die sich jedoch nicht für Monumentalbauten eignen. Nicht so große Bauten von besonderer Bedeutung wurden vielerorts aus den in Moränengebieten vorhandenen Feldsteinen errichtet. Für kleinere Bauten, vor allem im bäuerlichen Bereich, blieb im gesamten Verbreitungsgebiet der Backsteingotik der Fachwerkbau bis weit in die Neuzeit hinein typisch. Je weiter und damit teurer der Transportweg für Bruchstein gewesen wäre, desto attraktiver wurden gebrannte Ziegelsteine als Baumaterial.

Granit und Backstein im Mauerwerk von St. Hippolyt in Blexen

Der möglicherweise älteste in Backstein aufgeführte Sakralbau im Norden Deutschlands ist die 1149–1172 in romanischem Stil auf Steinfundamenten in Backstein errichtete und später ebenfalls in Backstein erweiterte Klosterkirche in Jerichow.[8] Allerdings könnte das Ziegelmauerwerk in der oberen Hälfte des schon im 11. Jahrhundert in Granitquadern begonnenen Chors der St.-Hippolyt-Kirche zu Blexen an der Wesermündung älter sein. In der östlich an das Jerichower Land anschließenden Mark Brandenburg wurde 1165 unter Albrecht dem Bären mit dem Bau des Brandenburger Doms begonnen. Wohl 1170–1173 wurde in einem der Stadt benachbarten Dorf die Brandenburger Nikolaikirche errichtet. Beim Wiederaufbau des Doms zu Havelberg nach einem Großbrand wurden Natur- und Backstein zusammen verwendet.

In den welfischen Gebieten begann der Einsatz von Backsteinen als Ersatzbaustoff für Naturstein mit dem Ratzeburger Dom (ab 1154), der Marienkirche in Segeberg (ab 1156)[9] und St. Johannis in Oldenburg (Holstein) (um 1157). Der Lübecker Dom, für den Heinrich der Löwe 1173 den Grundstein legte, wurde erst 1247 geweiht. Ein Jahrhundert früher, zwischen 1077 und 1119, war im fernen Toulouse überwiegend aus Backstein die Basilika Saint Sernin errichtet worden.

In Dänemark musste Naturstein ebenfalls aus großer Entfernung herbeigeschafft werden. Neben dem Dom zu Roskilde, der St.-Bendts-Kirche zu Ringsted (beide ab 1170) und weiteren zahlreichen Kirchen wurde auch das Schloss Nyborg (ebenfalls 1170) und andere weltliche Großbauten in Backstein errichtet. Der Dom zu Ribe besteht in seinen älteren Teilen aus Naturstein, wurde dann aber in Backstein erweitert. Auch der Dom im damals dänischen Schleswig wurde zunächst aus Granit und Tuffstein errichtet, später aus Backstein.

Die bekanntesten gotischen Backsteinbauten in Polen sind zwar Hinterlassenschaften des Deutschen Ordens und deutscher Bürger, aber auch Bauherren, die in Auseinandersetzung mit dem Deutschen Orden standen, schufen Werke der Backsteingotik. Beispiele sind die masowischen Herzogsresidenzen in Czersk und Płock, sowie die Johanneskathedrale in Warschau. Am Stilübergang von der Spätgotik zur Renaissance stehen die Barbakane von Krakau und Warschau.

Charakteristika der Backsteingotik[Bearbeiten]

Die romanischen Backsteinbauten schließen noch eng an zeitgenössische Werksteinarchitektur an und übersetzen deren Formensprache in die neue Backsteintechnik. In gotischer Zeit entwickelt sich aber ein charakteristischer Stil, der von Materialreduktion geprägt ist: Die Bauten sind oft sehr wuchtig, von monumentaler Größe, äußerlich aber eher schlicht und bei weitem nicht so grazil wie in südlichen Gegenden. Sie orientieren sich aber deutlich an den Kathedralen Frankreichs und der von dort ebenfalls beeinflussten Scheldegotik Flanderns.

In späterer Zeit setzten sich Gestaltungsformen durch, die die Kirchen äußerlich anspruchsvoller gliederten: So kalkte man zurückstehende Wandflächen häufig weiß ein, so dass ein Farbkontrast zum dunklen Backsteinmaterial entstand. Ornamente aus vorgefertigten Formsteinen hingegen gab es im norddeutschen Backsteinbau von Beginn an. Wie schon erwähnt, waren Technik und Formensprache schon in der Stilepoche der Romanik aus Norditalien übernommen worden.

Der Backsteinziegel als Ausgangsmaterial[Bearbeiten]

Bruchsteingemäuer mit Fries aus Formziegeln, San Marco (IT) in Brescia (13. Jh.), Alpensüdrand

Das Ausgangsmaterial für die Ziegelherstellung ist Lehm, der im norddeutschen Flachland ebenso wie in der Poebene reichlich vorhanden war, so dass der Backstein sich dort als Ersatzbaustoff für Naturstein entwickelte.

Als Standard beim Bau repräsentativer Gebäude setzten sich Ziegel im sogenannten Klosterformat (etwa 28×15×9 cm bis 30×14×10 cm mit durchschnittlich 1,5 cm Fuge) durch. Im Gegensatz zur Werksteingotik wurden Klostersteine und Formziegel nicht in den Bauhütten, sondern von spezialisierten Betrieben außerhalb der Baustellen hergestellt.

Ornamente aus Formziegeln am Palazzo Agostini (IT) in Pisa
Neogotische Backsteinkirche St. Johannis in Helsinki

Rezeption und Neuinterpretation[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert erlebte die Rezeption der Backsteingotik durch die Neugotik (auch: Neogotik) nach den 1860er Jahren eine neue Blüte. Wichtige Architekten dieser Stilrichtung waren z.B. Friedrich August Stüler in Berlin und Simon Loschen in Bremen. Ein bedeutendes Beispiel neugotischen Bauens im Stil der Backsteingotik ist Schinkels Friedrichswerdersche Kirche in Berlin.

Heimatschutzstil in Backstein: Die Glocke in Bremen

Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die sogenannte Heimatschutzarchitektur als Stilrichtung der Architektur in Norddeutschland, insbesondere in Schleswig-Holstein, das Bauen mit Backstein frei von neugotischer Verzierung, aber an traditionellen Vorbildern orientiert, neu auf. Villen in diesem Stil prägen den Einfamilienhausbau teilweise bis heute. 1910 errichtete Adalbert Kelm die Marineschule Mürwik, bei der er den Stil der norddeutschen Backsteingotik noch einmal aufgriff.[10] Der Architekt Paul Ziegler, der an der Entwurfsplanung beteiligt war, erhielt danach eine Anstellung als Magistratsbaurat in Flensburg und widmete sich mit seinem Werk kurz darauf jedoch ebenfalls schon der neuen Heimatschutzarchitektur.

Baumeister der Backsteingotik[Bearbeiten]

Nur wenige der mittelalterlichen Baumeister der Backsteingotik sind namentlich historisch überliefert. Unter den überlieferten wird als herausragendes Beispiel Hinrich Brunsberg genannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Adler: Mittelalterliche Backsteinbauwerke des preußisches Staates. 2 Bände. Berlin, 1862 und 1898.
  • Hans Much: Norddeutsche Backsteingotik. Georg Westermann, Braunschweig 1919 (Ideologische Grundlage der Wiederbelebung im Rahmen der "Heimatschutzbewegung")
  • Otto Stiehl: Backsteinbauten in Norddeutschland und Dänemark. Stuttgart, 1923.
  • Werner Burmeister: Norddeutsche Backsteindome. Berlin, 1930.
  • Nikolaus Zaske: Gotische Backsteinkirchen Norddeutschlands zwischen Elbe und Oder. Leipzig, 1970.
  • Nikolaus und Rosemarie Zaske: Kunst in den Hansestädten. Leipzig, 1985.
  • Hans Josef Böker: Die mittelalterliche Backsteinarchitektur Norddeutschlands. Darmstadt 1988. ISBN 3-534-02510-5.
  • Gottfried Kiesow: Wege zur Backsteingotik. Eine Einführung. Monumente-Publikationen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Bonn 20032, ISBN 978-3-936942-34-7.
  • Angela Pfotenhauer, Elmar Lixenfeld: Backsteingotik. Monumente-Edition. Monumente-Publikationen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2000. Überarb. Auflage 20054. ISBN 978-3-936942-10-1.
  • Fritz Gottlob: Formenlehre der Norddeutschen Backsteingotik: Ein Beitrag zur Neogotik um 1900. 1907. Nachdruck der 2. Auflage, Verlag Ludwig, 1999, ISBN 3-9805480-8-2.
  • Gerhard Eimer, Ernst Gierlich (Hg.): Die sakrale Backsteinarchitektur des südlichen Ostseeraus – der theologische Aspekt. Berlin, 2000.
  • Gerlinde Thalheim (Redaktion) et al.: Gebrannte Größe – Wege zur Backsteingotik. 5 Bände. Monumente-Publikationen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Bonn, Gesamtausgabe aller 5 Bände unter ISBN 978-3-936942-22-4.
  • B. Busjan, G. Kiesow: Wismar: Bauten der Macht – Eine Kirchenbaustelle im Mittelalter. Monumente Publikationen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 2002, ISBN 978-3-936942-24-8 (Bd. 2 der Gesamtausgabe der Ausstellungskataloge Wege zur Backsteingotik).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Backsteingotik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Lübecker Marienkirche – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.st-marien-luebeck.com/briefkapelle.html
  2. Ulrike Gentz, Der Hallenumgangschor in der städtischen Backsteinarchitektur Mitteleuropas, Lukas Verlag 2003, ISBN 3-931836-75-4, S. 266
  3. vgl. RDK-Artikel zum Backsteinbau, IV.F) Der gotische KirchenbauIn Bayern …
  4. Andreas Kraus, Geschichte Bayerns: von den Anfängen bis zur Gegenwart, S. 172 (Google Buchsuche)
  5. Ulrike Gentz, Der Hallenumgangschor in der städtischen Backsteinarchitektur Mitteleuropas 1350-1500: eine kunstgeographisch vergleichende Studie, S. 29 (Google Buchsuche)
  6. Kulturgüter der Lombardei – Gotische Architektur (auf italienisch, für jedes Bauwerk eine Unterseite mit Text und Abbildungen)
  7. vgl. RDK-Artikel zum Backsteinbau, II. Entstehung des deutschen Backsteinbaus
  8. www.kloster-jerichow.de
  9. Ev-luth. Kirchengemeinde Bad Segeberg: Marienkirche
  10. Museen Nord, Marineschule Mürwik, abgerufen am: 5. Februar 2015