Jauer (Sprache)

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Die Bündner Sprachen - in dunkelviolett das Jauer

Jauer (deutsch auch Münstertalerisch) bezeichnet den rätoromanischen Dialekt, der im Val Müstair als angestammte Mehrheitssprache gesprochen wird.

Begriff[Bearbeiten]

Der Name leitet sich ab vom Wort für ich («jau»), das eine Besonderheit des Münstertals und der Ortschaft Zernez im Unterengadin (dort «jo») ist (im Unterschied zum «eu» im übrigen Unterengadin bzw. zum «eau» im Oberengadin). Die Bewohner des Münstertals heissen demnach "ils jauers" (deutsch: "die Jau-Sager").

Wesen des Dialekts[Bearbeiten]

Der Dialekt hat nie eine eigene Schriftsprache entwickelt. In der Schule wurde bis 2008 Vallader gelernt, von 2009 bis 2013 wurde im ganzen Tal bei schriftlichen Dokumenten und Verlautbarungen auf den Behörden und in der Schule die Einheitssprache Rumantsch Grischun verwendet. 2012 wurde eine Volksinitiative angenommen, die die Rückkehr zu Vallader als Alphabetisierungssprache bestimmt. Deren Umsetzung wird derzeit (Stand: 2013) vollzogen.

Eine auffällige Eigenheit des Jauer ist die ungewöhnliche Betonung derjenigen Verben, die andernorts in Romanischbünden auf betontes -ar enden. Im Münstertal werden diese auf der vorletzten Silbe betont und die Endung wird zu -er abgeschwächt, z. B. guárder statt guardár (dt. schauen). Eine andere Eigentümlichkeit, insbesondere gegenüber dem Vallader, ist die Aussprache von betontem -an- als -aun-, so z. B in rumauntsch statt rumantsch oder cháunter statt chantár (dt. singen).

Teil der ladinischen Sprachfamilie[Bearbeiten]

Das Jauer gehört mit Vallader und Puter zu den ladinischen Sprachen im Kanton Graubünden. Eine wechselseitige Kommunikation unter Sprechern der drei Dialekte ist problemlos möglich.

Neuere Entwicklung[Bearbeiten]

Im Jahr 2007 erschien mit Plinio Meyers Dschon Uein id atras istorias grischunas (dt. Dschon Uein und andere Bündner Geschichten) zum ersten Mal ein auf Jauer geschriebenes Buch, das auch als Hörbuch verfügbar ist.