Rumantsch Grischun

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der gemeinsamen Schriftsprache des Bündnerromanischen. Zum Wörterbuch der rätoromanischen Sprachen siehe Dicziunari Rumantsch Grischun.
Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen:
Phonetik und Phonologie, Grammatik (Übersicht; Details bereits in eigenem Artikel: Grammatik des Rumantsch Grischun), Wortschatz (vgl. Formatvorlage Sprache)
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.
Graubündner Rätoromanisch
(Rumantsch Grischun)
Projektautor Heinrich Schmid im Auftrag der Lia Rumantscha
Jahr der Veröffentlichung 1982

Gesprochen in

SchweizSchweiz Schweiz (Kanton Graubünden)
Sprecher keine (Rumantsch Grischun ist eine reine Schriftsprache)
Linguistische
Klassifikation
Besonderheiten Als gemeinsame Schriftsprache für die bündnerromanischen Sprachen entwickelt
Sprachcodes
ISO 639-1:

rm

ISO 639-2:

roh

Rumantsch Grischun (RG, Audio-Datei / Hörbeispiel [ruˈmantʃgriˌʒʊn]?/i) ist die 1982 von Heinrich Schmid auf Initiative des damaligen Generalsekretärs der Lia Rumantscha, Bernard Cathomas, entwickelte gemeinsame Schriftsprache der Rätoromanen Graubündens, die seit 2001 auf Kantonsebene als romanische Amtssprache dient.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rumantsch Grischun wurde auf Grundlage der drei vitalsten Idiome Unterengadinisch (Vallader), Surmeirisch (Surmiran) und Surselvisch (Sursilvan) vom Sprachwissenschaftler Heinrich Schmid in Zürich geschaffen. Er suchte dabei stets nach der grössten Gemeinsamkeit zwischen den drei Dialekten; regionale bzw. lokale lautliche und grammatikalische Besonderheiten wurden folglich nicht miteinbezogen. So gibt es im Rumantsch Grischun keine ö- und ü-Laute, weil diese nur im Unter- und Oberengadinischen üblich sind; aber auch viele Eigenheiten des Surselvischen fehlen.

Rechtschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Orthographie versuchte Schmid, möglichst an die Lesegewohnheiten der Bündnerromanen anzuknüpfen, um die Akzeptanz seines neuen Standards zu erleichtern: Der dem deutschen <tsch> ähnliche Laut vor [a], [o] und [u] wird als <ch> geschrieben, wie es dem Unterengadinischen entspricht (chalanda), weil auch Sprecher aus den Rheingebieten hier eine Schreibung mit <c> erwarten (calanda). Dagegen wird dieser Laut vor [e] und [i] entsprechend der Schreibung in Sursilvan und Surmeir mit <tg> geschrieben. Gemäss einer Regel, die «Leza-Uffer-Kompromiss» genannt wird, werden die <che> und <chi> wie [ke] und [ki] ausgesprochen.

Akzeptanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: März 2012
  • Gemeinden, die Rumantsch Grischun als Schulsprache eingeführt haben
  • Gemeinden, in denen in einem Schriftidiom unterrichtet wird
  • Gemeinden, die Rumantsch Grischun als Schulsprache eingeführt hatten, aber eine Rückkehr zum Idiom beschlossen haben

Die romanische Einheitssprache ist bei der Bevölkerung umstritten. Der Kanton und der Bund sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, ihre Drucksachen in Rumantsch Grischun zu verfassen. In den gedruckten und elektronischen Medien herrschen zwar noch die regionalen Idiome vor, doch gelangt Rumantsch Grischun gerade in überregionalem Zusammenhang auch hier mehr und mehr zur Anwendung. So sind beispielsweise die Webauftritte der Lia Rumantscha und des Dicziunari Rumantsch Grischun sowie das Lexicon Istoric Retic, die rätoromanische Ausgabe des Historischen Lexikons der Schweiz, in der Einheitssprache verfasst, da sie sich an alle Rätoromanen richten. Die Literatur wird dagegen bislang noch fast ausschliesslich in den regionalen Idiomen geschrieben, und auch die Kirche hält an diesen fest.

Auch in den Bündner Gymnasien wird heute Rumantsch Grischun gelehrt, während die Einführung der Einheitssprache in den kommunal geführten Volksschulen in den Nullerjahren von den kantonalen Behörden forciert worden ist. Indes liegt die Kompetenz zur Festsetzung der Unterrichtssprache an den Primarschulen allein bei den Gemeinden, von denen sich bis zum Schuljahr 2009/2010 insgesamt 40 (etwa die Hälfte) für das Rumantsch Grischun entschieden hatten. Es handelte sich dabei zumeist um Dialektgebiete, die entweder dem Rumantsch Grischun sprachlich sehr nahestehen (Mittelbünden) oder aber in denen schon zuvor der Abstand zur Regionalschriftsprache relativ gross war (Val Müstair) oder die stark vom Deutschen bedrängt werden (unteres Oberland, Rheintal westlich von Chur).

2011 haben sich allerdings 14 dieser Gemeinden dazu entschlossen, wieder in ihrer regionalen Schriftsprache zu unterrichten (Stand: März 2012). In der Folge entschied im Dezember 2011 der Grosse Rat des Kantons Graubünden, dass Lehrmittel für rätoromanische Primarschulen wieder in den fünf romanischen Idiomen gedruckt werden können. Der Beschluss aus dem Jahr 2003, Lehrmittel für die rätoromanischen Schulen ab 2005 nur noch in Rumantsch Grischun herauszugeben, war in den Regionen auf teils erbitterten Widerstand gestossen. Regierungsrat Martin Jäger gab zu, das Konzept, Rumantsch Grischun freiwillig in den Schulen einzuführen, sei gescheitert.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Schmid: Richtlinien für die Gestaltung einer gesamtbündnerischen Schriftsprache: Rumantsch Grischun. Chur 1982.
  • Georges Darms, Anna A. Dazzi, Manfred Gross: Langenscheidts Wörterbuch Rätoromanisch. Langenscheidt, Zürich / Ligia Romontscha, Chur 1989, ISBN 3-906725-01-4 (Das erste Wörterbuch für Rumantsch Grischun überhaupt, rumantsch grischun–deutsch / deutsch–rumantsch grischun).
  • Renata Coray: Von der Mumma Romontscha zum Retortenbaby Rumantsch Grischun. Rätoromanische Sprachmythen. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 2008, ISBN 978-3-905342-43-7. Zugl.: Zürich, Univ., Diss., 2006/2007.
  • Renata Coray: „Stai si, defenda, tiu code funczional!“ Rumantsch Grischun im öffentlichen Diskurs. In: Bündner Monatsblatt. 1/2009, OCLC 887595396, S. 3–24 (doi:10.5169/seals-398921).
  • Bernhard Cathomas: Der Weg zu einer gemeinsamen romanischen Schriftsprache. Entstehung, Ausbau und Verbreitung des Rumantsch Grischun. In: Bündner Monatsblatt. Chur 1/2012, OCLC 915222096, S. 28–62 (doi:10.5169/seals-398983).
  • Rumantsch Grischun per Rumantschs − Grammatica I. Lia Rumantscha, archiviert vom Original am 18. Februar 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015 (PDF; 158 kB, rätoromanisch, Grammatik in Romantsch Grischun)..
  • Gereon Janzing: Reise Know-How Kauderwelsch Rätoromanisch – Wort für Wort (= Kauderwelsch-Sprachführer. Band 197). Reise Know-How, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-89416-365-5.

Sprachbeispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lia rumantscha: Asterix ed ils Helvets (= In'aventura d'Asterix.). Übers. des Comics von René Goscinny, Felix Giger, Albert Uderzo: Asterix chez les Helvètes. [Asterix bei den Schweizern]. Version in Rumantsch Grischun. Lia rumantscha, Cuira 1984, OCLC 80542032.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikipedia auf Rätoromanisch, geschrieben überwiegend in Rumantsch Grischun

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rückschlag für Rumantsch Grischun an den Volksschulen. In: suedostschweiz.ch. Online-Meldung, 8. Dezember 2011, abgerufen am 8. Mai 2016.