Jean-Jacques Dessalines

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Jean-Jacques Dessalines

Jean-Jacques Dessalines (* 20. September 1758 in Grande-Rivière-du-Nord, Saint-Domingue; † 17. Oktober 1806 in Pont-Rouge, Haiti) wurde 1804 der erste Generalgouverneur der unabhängigen Republik Haiti und war von 1804 bis 1806 als Jacques I. (deutsch Jakob I.) erster Kaiser des Kaiserreichs Haiti.

Leben[Bearbeiten]

Dessalines war ein ehemaliger Sklave der französischen Kolonie Saint-Domingue, dem heutigen Haiti. Nachdem es seit dem Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder zu Aufständen und Kriegen der schwarzen Inselbevölkerung gegen die Kolonialmacht Frankreich gekommen war, zusammengefasst unter dem Begriff Haitianische Revolution, rief General Dessalines 1804 die Unabhängigkeit aus und erklärte sich selbst am 8. Oktober 1804 zum Kaiser von Haiti. Der junge Staat konnte jedoch keine Stabilität erlangen.

Am 17. Oktober 1806 wurde der Kaiser im Auftrag von Henri Christophe ermordet, der sich selbst anschließend zum Präsidenten und 1811 zum König von Nord-Haiti ausrufen ließ. Der Mord führte zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen der kreolischen und der afrikanischen Bevölkerung, so dass Haiti im Bürgerkrieg in eine nördliche Hälfte unter dem Schwarzafrikaner Henri Christophe und eine südliche Hälfte unter dem „MulattenPétion zerfiel. Eine zeitgenössische Tageszeitung berichtete folgendermaßen davon:

„London, den 22 Dez. (Über Dänemark.) [...] Vorgestern giengen amerikanische Nachrichten ein, die bis zum 20. November reichen. Diese melden, dass der bisherige Beherrscher von St. Domingo oder Hayti, Dessalines, in einer Insurrektion umgebracht worden, die wegen seines tyrannischen Verfahrens entstanden war. Die Regierung der Insel wird an den Neger Christophe kommen, der den Dessalines an Talenten weit übertreffen soll. Bevor Dessalines ermordet wurde, hatte er mehrere seiner Generals und Offiziers umbringen lassen. Es herrscht jetzt auf St. Domingo eine große Gährung. Ein Haufe Negers soll dafür seyn, dass man sich an England ergebe, und dabey gewisse Bedingungen zu Gunsten der Schwarzen festsetze. [...]“ [1]

Die haitianische Nationalhymne La Dessalinienne erinnert an ihn, ebenso tragen eine Stadt und ein Arrondissement den Namen Dessalines.

Literatur[Bearbeiten]

(in der Reihenfolge des Erscheinens)

  • Dessalines, Tyrann der Schwarzen und Mörder der Weissen auf St. Domingo. Ein Gemälde aus der Gallerie politischer Ungeheuer. Hennings, Erfurt und Gotha 1805.
  • Franz Sundstral: Aus der schwarzen Republik. Der Neger-Aufstand auf Santo Domingo oder die Entstehungs-Geschichte des Staates Haiti. Leipzig 1903.
  • Erwin Rüsch: Die Revolution von Saint Domingue (Übersee-Geschichte. Band 5). Hamburg 1930.
  • Cyril Lionel Robert James: Die schwarzen Jakobiner. Toussaint L’Ouverture und die San-Domingo-Revolution. Neues Leben, Berlin 1984.
  • Marie Biloa Onana: Der Sklavenaufstand von Haiti. Ethnische Differenz und Humanitätsideale in der Literatur der 18. Jahrhunderts. Köln 2010. ISBN 978-3-412-20453-2.
  • Deborah Jenson: Jean-Jacques Dessalines and the African Character of the Haitian Revolution., in: Omohundro Institute of Early American History and Culture (hg.): The William and Mary Quarterly, Vol. 69, No. 3 (July 2012), S. 615-638.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-Jacques Dessalines – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 10, Montag, den 12. Jan. Anno 1807. Als Digitalisat.