Jean Patou

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Porträt von Jean Patou, um 1910

Jean Patou (* 27. September 1887 in Paris; † 23. Mai 1936 ebenda) war ein erfolgreicher französischer Modeschöpfer, Kostümbildner und Designer des 20. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten]

Jean Patou war der Sohn eines Ledergerbers in der Normandie. Bei seinem Onkel machte er eine Ausbildung als Kürschner. 1912 ging er nach Paris und eröffnete ein kleines Mode-Schneider-Atelier „Maison Parry“. Seine Kollektion entsprachen dem europäischen und amerikanischen Stil dieser Zeit - stillvoll, dezent, dennoch elegant und luxuriös.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 kam er an die militärische Front der Dardanellen und kämpfte als Kapitän in der Schlacht von Gallipoli mit. Nach einem Lazarettaufenthalt kam er nach Belgien, wo er bis zum Kriegsende blieb.

Suzanne Lenglen in Wimbledon, 1921

Wieder nach Paris zurückgekehrt, arbeitete Jean Patou an seinem Comeback und eröffnete 1919 seine Boutique erneut - diesmal unter seinem eigenen Namen. Er konnte an seine vorherigen Erfolge anknüpfen, unter seinen Kundinnen befanden sich Schauspielerinnen, Sängerinnen und wohlhabende Damen der Gesellschaft. Er setzte sein Monogramm (J.P.) als stilistisches Element ein und war damit Vorbild für andere Designer, die diese Idee übernahmen. In den frühen 1920er Jahren entwarf Patou seine erste Sportkollektion, die 1921 bei den englischen Tennisweltmeisterschaften in Wimbledon als echte Sensation empfunden wurde. Erstmals spielte die damals weltbeste Tennisspielerin Suzanne Lenglen in einer eleganten Tenniskleidung mit modischen Accessoires. Neben der Mode kreierte Patou zusammen mit dem berühmten Parfümeur Henri Alméras unzählige Parfums, unter anderem Amour Amour (1925) und Joy (1930).

Nach seinem plötzlichen Herztod (1936) übernahmen seine Schwester Madeleine und ihr Ehemann Raymond Barbas die Führung des Unternehmens. 2001 wurde Patou von Procter & Gamble übernommen und 2011 an Designer Parfums Ltd., ein in England ansässiges Unternehmen, verkauft. Patous ehemaliger Parfümeur Jean Kerléo soll den bekanntesten Produkten wieder zu neuem Glanz verhelfen.

Aus dem Besitz seines Großneffens Jean de Moüy gelangte im Mai 2015 der Nachlass Patous in zwei Auktionen zum Verkauf. In der ersten Auktion des Auktionshauses Pierre Bergé & Associés wurden 120 Lose mit Roben, Mänteln, Seidenwäsche, mit Flakons, Accessoires und Mobiliar versteigert. Für viele Teile wurden Preise erzielt, die ein Vielfaches des vorigeren Schätzpreises ergaben. Ein Wolltrikot sowie eine Skikombination, die die Schwester Madeleine getragen hatte, erzielten jeweils 105.400 Euro. Unter den besonders aktiven Käufern war die Firma Jean Patou selbst, in der man beabsichtigt, künftig wieder in den Bereich Mode einzusteigen. In einer zweiten Auktion gelangten Manuskripte des „bibliophilen Ästheten und Sammlers“ zum Verkauf.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Jean Patou gilt als der Erfinder des Tennisrocks.
  • Die Gesellschaftsreporterin Elsa Maxwell erfand den Slogan «das teuerste Parfum der Welt», der den Duft Joy weltberühmt machte.
  • Nach dem Parfum Chanel Nº 5 von Coco Chanel gilt Joy als das zweitmeist verkaufte Parfum weltweit.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Jean Patou – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Bettina Wohlfahrt: Teure Treue. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ Magazin, Juni 2015, S. 49.