Jeanne Lanvin

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Clémentine-Hélène Dufau: Jeanne Lanvin (1925)

Jeanne Lanvin, eigentlich Jeanne-Marie Lanvin, (* 1. Januar 1867 in Paris; † 6. Juli 1946 ebenda[1]) war eine französische Modeschöpferin. Das von ihr 1889 gegründete Modeunternehmen Lanvin existiert bis heute.

Madame Lanvin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ältestes von 11 Kindern von Bernard-Constant Lanvin und Sophie Blanche Deshayes wuchs Jeanne Lanvin in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach einer mit 13 Jahren begonnenen Anstellung als Aushilfe bei dem Huthersteller Madame Boni auf der eleganten Pariser Modemeile Rue du Faubourg Saint-Honoré, einer Lehre als Hutmacherin bei Maison Félix drei Jahre später und schließlich einer Tätigkeit als Modistin bei Talbot eröffnete sie 1889 ein eigenes Hutgeschäft auf der Rue du Faubourg Saint-Honoré. Dies gilt als Gründungsjahr des Hauses Lanvin. 1895 heiratete sie den italienischen Grafen Emilio di Pietro, mit dem sie eine Tochter hatte und von dem sie sich 1903 scheiden ließ. Sie begann nach ihrer Scheidung zunächst für ihre Tochter Marguerite, genannt Marie-Blanche (1897–1958), und ihre jüngste Schwester bunte, für die damalige Zeit ungewöhnlich bewegungsfreundliche Hängerkleidchen zu schneidern, für die sie auch Abnehmer unter den wohlhabenden Käuferinnen ihrer Hüte fand.[2] 1907 heiratete sie den Journalisten Xavier Melet.

Mme. Lanvin stellte sich schnell auf die große Nachfrage nach der von ihr geschaffenen Mode ein und begann 1909 auch Damenmode zu kreieren. Im gleichen Jahr trat sie der Chambre Syndicale de la Haute Couture bei. Das Jahr 1909 gilt demnach als Gründungsjahr des Couture-Hauses Lanvin. Statt selbst zu zeichnen oder zu drapieren, instruierte sie Mode-Zeichner, ihre Entwürfe zu Papier zu bringen. Ihr Atelier im Pariser Mode-Viertel musste sie ständig erweitern. Lanvins Mode zeichnete sich durch farbenfrohe, edle Stoffe, jugendlich-feminine Damenkollektionen mit dazugehörigen Entwürfen für Mädchenkleidung, aufwendige Stickereien und kunstvolle Handwerksarbeit aus. Zu diesem Zweck gründete sie 1923 eine eigene Färberei in Nanterre. Klassiker sind das sogenannte Lanvin-Blau (fliederfarbenes Blau) und das Polignac-Rosa (ihre Tochter hatte 1925 den Grafen Jean de Polignac geheiratet).

Nachbau von Jeanne Lanvins Wohnzimmer im Pariser Musée des Arts Décoratifs

1920 erwarb Mme. Lanvin, die inzwischen eine wohlhabende Geschäftsfrau war, für sich und ihre Tochter in Paris das ehemalige Hôtel particulier der Marquise Arconati-Visconti in der Rue Barbet-de-Jouy unweit des damals gerade eröffneten Musée Rodin und modernisierte den Bau mithilfe des Architekten Richard Bouwens van der Boijen. Die Innengestaltung übernahm ab 1921 der renommierte französische Inneneinrichter Armand-Albert Rateau (1882–1938). Mit Rateau hatte Lanvin ab 1920 bereits für die Inneneinrichtungssparte Lanvin Décoration ihres Unternehmens zusammengearbeitet. 1925 waren die Arbeiten in der Rue Barbet-de-Jouy abgeschlossen. Das Gebäude wurde 1965 abgerissen. In der Folge ließ Fürst Louis de Polignac, angeheirateter Cousin von Marie-Blanche Lanvin-Polignac, mehrere Zimmer von Jeanne Lanvin nachbauen, die ab 1985 mit Unterbrechungen im Musée des Arts Décoratifs in Paris ausgestellt wurden.

Lanvin-Entwürfe eines Robe de Style Kleides und eines Mädchenkleides (1922)

Die romantisch-verspielte Lanvin-Mode mit langen Kleidern (robe de style) und Röcken stand im Gegensatz zu den emanzipiert-knappen Entwürfen ihrer jüngeren Kollegen Coco Chanel und Jean Patou. Wiederkehrende Motive bei Lanvin waren Satin-Bänder, Rüschen, Taft- oder Tüll-Verzierungen, Blumenmuster (mit Vorliebe Margeriten). 1924 wurde Mme. Lanvin für ihre Verdienste im Modebereich zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Im gleichen Jahr lancierte sie Lanvin Sport mit bequemer Freizeit-Kleidung. Die ebenso 1924 gegründete Lanvin Parfums sollte über die Jahre zahlreiche Düfte unter dem Namen Lanvin präsentieren, den Anfang machte My Sin (1924). 1925 beschäftigte Mme. Lanvin bereits 800 Mitarbeiter. 1926 wurde mit Lanvin Tailleur-Chemisier die Couture-Herrenkollektion lanciert. Als eines der ersten Haute-Couture-Häuser hatte das von Mme. Lanvin mit großem Organisations- und Geschäftstalent geführte Modehaus eine Abteilung für Parfüms, für Herren- und für sportliche Damen-, Pelz- sowie für Kinderkleidung.[3] Darüber hinaus bewegte sie sich mit Lanvin Décoration ab Anfang der 1920er im Bereich der Heimtextilien und Wohnungseinrichtungen. Der von ihr 1927, zwei Jahre nach dem Chanel-Klassiker Nº 5, erschaffene Duft 'Arpège' (in Anlehnung an das Klavierspiel ihrer Tochter) ist ein Klassiker in der Parfümwelt und bis heute erhältlich.[4] Zu den Kunden, und auch Freunden, von Jeanne Lanvin zählte unter anderem Marlene Dietrich.[5] Nach Jeanne Lanvins Tod im Jahr 1946 wurde das Unternehmen zunächst von ihrer Tochter Marie-Blanche weitergeführt.

Mutter-Kind-Symbol im Logo von Lanvin

Die große Liebe Jeanne Lanvins für ihre Tochter, spiegelt sich noch heute im Logo von Lanvin wider, das eine stilisierte Mutter in wallendem Gewand zeigt, die ihrer kleinen Tochter die Hände reicht. Dieses Jugendstil-Bild war 1927 als Flakon-Bemalung für den Arpège-Duft von Paul Iribe[6] entworfen worden.

1921 hatte Jeanne Lanvin von dem Architekten Robert Fournez in Le Vésinet, wo bereits ihr erster Mann Emilio di Pietro ein Anwesen besessen hatte, zwei Landhäuser[7] – genannt La Chênerai (von frz. chêne, dt. Eiche) und La Buisserie (von frz. buis, dt. Buchsbaum bzw. les Vieilles Tuiles, dt. die alten Dachziegel)[8] – bauen lassen,[9] die sie von Rateau einrichten ließ. La Buisserie machte Jeanne Lanvin schließlich zu ihrem Altersruhesitz. Sie starb 1946 in Paris in ihrem Anwesen in der Rue Barbet-de-Jouy.

Auszeichnungen für Mme. Lanvin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5. Aufl. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3, S: 548–549
  • NJ Stevenson: Die Geschichte der Mode. Stile, Trends und Stars. Haupt, Bern u. a. 2011, ISBN 978-3-258-60032-1, S. 90–91

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metropolitan Museum of Art, New York (Auswahl)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jeanne Lanvin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. On July 6, 1946, on rue Barbet de Jouy, Jeanne Lanvin passes away at age 79 years., Lanvin sur Facebook, 5. Juli 2013
  2. Das Geheimnis der Mode: Alles nur eine Frage der Zeit. In: Kulturspiegel, 27. September 1999
  3. Eleganz und Raffinesse – Lanvin. In: Elle, abgerufen: 2. September 2010
  4. Lanvin Arpège – ein Klassiker wird 80 Jahre alt. (Memento des Originals vom 10. März 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.paulvital.de paulvital.de, 22. September 2007
  5. Dominique = Marlene − 20. In: Der Spiegel. Nr. 15, 1949 (online).
  6. Paul Iribe in der englischsprachigen Wikipedia
  7. Les maisons de Jeanne Lanvin au Vésinet, histoire-vesinet.org, 2012
  8. Lot notes: Armand Albert Rateau (1882-1938), christies.com, 15. Dezember 2010
  9. Une visite à Jeanne Lanvin (1926), histoire-vesinet.org, 2012