Jessikka Aro

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Jessikka Aro 2017

Jessikka Aro (* 1980) ist eine finnische investigative Journalistin, die für den öffentlich-rechtlichen Sender Yleisradio arbeitet. Sie schreibt schwerpunktmäßig über Desinformation in Social Media. Für ihre Recherchen wurde sie im März 2016 mit dem Bonnier-Preis für Journalismus ausgezeichnet.[1]

Im Jahr 2014 wurde Aro auf pro-russische Trolle in Finnland aufmerksam. Aro recherchierte wie russische Propaganda verbreitet wird, welchen Einfluss sie auf die öffentliche Meinung hat und sich auf Medienfreiheit in Finnland auswirkt. Dabei sprach sie unter anderem mit ehemaligen Angestellten der Troll-Armee in Sankt Petersburg, die dafür bezahlt wurden, russlandkritische Artikel und Äußerungen im Internet mit Hasskommentaren zu versehen und unwahre Geschichten zu verbreiten.[2] Den systematischen Einsatz von Trollen and Bots zur Unterdrückung von Kritik an autoritären Staaten sieht Aro als Teil einer hybriden Kriegsführung.[3]

Wegen ihrer Recherchen rückte Aro selbst in den Fokus der Trolle. Sie wurde online und offline belästigt. Ihre Krankenakte wurde veröffentlicht, private Urlaubsfotos wurden gehackt, gefälschte Bilder von Aro wurden verbreitet, sie wurde beleidigt und erhielt Morddrohungen per SMS und Telefon.[2] Die Kampagne gegen Aro ging maßgeblich vom Aktivisten Johan Bäckman und der finnischsprachigen, aus Spanien betriebenen Webseite MV-Lehti und deren Gründer und Betreiber Ilja Janitskin aus. Die Seite MV-Lehti, die mit ausländer- und europafeindlichen Inhalten und Falschmeldungen aufgefallen war, diffamierte Aro als „NATO-Agentin“ und „Drogenhändlerin“.[1][4][5] Bäckman beschuldigte Aro unter anderem, eine illegale Datenbank von Putin-Unterstützern in Finnland zusammenzustellen.[6][7] 2016 nahm die Polizei Ermittlungen gegen Bäckman und Janitskin auf.[6][8] Am 18. Oktober 2018 wurde Bäckman wegen Verleumdung und Stalking schuldig gesprochen und erhielt ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Janitskin, der bereits mehrfach vorbestraft war,[9] wurde zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt und muss 136.000 Euro Entschädigung an Aro zahlen. Eine weitere Mitarbeiterin von MV-Lehti bekam drei Monate auf Bewährung.[10][11]

Mit einer Crowdfunding-Kampagne sammelte Aro über 26.000 Euro für eine neue Untersuchung, die im Februar 2019 als Buch unter dem Titel Wladimir Putins Troll-Imperium erscheinen soll.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Effort to Expose Russia's 'Troll Army' Draws Vicious Retaliation. In: The New York Times, 30. Mai 2016.
  2. a b c Hass im Netz: Der Kampf einer Finnin gegen pro-russische Trolle. In: Deutsche Welle, 18. Oktober 2018.
  3. The cyberspace war: propaganda and trolling as warfare tools. In: European View (Springer Science+Business Media). 15, Nr. 1, Juni 2016, S. 121–132. doi:10.1007/s12290-016-0395-5.
  4. Why Is Finland Able to Fend Off Putin's Information War? In: Foreign Policy, 1. März 2017.
  5. MV-lehteä vastaan nousi boikottirintama – Kokoomusnuoret: Rahahanat saatava kiinni. In: Yle, 11. Januar 2016.
  6. a b Nick Miller: Finnish journalist Jessikka Aro's inquiry into Russian trolls stirs up a hornet's nest. In: The Sydney Morning Herald, 11. März 2016.
  7. Bojan Pancevski: Victim declares war on Putin’s fake news trolls. In: The Times, 29. Januar 2017.
  8. Controversial academic charged over harassment, slander of Yle journalist. In: Yle, 26. März 2018.
  9. Vihasivusto tienaa isoja tuloja tunnettujen suomalaisyritysten mainoksilla. In: Kaleva, 28. März 2015.
  10. Court in Finland finds pro-Kremlin trolls guilty of harassing journalist. In: Deutsche Welle, 18. Oktober 2018.
  11. Finn jailed for 22 months over pro-Russian hate campaign. In: BBC, 18. Oktober 2018.