Desinformation

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Desinformation ist die gezielte Verbreitung falscher oder irreführender Informationen. Motivation der Desinformation ist meist die Beeinflussung der öffentlichen Meinung bzw. von Gruppen oder Einzelpersonen, um ein bestimmtes politisches oder wirtschaftliches Anliegen des Verbreitenden zu unterstützen.

Desinformation kann entweder direkt (Lügen, Betrug) oder indirekt (subtile Unterdrückung objektiver oder überprüfter Fakten, Verschweigen oder Ablenken von der Wahrheit, Implizieren falscher Urteile) geschehen. Eine Information stellt gesichert dann eine Desinformation dar, wenn sie nach objektiven Maßstäben falsch ist und der Urheber oder Verbreiter der Information dies weiß. Die Desinformation kann etwa über Massenmedien verbreitet werden, wobei man auch von Medienmanipulation spricht.

In zahlreichen Gebieten von Politik und Wirtschaft werden Desinformationen gezielt eingesetzt. So besitzen viele Geheimdienste eigene Abteilungen für die Fälschung und Verbreitung von Informationen. Im militärischen Bereich werden Desinformationen zur Täuschung des Gegners eingesetzt, etwa um ihn durch falsche Informationen über eigene Truppenstärken oder deren räumliche Verteilung zu fehlerhaften Entscheidungen zu leiten. Unternehmen reichen systematisch Patentanmeldungen in für sie eigentlich uninteressanten Technologiegebieten ein, um Konkurrenten über ihre Strategie zu täuschen. Verbraucher werden durch Verbreitung von Gerüchten oder öffentlich zugänglicher falscher Informationen dahingehend beeinflusst, Produkte eines Mitbewerbers nicht zu kaufen.

Im weiteren Sinne ist Desinformation auch die gezielte Überversorgung mit aus der Rezipientenperspektive nutzlosen Informationen, welche die wichtigen Informationen überdecken sollen.

Verursacher von Desinformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Desinformation kann in der Öffentlichkeitsarbeit von staatlichen Stellen (z. B. Geheimdienst oder Militär), von politischen Parteien und Gruppen, von Lobbygruppen oder von Einzelpersonen vorkommen. Ziel ist Täuschung der Bevölkerung, Stimmungsmache oder Verwirrung des Gegners. Massenmedien wie Presse oder Rundfunk werden bevorzugt zur Desinformation der Bevölkerung genutzt. Das Fälschen von Statistiken bzw. deren absichtliche Fehlinterpretation (Eisegese) ist ein häufig gebrauchtes Mittel, um der Desinformation den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu verleihen.

So wendet etwa die amerikanische Regierung zur Verschleierung von verdeckten Operationen ihrer Geheimdienste gegenüber der Öffentlichkeit das Konzept der Glaubhaften Abstreitbarkeit (engl. plausible deniablity) an. Das Pentagon hat seit 2003 das Budget für „Einfluss-Operationen“ um 63 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar (2008) erhöht, wobei 27.000 Mitarbeiter allein in diesem Bereich beschäftigt waren.[1]

Dem Staatssicherheitsdienst der DDR und Geheimdiensten anderer Staaten des Warschauer Paktes werden zahlreiche Desinformationskampagnen während des Ost-West-Konflikts zugeschrieben, derartige Aktivitäten liefen unter dem Begriff Aktive Maßnahmen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beispiel für eine staatliche Desinformation ist die 1986 von der Sowjetunion zunächst verbreitete Aussage über die angebliche Harmlosigkeit des Reaktorunglückes von Tschernobyl. Weitere Beispiele stellen die angebliche Ermordung von Babys durch irakische Soldaten im Golfkrieg von 1991 dar, die für weltweite Empörung sorgte, aber später als bewusst fabrizierte Lügengeschichte einer PR-Agentur enttarnt wurde, sowie gefälschte Dokumente über Massenvernichtungswaffen vor dem Irakkrieg, die der UNO vorgelegt wurden. Ein weiteres Beispiel ist der so genannte Hufeisenplan, der zur Rechtfertigung des Kosovokriegs diente. Desinformation diente hier der Vorbereitung von Kriegen.

Ein bekanntes Beispiel aus der Wirtschaft war eine in Microsoft Windows 3.1 eingebaute Fehlermeldung. Wenn diese Version auf einem Computer installiert wurde, auf dem das zu MS-DOS gleichwertige Konkurrenzprodukt DR-DOS lief, erschien zu Beginn eine Fehlermeldung, die besagte, dass dies nicht MS-DOS sei, die aber keine weitere Bedeutung hatte. Diese Aussage war zwar korrekt, suggerierte aber dem Nutzer, dass er dies wohl besser nicht tun solle. Dies brachte Microsoft den Ruf ein, mit Fear, Uncertainty and Doubt (Angst, Unsicherheit und Zweifel) zu arbeiten.

Der Geheimdienst CIA verbreitete auf regulären Kommunikationswegen falsche Anweisungen und Informationen unter seinen Mitarbeitern, während gegenteilige Anweisungen an ausgewählte Entscheidungsträger geschickt wurden, mit dem Zusatz, die anderen Anweisungen zu ignorieren. In einer solchen, als "Eyewash" bezeichneten Operation, wurde CIA Mitarbeitern in Pakistan verboten, potentiell tödliche Operationen gegen den Terrorverdächtigen Abu Subaida zu verfolgen, während eine andere Anweisung Verantwortliche anwies, der ersten Anweisung keine Beachtung zu schenken und die Mission fortzusetzen.[2]

Desinformation – Propaganda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein eng benachbarter Begriff ist die Propaganda. Die Trennlinie zwischen beiden ist unscharf, doch im üblichen Sprachgebrauch ist Desinformation

  • der Inhalt einer Propaganda-Aktion, oder
  • eine Propaganda, die nur an eine relativ begrenzte Zielgruppe gerichtet ist. In diesem Sinn ist Propaganda eher etwas, was für ein großes, anonymes Publikum bestimmt ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. AP CEO: Bush Turned Military Into Propaganda Machine, Huffington Post, 6. Februar 2009
  2. Greg Miller und Adam Goldman: "‘Eyewash’: How the CIA deceives its own workforce about operations" Washington Post vom 31. Januar 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]