Joachim Friedrich Bolten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Joachim Friedrich Bolten (* 11. August 1718 in Horst (Holstein); † 6. Januar 1796 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Conchologe. Sein zoologisches Autorenkürzel lautet Bolten (Bolt.).

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jochim Friedrich Bolten, der Arzeneigelahrtheit Doktors und Hamburgischen Physici, Nachricht von einer neuen Thierpflanze. Hamburg in der Heroldischen Buchhandlung 1770

Bolten war der Sohn des Pastors Johann Bolten, der 1758 als Propst in Altona starb, und seiner Frau Anna Gertrud, einer Tochter des Archidiakons von St. Katharinen in Hamburg, Matthias Biester. Er studierte Medizin an der Universität Halle und wurde hier bei Georg Christian Maternus de Cilano 1740 zum Dr. med. promoviert.[1] Er ließ sich als ausübender Arzt in Hamburg nieder und wurde am 23. Januar 1747 zum Subphysikus und am 24. Mai 1754 zum Stadtphysikus ernannt. Er war ein Gegner der Einführung der Blattern-Impfung und hatte mit Johann Albert Heinrich Reimarus darüber eine heftige literarische Auseinandersetzung. Bolten war auswärtiges Mitglied der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin.[2]

Joachim Friedrich Bolten besaß ein Kunstkabinett. Dazu gehörten eine umfangreiche Bibliothek und Gemälde u. a. von Carlo Lotti, [David] Köning (Konning), J.[ohann] Steen, Weeninx, B. Denner u. a.[3][4] Bolten trug in jahrelanger Sammeltätigkeit ein Conchyliencabinet[5] zusammen, das zu seiner Zeit als einzig in seiner Art galt. Unter den Amphibien hatte er ein Krokodil mit schmalen, langem Rachen.[6]

Am 7. September 1751 heiratete er Anna Maria, die Tochter des Kaufmanns Joachim Helwig Sillem. Sie gebar ihm 15 Kinder, von denen ihn jedoch nur ein Sohn und vier Töchter überlebten. Sein Sohn Dr. jur. Johann Joachim (1752–1835) war hamburgischer Domherr und ab 1798 Rittergutsbesitzer des Gutes Kloddram in Vellahn in Mecklenburg. Zu seinen Enkeln gehörten der Rostocker Ehrenbürger Carl Alexander Bolten und der Hamburger Reeder August Bolten (1812–1887).

Museum Boltenianum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Titel Museum Boltenianum[7] begann Dr. med. Johann Dominikus Schultze (1751–90) in Hamburg, eine Beschreibung[8] heftweise herauszugeben, von der aber nur wenige Bogen erschienen sind. Einen Katalog nach der 13. Auflage des linnéischen Systems gab Peter Friedrich Röding 1798 mit einer lateinischen Vorrede von Anton August Heinrich Lichtenstein heraus, der zu dieser Zeit noch Direktor des Johanneums und Oberbibliothekar der Stadtbibliothek war. Davon ist der Auktionskatalog von Johannes Noodt unter dem Titel Museum boltenianum 1819 eine neue Auflage. Der Katalog wurde wenig beachtet und die Sammlung mit der Auktion vom 26. April 1819 zerstreut, wobei Röding allerdings einige Exemplare für seine eigene Sammlung erwarb.[9] Erst nach der Herausgabe eines Faksimiledrucks der Ausgabe von 1798 nach dem Exemplar des Britischen Museums erkannte William Healey Dall 1915, dass er neue gültige Taxa enthielt, wenn auch mit langen Namen und nur kurzen Beschreibungen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bibliotheca Bolteniana sive Catalogus librorum rarissimorum, nitidissime compactorum ex omni genere scientiarum, ... Hamburgi : Typis Trappii, [um 1794]
  • Museum Boltenianum sive Catalogus cimeliorum e tribus regnis naturae, quae olim collegerat Joach Frieder Bolten, M. D. per XL annos Proto physicus Hamburgensis / P. 2. [Pars secunda] Continens Conchylia sive Testacca univalvia, bivalvia & multivalvia. (1798), (Digitalisat)
  • Joachimi Friderici Bolten medicinæ doctoris et physici Hamburgensis ad illustrem systematis naturæ authorem Carolum a Linné equitem auratum Epistola de novo quodam zoophytorum genere Digitalisat
  • William Healey Dall: An Index to the Museum Boltenianum, Smithsonian Institutio, 1915, Digitalisat
  • Nachricht von einer neuen Thierpflanze. Hamburg: Herold 1770, Digitalisat
  • Nachricht von einer in dem rechten Eierstock geschehenen Empfängnis eines Kindes, in: Hamburgisches Magazin, oder Gesammelte Schriften zum Unterricht und Vergnügen aus der Naturforschung und den angenehmen Wissenschaften überhaupt, 1. Bd., Adam Heinrich Holle, Hamburg, 1748, S. 92 ff., Digitalisat.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

chronologisch

die Person betreffend:
  • Hermann Gustav Gernet: Mittheilungen aus der älteren Medicinalgeschichte Hamburg's. Kulturhistorische Skizze auf urkundlichem und geschichtlichem Grunde. Mauke & Söhne, Hamburg 1869, S. 322–323 (uni-hamburg.de).
  • Hans Schröder: Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. Bd. 1, Hamburg, 1851, Nr. 0380, (online)
  • Neues Hamburger und Altonaer Addreß-Buch auf das Jahr 1794, S. 282, (online).
  • Johann Otto Thieß: Versuch einer Gelehrtengeschichte von Hamburg. Nach alphabetischer mit kritischen und pragmatischen Bemerkungen. Band 1. Heroldsche Buchhandlung, Hamburg 1783, S. 60 (uni-hamburg.de).
das Museum betreffend:

Porträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Georg Meusel: Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Band 1 (1802), S. 510, (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D5rADAAAAYAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DRA1-PA510~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
  2. Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin, 10. Bd., Wilhelm Vieweg, Berlin, 1792, S. XXVIII, (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DvXiBusuSl_cC~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DRA4-PR8~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  3. Georg Ludwig Eckhardt: Hamburgische Künstlernachrichten. Supplemente zu Füessli's Künstlerlexicon. L.F. Gauß am Dom, Hamburg 1794, S. 120 (uni-goettingen.de).
  4. a b Friedrich Wilhelm Basilius von Ramdohr, Studien zur Kenntniss der schönen Natur, der schönen Künste, der Sitten und der Staatsverfassung auf einer Reise nach Dänemark, Bd. 1, Helwingsche Hofbuchhandlung, Hannover, 1792, S. 17 ff., (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DwfpXAAAAcAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA17~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. Johann Bernoulli's Sammlung kurzer Reisebeschreibungen und anderer zur Erweiterung der Länder- und Menschenkenntnis dienender Nachrichten, Jahrgang 1783, 9ter Band, Kapitel III. Auszug aus dem Reisejournal Hrn. D. Heinrich Titius zu Dresden, von seinen vorzüglich zu Besichtigung der Naturaliensammlungen, im Jahr 1777 angestellten Reise nach..., S. 179–181, (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DML1CAAAAYAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA179~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Heinrich Sander: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande,…, zweiter Theil, Leipzig 1784, S. 217, (online, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften).
  7. Wilhelm Keferstein: Einige Bemerkungen über das Museum Boltenanium. In: Dr. Louis Pfeiffer (Hrsg.): Malakozoologische Blätter für 1863 (als Fortsetzung der Zeitschrift für Malakozoologie). Band 10. Theodor Fischer, Cassel 1862, S. 164–169 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DrMoyAQAAMAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DRA1-PA164~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)..
  8. O.A.L. Mörch: Versuch einer Geschichte der conchyliogischen Nomenklatur. In: Dr. Louis Pfeiffer (Hrsg.): Malakozoologische Blätter (Als Fortsetzung der Zeitschrift für Malakozoologie). Band 18. Theodor Fischer, Cassel 1871, S. 27 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DgscyAQAAMAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA27~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  9. Aufstellung von Käufern und Erlösen nach Noodts Handexemplar in Otto Semper: Museum Boltenianum (Literatur).