Jochen Goetze

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Jochen Goetze
Jochen Goetze auf einer Exkursion durch Heidelberg im Mai 2002

Jochen Goetze (geboren am 28. September 1937 im Ruhrgebiet; gestorben am 23. Oktober 2022[1]) war ein deutscher Historiker, der zur mittelalterlichen Geschichte, zu den Historischen Grundwissenschaften und zur Landesgeschichte lehrte und forschte.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

intermedia 69
Logo der „intermedia 69“

Goetze besuchte das Domgymnasium Verden und legte 1959 als Externer am Katharineum zu Lübeck das Abitur ab.[2] Anschließend studierte er an der Universität Hamburg Geschichte und Kunstgeschichte, unter anderem bei Ahasver von Brandt. 1962 wechselte er mit von Brandt an die Universität Heidelberg,[3] wo er sein Studium fortsetzte und 1965 mit der Dissertation „Die Litterae Elongatae. Ein Beitrag zur Formengeschichte und Herkunft der mittelalterlichen Urkundenschrift“ promoviert wurde.[4] Von 1965 bis 2002 war er als akademischer Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Heidelberg in Forschung und Lehre tätig,[3] zuletzt als Akademischer Oberrat[5] und Geschäftsführer. Im Jahr 2002[2] wurde er pensioniert.

1969 organisierten Klaus Staeck und Jochen Goetze die „intermedia 69“ in Heidelberg.[6][7][8] Sie war als Gegenveranstaltung zu einer Ausstellung des Heidelberger Kunstvereins zur „Kunst der Gegenwart“ geplant. Ziel der Veranstalter war es, nicht eine Schau der damals aktuellen und etablierten Kunst zu bieten, wie sie der Heidelberger Kunstverein durchführte, vielmehr sollten die in die Zukunft weisenden Tendenzen der Kunst jener Jahre dargestellt werden. Am 16. Mai 1969 fand eine der ersten Verpackungsperformances statt, durch welche Christo und später auch Christo und Jeanne-Claude zu Weltruhm gelangen sollten: Die Verhüllung des Amerika-Hauses (heute Deutsch-Amerikanisches-Institut) am Adenauerplatz.[9][10]

Goetze war von 1989 bis 1993 Vorsitzender des Vereins Alt Heidelberg und wirkte ab 1996 als Redakteur und Autor des Heidelberger Jahrbuch zur Geschichte der Stadt.[2] Er war im Vorstand des Vereins Bürger für Heidelberg[11] aktiv und Mitbegründer der Bürgerinitiative „BIEST“, die sich gegen die Erweiterung der Heidelberger Stadthalle einsetzte.[12]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • als Hrsg. mit Klaus Staeck, Friedrich Gerling: inter media 69. Heidelberg, 16. Mai - 22. Juni '69. Verlag Edition Tangente, Heidelberg 1969.
  • Das Heidelberger Schloss. Mit Fotografien von Richard Fischer. Edition Braus, Heidelberg 1988, ISBN 3-925835-06-7.
  • Burgen im Neckartal. Mit Fotografien von Richard Fischer. Edition Braus, Heidelberg 1989, ISBN 3-925835-52-0.
  • Burgen in der Pfalz. Mit Fotografien von Werner Richner. Edition Braus, Heidelberg 1991, ISBN 3-921524-94-6.
  • mit Walter Roggenkamp: Medaillen der Kurfürsten von der Pfalz. Die Schaeffersche Suite von 1758. Heidelberger Verlagsanstalt, Heidelberg 1980, ISBN 3-920431-04-9.
  • Gassen, Straßen und Raster oder die Anfänge der Stadt Heidelberg. Überlegungen und Gedanken zum Heidelberger Stadtgrundriß. In: Heidelberg.1 1996, S. 103–120.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadt Heidelberg (Hrsg.): Erlebte Geschichte erzählt. Michael Buselmeier im Gespräch mit: Heinz Markmann, Hans Peter Stichs, Hansgünther Heyme, Erwin Poell, Hartmut Soell, Peter Staengle, Wassili Lepanto, Peter Schumann, Robert Häusser, Roland Ernst, Bert Burger, Reinhard Düchting, Hans Gercke, Dorothea Paschen, Klaus von Beyme, Wilhelm Genazino, Jochen Goetze, Bernhard Vogel, Kurt Brenner, Jens Christian Jensen, Johann Lippet, Arnold Rothe, Jan Assmann; Band 4: 2005 - 2010. Das Wunderhorn, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-88423-369-6.
  • Martin Krauß: Dank an Jochen Goetze. Dankesworte gehalten bei der Mitgliederversammlung des Heidelberger Geschichtsvereins am 23. Juni 2015. In: Heidelberger Geschichtsverein e.V. (HGV) (Hrsg.). Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt. Kurpfälzischer Verlag, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-924566-58-6, S. 275–276.
  • Guillermo González Insua: Im Profil: Jochen Goetze. Engagierter Historiker „schreibt“ Heidelberger Stadtgeschichte. In: ruprecht - Heidelberger Studentenzeitung. 15. Dezember 2009 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Historische Seminar der Universität Heidelberg trauert um Dr. Jochen Goetze (28. September 1937 – 23. Oktober 2022). In: Universität Heidelberg, Historisches Seminar, ZEGK. Abgerufen am 3. November 2022.
  2. a b c Jochen Goetze. In: Heidelberger Geschichtsverein. Abgerufen am 3. November 2022.
  3. a b Im Profil: Jochen Goetze Engagierter Historiker "schreibt" Heidelberger Stadtgeschichte. In: ruprecht, Heidelberger Studentenzeitung. Abgerufen am 3. November 2022.
  4. Abgeschlossene Promotionen im Historischen Seminar und Seminar für Osteuropäische Geschichte der Universität Heidelberg, 1954 bis März 2014. (PDF) In: Universität Heidelberg. Abgerufen am 3. November 2022.
  5. Goetze Jochen - Detailseite. In: LEO-BW. Abgerufen am 3. November 2022.
  6. intermedia ’69. In: Edition Staeck. Abgerufen am 3. November 2022.
  7. Christo und die Schönheit der Unvollkommenheit. In: Klaus Staeck - Unterwegs in Sachen Kunst und Politik. Abgerufen am 7. November 2022.
  8. Renate Buschmann (Hrsg.): Anarchie, Revolte, Spektakel. Das Kunstfestival "intermedia '69". Steidl, Göttingen 2009, ISBN 978-3-86521-980-0.
  9. Klaus Staeck: Ohne Auftrag. Unterwegs in Sachen Kunst und Politik. 2. Auflage. Steidl, Göttingen 2001, ISBN 978-3-88243-739-3 .
  10. Intermedia 69 - Richtig kühn In: Der Spiegel 26. Mai 1969.
  11. Robert Bechtel, Philine Bujard, Albertus L. Bujard et al. (Hrsg.): 40 Jahre Bürger für Heidelberg. Kurpfälzischer Verlag, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-924566-49-4 (213 S.).
  12. Jochen Goetze starb mit 85. Der Historiker und engagierte Bürger hatte die Geschicke der Altstadt immer im Blick. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 19. November 2022, abgerufen am 20. November 2022.