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Johann Franz von Gronsfeld

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Johann Franz von Gronsfeld, 1711

Johann Franz Graf von Gronsfeld-Bronckhorst (* 1639/1640; † 8. April 1719) war kaiserlicher Hofkriegsratspräsident und Feldmarschall im bayerischen Volksaufstand 1705.

Er war der Sohn von Jost Maximilian von Bronckhorst-Gronsfeld (1598–1662) und Anna Christina von Hardenrath (1615–1692).

Gronsfeld wird gelegentlich die Erfindung der Gronsfeld-Chiffre, einem Verschlüsselungsverfahren, zugeschrieben.[1] Doch ein Graf von Gronsfeld ist nur durch einen Abschnitt im 1659 erschienenen vierten Teil der Magia universalis von Kaspar Schott als Namensgeber der Gronsfeld-Chiffre bekannt[2][3], zudem wird ein Graf von Gronsfeld bereits im 1657 erschienenen ersten Teil der Magia universalis erwähnt[4]. Da Johann Franz von Gronsfeld vor 1657 jünger als 17 war, erscheint es wahrscheinlicher, dass Schott sich auf dessen Vater Jost Maximilian von Bronckhorst-Gronsfeld (1598–1662) bezog[5].

Gronsfeld war 1689 schwäbischer Generalwachtmeister. Am 5. Juni 1688 avancierte er zum Generalfeldwachtmeister und am 10. Juli 1692 zum Feldmarschallleutnant. Seine Beförderung zum General der Kavallerie erfolgte am 15. September 1692 und schließlich die zum Feldmarschall am 1. August 1704.[6]

Am 15. Mai 1705 rückte Feldmarschall Gronsfeld mit 8.000 Mann und Belagerungsgeschütz vor die Stadt München und forderte sie unter Androhung der Beschießung zur sofortigen Übergabe auf. Die Bürgerschaft war „mit großer Furia“ bereit, sich zu verteidigen, und traf schon erste Anstalten dafür, doch waren die bewaffneten Kräfte in der Stadt schon an Zahl den Angreifern unterlegen. Graf von Gronsfeld verhandelte zweimal mit der Regierung und dem Rat der Stadt München. Erst nachdem Gronsfeld schriftlich versichert hatte, dass den Söhnen von Kurfürst Maximilian II. Emanuel nichts Nachteiliges widerfahren und den Bürgern ihre Privilegien erhalten bleiben würden, und nachdem versprochen worden war, dass die Quartierlasten gleichmäßig von Bürgern, Hofbediensteten, Adel und Geistlichkeit getragen würden, beruhigten sich die Bürger und willigten in die Übergabe ein. Am 16. Mai 1705 wurde die Stadt an die kaiserlichen Truppen übergeben. Feldmarschall Gronsfeld marschierte mit 2.816 Soldaten in München ein. Divergenzen zwischen der Kaiserlichen Administration in Bayern und dem Militärkommando führten dazu, dass nach einem Beschwerdeschreiben an Kaiser Joseph I. vom 6. Juni 1705 General Gronsfeld abgesetzt wurde. Sein Nachfolger wurde General Graf Scipioni Bagni († 1721).

Vom 4. Dezember 1716 bis zu seinem Tod am 7. April 1719 war Gronsfeld Gouverneur von Luxemburg.[7]

Er war seit 1677 mit Eleonora Philippine Katharine von Fürstenberg (* 30. April 1654; † vor 1706) verheiratet. Sie war eine Tochter von Ferdinand Friedrich Egon von Fürstenberg (1623–1662). Die Ehe blieb kinderlos. In zweiter Ehe heiratete er Anna von Törring-Ilchenbach (1692–1731). Das Paar hatte eine Tochter (* 4. März 1713; † 25. Oktober 1715), die noch jung starb.[8][9]

Nach dem Tod des Grafen fiel die Grafschaft an seine Witwe, diese heiratete den Grafen Claudius Nikolaus von Arberg und Valengin († 1731). Die nächste Erbin wurde deren gemeinsame Tochter Maria Josepha (* 14. März 1722; † 17. Februar 1754). Diese heiratete 1746 den Grafen Max Emanuel von Toerring-Jettenbach († 1773). Die Ehe blieb kinderlos. Die Familie Törring verlor die Grafschaft mit der Mediatisierung von 1803 und erhielt dafür die Reichsabtei Gutenzell.

Einzelnachweise

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  1. Verschlüsselung nach Gronsfeld (Memento des Originals vom 2. November 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mathe.tu-freiberg.de auf TU Freiberg.
  2. Gerhard Strasser: The rise of cryptology in the European Renaissance. 2007. doi:10.1016/B978-044451608-4/50012-2, https://www.researchgate.net/publication/279608179_The_rise_of_cryptology_in_the_European_Renaissance
  3. Schott, Kaspar: P. Gasparis Schotti magia universalis naturae et artis. 4., Physica, 1659. S. 65–66. https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11221321?page=101&q=grons
  4. Schott, Kaspar: P. Gasparis Schotti magia universalis naturae et artis. 1., Optica, 1657. S. 182. https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11221318?q=gronsfeld&page=250,251
  5. S. Tomokiyo: The Gronsfeld Cipher before Count Gronsfeld. 2018. https://cryptiana.web.fc2.com/code/gronsfeld.htm
  6. Antonio Schmidt-Brentano: Kaiserliche und k.k. Generale (1618–1815), 2006, S. 37 (PDF; 453 kB).
  7. Jean Bertholet, Histoire ecclésiastique et civile du duché de Luxembourg et comté de Chiny, Band 4, 1742, S.24ff
  8. Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster – Die Diözese. In: Germania Sacra. Band 7, Nr. 4. Walter de Gruyter, Berlin-New York 2004, ISBN 3-11-018010-3, S. 69 (uni-goettingen.de).
  9. Friedrich Bülau: Geheime Geschichten und räthselhafte Menschen, Band 7, Leipzig 1856, S. 140–162.