Johann Gottlob Lehmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
J. Lehmann, 1761

Johann Gottlob Lehmann (* 4. August 1719 in Langenhennersdorf bei Pirna; † 11. Januarjul./ 22. Januar 1767greg. in Sankt Petersburg) war ein deutscher Arzt, Mineraloge und Geologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehmann im Alter von 42 Jahren
Lehmannsches Profil vom Südharzrand bei Ilfeld und Nordhausen (unten), 1756, gilt als erstes geologisches Profil überhaupt. Von Grauwacke (links) über Rotliegend und Zechstein bis Buntsandstein (rechts)

Johann Gottlob war der Sohn des Rittergutspächters Martin Gottlob Lehmann († 1729) und zog 1723 mit seiner Familie nach Dresden um. Seinen ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater als Hauslehrer. Johann Gottlob besuchte die Landesschule Pforta, wo er 1735 für ein Semester eine Freistelle erhielt, und studierte ab 1738 an der Universität Leipzig, ab 1739 an der Universität Wittenberg, wo er im Hause seines Lehrers und Mentors Abraham Vater wohnte und 1741 nach seinem Examen zum Dr. med. promoviert wurde. Danach wohnte er in Dresden. Angeregt von dem sächsischen Bergbau und Reisen nach Böhmen führte er neben seiner ärztlichen Tätigkeit zunehmend geologische Forschungen durch.

Ab 1750 wirkte er in Berlin, wo er im Auftrag des preußischen Königs Friedrich II. Bergwerke des Harzes besuchte, 1754 zum Bergrat ernannt wurde, Vorlesungen hielt und 1754 in die Königliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde. 1755 wurde er Direktor des Bergamts und Kupfer-Bergwerks Hasserode. 1756 studierte er den Bergbau in Schlesien und wurde Mitglied der Akademie der nützlichen Wissenschaften in Erfurt.

Lehmann war einer der ersten Geologen, der Stärken und Lagerungsfolgen von Gesteinsschichten nachprüfte und aufzeichnete (etwas später tat dies auch Georg Christian Füchsel in Thüringen). Mit seinem Werk Versuch einer Geschichte von Flötz-Gebürgen, betreffend deren Entstehung, Lage, darinnen befindliche Metallen, Mineralien und Foßilien (1756) gilt er damit als Begründer der Stratigraphie. Das von ihm aufgenommene Profil war im Bere- und Zorge-Tal bei Ilfeld bis Nordhausen am Südrand des Harzes und war von der Grauwacke des Oberdevon über Rotliegend und Zechstein bis zum Buntsandstein[1]. Lehmann sah das Flözgebirge mit seinen Sedimenten als Ablagerung der Sintflut über dem ursprünglichen Ganggebirge. Sein Werk übte unmittelbar großen Einfluss aus und wurde 1759 in Paris ins Französische übersetzt (Essai d´une histoire naturelle des couches de la terre).

1761 folgte er einem Ruf als Professor für Chemie und Direktors des Kaiserlichen Naturalienkabinetts nach St. Petersburg, wurde ordentliches Mitglied der dortigen kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und 1766 Mitglied der Verwaltungs-Kommission der Akademie. Er reiste im Auftrag von Katharina II. zum Beispiel in den Ural. Im gleichen Jahr entdeckte Lehmann im Ural ein orange-rotes Bleichromat-Mineral (PbCrO4), das er Rotbleierz nannte. Er starb bei einem Laborunfall in St. Petersburg.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abhandlung von den Metall-Müttern und der Erzeugung der Metalle aus der Naturlehre und Bergwerckswissenschaft hergeleitet und mit chymischen Versuchen erwiesen Berlin 1753
  • Versuch einer Geschichte von Flötz-Gebürgen betreffend deren Entstehung, Lage, darinne befindliche Metallen, Mineralien und Foßilien größtentheils aus eigenen Wahrnehmungen und aus denen Grundsätzen der Natur-Lehre hergeleitet, und mit nöthigen Kupfern versehen Berlin 1756 (Digitalisat Universität Heidelberg) (Digitalisat Universität Dresden) (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Gedancken von denen Ursachen derer Erdbeben und deren Fortpflanzung unter der Erden Berlin 1757
  • Kurzer Entwurf einer Mineralogie... Berlin 1758
  • Cadmiologia oder Geschichte des Farben-Kobolds nach seinen Nahmen, Arten, Lagerstaedten darbey brechenden Metallen, Mineralien, Erzten und Steinen Berlin 1760

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1759 erhielt Lehmann einen Preis und die Mitgliedschaft der Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce in London.
  • Am 21. März 1976 wurde an Lehmanns Geburtshaus, dem damaligen Volksgut in Langenhennersdorf, eine vom Rat des Kreises Pirna gestiftete Gedenkplatte enthüllt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johann Gottlob Lehmann – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wagenbreth, Geschichte der Geologie in Deutschland, Springer 1999, S. 26. Ein geologisches Blockbild dazu findet sich in Wagenbreth, Steiner, Geologische Streifzüge, 1990, S. 69