Johann Martin Miller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Martin Miller (Kupferstich von J. J. Haid)

Johann Martin Miller (* 3. Dezember 1750 in Jungingen; † 21. Juni 1814 in Ulm) war ein deutscher Theologe und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Miller wurde als Sohn des evangelischen Pastors Johann Michael Miller (1722–1774) im heutigen Ulmer Stadtteil Jungingen geboren. An der Universität Göttingen studierte er ab dem 15. Oktober 1770[1] Theologie und wurde 1772 einer der Mitbegründer des Göttinger Hainbundes. Über den Hainbund schloss er Freundschaft mit Matthias Claudius, Gottfried August Bürger, Ludwig Christoph Heinrich Hölty, Johann Heinrich Voss und Friedrich Gottlieb Klopstock, den er 1774 von Göttingen nach Hamburg begleitete. 1774/75 studierte er in Leipzig.

Miller verfasste in seiner Göttinger Zeit bis zu seiner Rückkehr nach Ulm 1775 vor allem Lieder im Volkston, die zu seinen Lebzeiten oft vertont wurden und bis heute in verschiedenen Liedersammlungen zu finden sind. Sein bekanntestes Gedicht, Die Zufriedenheit ("Was frag ich viel nach Geld und Gut, / Wenn ich zufrieden bin"), diente mit Wolfgang Amadeus Mozart, Christian Gottlob Neefe und dessen Schüler Ludwig van Beethoven gleich mehreren Komponisten als Textvorlage.[2] Vor allem der Ton seiner einfachen Verse war auch Autoren nachfolgender Generationen noch ein Begriff, etwa den Dichtern Eduard Mörike und Friedrich Rückert.[3]

Nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt veröffentlichte er 1776 den schon in Göttingen begonnenen, empfindsamen Roman Siegwart. Eine Klostergeschichte - nach Goethes Werther der größte Kassenschlager zu jener Zeit.[4] 1776–77 erschien noch der Briefwechsel dreyer Akademischer Freunde, ein Roman in Briefform, "ein Beispiel für die Verschiedenartigkeit der geistigen Strömungen ... im Zeitalter der Aufklärung, wo neben den Verfechtern des uneingeschränkten Gebrauchs der Vernunft und des Verstandes solche standen, die sich für die Entfaltung und Wertschätzung der Gemütskräfte und auch für die Erhaltung der in Dogmen fixierten christlichen Religion einsetzten" [5]. Er stand in Verbindung zu Nicolai, Klinger, Salis, Matthisson.[6] Offensichtlich gelang es Miller jedoch nicht, sich in Stoff- und Themenwahl seiner Prosa etwas Neues einfallen zu lassen. Spätestens ab 1790 war er nicht mehr als Schriftsteller tätig.

Nach seinen Göttinger Jahren wirkte Miller in Ulm, und zwar in der Nähe Ulms ab 1780 als Pfarrer, ab 1781 als Professor am Ulmer Gymnasium, ab 1783 als Münsterprediger. 1804 wurde er Consistorialrath, 1809 Districtsdecan, 1810 geistlicher Rath und Decan für Ulm.[7]

Miller wurde am 13. Oktober 1774 in der Loge Zum goldenen Zirkel in Göttingen Freimaurer. Er wurde am 11. Dezember 1776 in dieser Loge zum Gesellen befördert. 1775 erhob ihn die Loge Zur goldenen Kugel in Hamburg bei einem Besuch zum Meister. Er soll lange Zeit Redner der Loge Asträa zu den 3 Ulmen in Ulm gewesen sein (die Loge war 1795–1807 geschlossen).[8]

Johann Martin Miller starb im Alter von 64 Jahren am 21. Juni 1814 in Ulm. Sein Enkel war der Jurist Adolf von Miller. Ein 1793 verfasster Lebensabriss erschien in der Sammlung von Bildnissen Gelehrter und Künstler und ist eine der Hauptquellen zu seinem Leben.

Im 200. Todesjahr wurden erstmals seit 1783 Millers gesammelte Gedichte wieder aufgelegt.

Werke[Bearbeiten]

  • Beytrag zur Geschichte der Zärtlichkeit. Aus den Briefen zweier Liebenden (1776, Erweiterung durch Anhang 1780)
  • Siegwart. Eine Klostergeschichte (1776) (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Briefwechsel dreyer akademischer Freunde, 2 Bände (1776/77)
  • Geschichte Karls von Burgheim und Emiliens von Rosenau, 4 Bände (1778)
  • Karl und Karoline (1783)
  • Johann Martin Millers Gedichte (1783)
  • Briefwechsel zwischen einem Vater und seinem Sohn auf der Akademie, 2 Bände (1785)
  • Die Geschichte Gottfried Walthers, eines Tischlers, und des Städtleins Erlenburg (1786)

Lieferbare Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Breitenbuch: Johann Martin Miller 1750-1814. Liederdichter des Göttinger Hain, Romancier, Prediger am Ulmer Münster. Ausstellung zum 250. Geburtstag. Stadtbibliothek Ulm, Schwörhaus, 3. Dezember 2000 bis 27. Januar 2001. Weißenhorn: Konrad 2000. (= Veröffentlichungen der Stadtbibliothek Ulm; 20) ISBN 3-87437-448-3
  • Bernd Breitenbruch: "Johann Martin Millers Romane und ihre Nachdrucke. Mit Beiträgen zu den Reutlinger und Tübinger Nachdrucken". In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 2013. Göttingen/Tübingen, 2014, S. 83-145.
  • Adalbert Elschenbroich: Miller, Johann Martin. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 514–516 (Digitalisat).
  • Alain Faure: Johann Martin Miller, romancier sentimental. Paris: Champion 1977.
  • Hans-Edwin Friedrich: Autonomie der Liebe - Autonomie des Romans. Zur Funktion von Liebe im Roman der 1770er Jahre: Goethes Werther und Millers Siegwart (30. Juli 2004). In: [Goethezeitportal.http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/epoche/friedrich_liebe.pdf]
  • Heinrich Kraeger: Johann Martin Miller. Ein Beitrag zur Geschichte der Empfindsamkeit. Bremen: Heinsius 1893.
  • Erich Schmidt: Miller, Johann Martin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 21, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 750–755.
  •  Frank Raberg: Biografisches Lexikon für Ulm und Neu-Ulm 1802–2009. Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm im Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7995-8040-3, S. 275 f.
  • Reinhart Schönsee: J. M. Millers Prosaschriften als Krisenphänomen ihrer Epoche. Hamburg: Univ. Diss. 1972.
  • Manfred von Stosch (Hg.): Der Briefwechsel zwischen Johann Martin Miller und Johann Heinrich Voss. Berlin: De Gruyter 2012. ISBN 3-11-023417-3
  • Heinz Strauss: Der Klosterroman von Millers 'Siegwart' bis zu seiner künstlerischen Höhe bei E. T. A. Hoffmann. Ein Beitrag zur Literaturgeschichte des 12. Jahrhunderts. München: Univ. Diss. 1922.
  • Michael Watzka: "Ein One-Hit-Wonder? Die Lyrik Johann Martin Millers in den Kompositionen seiner Zeitgenossen". In: Lenz-Jahrbuch 21 (2014). St. Ingbert 2015, S. 111-146. ISBN 978-3-86110-575-6 / ISSN 0940-7499

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Johann Martin Miller – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Götz von Selle: Die Matrikel der ... Universität zu Göttingen 1734-1837. Hildesheim, Leipzig 1937, Nr. 8619
  2. Michael Watzka: Ein One-Hit-Wonder? Die Lyrik Johann Martin Millers in den Kompositionen seiner Zeitgenossen. In: Lenz-Jahrbuch 21 (2014). St. Ingbert 2015.
  3. Liederton und Triller. Sämtliche Gedichte. Berlin 2014, S. 245.
  4. Bernd Breitenbruch: Johann Martin Millers Romane und ihre Nachdrucke. In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 2013.
  5. E. Schmitt: Die Wohlersche Buchhandlung in Ulm, S. 64
  6. Erich Schmidt: Allg. Deutsche Biographie Bd. 21, 1885, S. 750-755
  7. Bernhard Appenzeller: Die Münsterprediger bis zum Übergang Ulms an Württemberg 1810. Weißenhorn 1990, S. 404-412
  8. Matrikel der Loge Zum goldenen Zirkel im Geh. Staatsarchiv Berlin-Dahlem, Sign. 5.2 G 31 Nr. 19