Johann Thal

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Johann Thal, latinisiert Johannes Thalius, (* 1542 in Erfurt; † 18. Juli 1583 in Peseckendorf) war ein deutscher Arzt und Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Thal“.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war Sohn eines evangelischen Pfarrers Johann Thal, der einer der ersten evangelischen Pfarrer überhaupt war, und dessen dritter Ehefrau Margaretha geborene Butzbach, Tochter des Erfurter Ratsherrn Elias Butzbach.

Johann Thal ging zunächst zur Schule in Erfurt. Von 1558 bis 1561 besuchte er die Klosterschule Ilfeld, eine damals berühmte Schule unter der Leitung von Michael Neander. Da sein leiblicher Vater früh verstorben war, verehrte Thal Neander wie seinen zweiten Vater. In Ilfeld hinterließen bei Johann Thal die vielfältigen Reize der Natur des Harzes einen großen Eindruck bei ihn. Insbesondere die Pflanzenkunde hatte es ihm fortan angetan, denn innerhalb von nur zwei Monaten bestimmte er 72 Grasarten in Ilfeld und Umgebung und legte ein eigenes Herbarium an.

Ab 1561 studierte Johann Thal Medizin an der Universität Jena, wo er u.a. Vorlesungen bei Lorenz Hiel hörte. Er verließ die Universität, wohl ohne einen akademischen Grad erworben zu haben, obwohl er sich in den folgenden Jahren selbst als Magister bezeichnete.

Kurz nach dem Ende seiner Studien fand er als Arzt erst in Stendal. Anfang 1572 hielt er sich einige Zeit bei Wilhelm Reiffenstein in Wernigerode auf, wo auf ihn die Grafen zu Stolberg auf ihn aufmerksam wurden. Sie bestallten ihn für sich und die gräflichen Hofdiener zum Leibarzt mit eigentlichem Dienstsitz in der Stadt Stolberg (Harz), wo er gleichzeitig auch die Stelle eines Stadtphysikuses versah. Mit den Grafen zu Stolberg, insbesondere Albrecht Georg und Wolf Ernst, stand er in lebhaftem und teilweise vertraulichem Briefwechsel.

Im Mai 1581 wurde Johann Thal Stadtphysikus in Nordhausen. Auf dem Weg zu dem Patienten Nikolaus von Bortfeld verunglückte Thal im Frühsommer 1583 bei Schermcke mit einem Fuhrwerk, dessen Pferde durchgegangen waren. Er versuchte sich durch einen Sprung aus der Kutsche zu retten, wodurch er sich jedoch den Unterschenkel brach und beide Röhren durch die Stiefel herausragten. Drei Wochen später starb er mit erst 41 Jahren im Schloss Peseckendorf bei Johann Ernst von der Asseburg an seinen schweren Verletzungen.

1577 schrieb er die „Sylva Hercynia: sive catalogus plantarum sponte nascentium in montibus & locis plerisque Hercyniae Sylvae quae respicit Saxoniam“, ein Verzeichnis der Pflanzen des Harzes und einiger umliegenden Gebiete. Diese Flora unterschied sich von allen bis dahin geschriebenen Kräuterbüchern, weil sich zum ersten Mal ein Autor nicht auf die arzneilich wirksamen Pflanzen beschränkte, sondern versuchte, alle vorkommenden Pflanzen zu erfassen und zu beschreiben. Johann Thal schaffte es in nur fünf Jahren, trotz fehlender Systematik und Bestimmungsbüchern und schwacher Infrastruktur, ein äußerst umfangreiches Bild der Harzvegetation zu erstellen. Viele Arten wurden dabei von ihm erstmals beschrieben, zum Beispiel die später nach ihm benannte, heute als Modellorganismus in der Entwicklungsbiologie bekannte Arabidopsis thaliana (Acker-Schmalwand) oder das Brillenschötchen, Erd-Segge, Alpen-Milchlattich, Brocken-Kuhschelle und viele mehr. Für andere Arten dokumentierte er zum ersten Mal ein Vorkommen in Deutschland. Für viele Beschreibungen lieferte er zudem genaue Ortsangaben.

Wegen dieser Leistungen gilt Johann Thal heute als „Vater der Floristik“. Seine Sylva Hercynia, die erste Flora überhaupt, wurde erst 1588, also nach seinem Tod, von Joachim Camerarius dem Jüngeren herausgegeben.

Er hinterließ auch andere handschriftliche Ausarbeitungen, die jedoch im Laufe der Zeit alle verloren gingen.[1]

Sein jüngerer Bruder Wendelin Thal wurde sein Amtsnachfolger als Physikus in Nordhausen, während der Bruder Daniel Thal Professor für Hebräische Sprache an der 1575 gegründeten Akademie in Altdorf wurde. Daniel starb im gleichen Jahr wie sein Bruder Johann, 1583.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mitteldeutsche Rundfunk benannte das Krankenhaus seiner Fernsehserie In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte als Johannes-Thal-Klinikum.

Ehrentaxon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl von Linné benannte ihm zu Ehren die Gattung Thalia der Pflanzenfamilie der Pfeilwurzgewächse (Marantaceae).[2][3]

Es sind zwei Arten beschrieben, die beide als Zierpflanzen verwendet werden:

  • Thalia dealbata - Große Marante, Wassercanna
  • Thalia geniculata

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sylva Hercynia: sive catalogus plantarum sponte nascentium in montibus & locis plerisque Hercyniae Sylvae quae respicit Saxoniam - posthum 1588

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thilo Irmisch: Ueber einige Botaniker des 16. Jahrhunderts. In: Jahresschrift des Gymnasiums zu Sondershausen, 1862, S. 44–58.
  • Thilo Irmisch: Einige Nachrichten über Johann Thal, den Verfasser der Sylva Hercynia. Mit drei Beigaben: A. Schriftstück aus einem Blatt in Folio bestehend, mit den Actenzeichen XVI. 5a. B. Schreiben des Grafen „Christoffel Graf zu Stolbergk“ d. d. 23 Octobr. 1572. C. Bittschrift Johann Thal's an den Grafen Albrecht Georg zu Stolberg d. d. XXVII. VIIbris LXXVI (1576), in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Alterthumskunde, 8. Jahrgang, 1875, S. 149-161.
  • Artikel „Thal, Johann“ von Eduard Jacobs in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 642–643, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Thal,_Johann&oldid=2507657 (Version vom 23. August 2016, 21:09 Uhr UTC)
  • Stephan Rauschert (Übersetzer): Sylva Hercynia: Sive Catalogus plantarum sponte Nascentium in Montibus... 1977 (Facsimile Reprint der Ausgabe von 1588, 300 Exemplare)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eduard Jacobs: Thal, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 642–643.
  2. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 94
  3. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 522

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]