Johannes VIII. (Papst)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johannes VIII. (* vor 852 in Rom; † 16. Dezember 882 in Rom) war Papst von 872 bis 882.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er stammte aus Rom, war Sohn eines gewissen Gundo und wurde 852 Archidiakon. Am 13. Dezember 872 wurde er auf den Stuhl Petri gewählt. Als Papst bemühte er sich, nach dem Zerfall des Frankenreiches in Italien die päpstliche Vorherrschaft zu erhalten und das Land gegen die Araber zu verteidigen. 875 krönte er den westfränkischen (französischen) König Karl den Kahlen zum Kaiser. Ebenso krönte er 881 dessen Nachfolger, den ostfränkischen König Karl III. den Dicken.

Johannes übernahm von seinen Vorgängern den Konflikt mit Photius I., dem Patriarchen von Konstantinopel, mit dem die Westkirche seit Nikolaus I. im Schisma war. Das Konzil von 879 in Konstantinopel führte zu einer Einigung, die das Photius-Schisma beendete. Es gab einen Kompromiss, indem dem Bischof von Rom die Jurisdiktion über die Bischöfe des Westens anerkannt wurde und gleichzeitig für die übrigen Patriarchate zwar das Ehrenprimat von Rom bestätigt, die römische Jurisdiktion jedoch abgelehnt wurde.

Er unterstützte den Slawen-Apostel Methodios und ließ 880 die slawische Sprache in der Liturgie zu.

Johannes VIII. ist der erste von acht mittelalterlichen Päpsten, deren Leben bekanntermaßen durch einen gewaltsamen Tod endete. Aus den Quellen lassen sich unterschiedliche Versionen belegen: Entweder starb er im Kampf gegen die Sarazenen am 16. Dezember 882 oder er starb einen anderen gewaltsamen Tod in Rom: Nachdem seine Verwandten zunächst versucht hatten, ihn zu vergiften, sollen sie ihn, als das Gift nicht schnell genug wirkte, mit einem Hammer erschlagen haben.

Hypothesen und Legendenbildungen einer weiblichen Identität[Bearbeiten]

Hauptartikel: Päpstin Johanna

Legendenbildungen über eine vermeintlich weibliche Identität des Papstes sind ab dem 13. Jahrhundert, etwa 400 Jahre nach dem Tod von Johannes VIII. nachweisbar und bis in die Gegenwart verbreitet – beispielsweise in der Belletristik oder in Spielfilmen.

Bereits einige Chronisten des Spätmittelalters wie z. B. Martin von Troppau (1278) und Bartolomeo Sacchi (1479) stellten die Behauptung auf, dass es sich bei Johannes VIII. nicht um einen Mann, sondern eine Frau gehandelt habe. Diese Behauptung entwickelte sich im weiteren Verlauf der Jahrhunderte zur Legende der Päpstin Johanna. Für diese Hypothese gibt es allerdings keine wissenschaftlich anerkannten Beweise. Vermutungen zufolge haben mittelalterliche Autoren die These um einen weiblichen Papst aufgestellt, weil sie eine Satire missverstanden haben, in der Papst Johannes VIII. für sein angeblich weibisches Verhalten lächerlich gemacht wurde.[1] Giambattista Vico erklärt in seinen "Prinzipien einer neuen Wissenschaft über die gemeinsame Natur der Völker" (1744) dazu: Nach dem Vorbild Tanaquils wurde, in derselben heroischen Redeweise,[...], der Papst Johannes ein Weib genannt (gegen welches Märchen Leone Allaci ein ganzes Buch schrieb), weil er die große Schwäche besaß, Photius, dem Patriarchen von Konstantinopels, nachzugeben, wie es Baronius gut aufzeigt, und nach ihm Sponde.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johannes VIII. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Jan von Flocken: Die Legende von der Päpstin Johanna. In: Die Welt, erschienen am 9. Februar 2007, abgerufen am 17. Oktober 2013.


Vorgänger Amt Nachfolger
Hadrian II. Papst
872–882
Marinus I.