Jonathan Callan

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Jonathan Callan (* 15. Februar 1961 in Manchester) ist ein englischer bildender Künstler. Er zählt zu den bekanntesten Vertretern der „Book Art“[1] oder „Paper Art“. In seiner bildhauerischen Tätigkeit knüpft er an die künstlerische Tradition der „New Object Art“ bzw. "New British Sculpture"(Tony Cragg, Bill Woodrow, Tony Carter, Richard Deacon, Alison Wilding und Richard Wentworth) an.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jonathan Callan wuchs als Sohn des Malers und Dekorateurs John Callan und der technischen Zeichnerin Jean Callan in Manchester auf. Mit 15 Jahren verfestigte sich sein künstlerisches Interesse durch einen Kurs der Manchester Polytechnic Art Foundation. Callan erkannte für sich darin eine schöpferisch-denkende Tätigkeit, die er mit handwerklich präziser Ausführung verbinden wollte.[2] Beeindruckt von der Konzeptkunst der 60er und 70er Jahre ließ er alternative Pläne für ein Designstudium fallen. 1980 studierte er am Goldsmiths College of Art (1984 BA Honours, 1st Class). Callan arbeitete danach zwar weiter künstlerisch, verdingte sich zum Broterwerb aber auch als Galerist eines Künstlerkollektivs, als Bauarbeiter und Schreiner. 1988 erhielt er die Zulassung zur Slade School of Fine Art (1990 Higher Diploma of Fine Arts (HDFA), vergleichbar einem Master of Sculpture MA). 1992 erhielt er die Boise Scholarship, 1993 die Henry Moore Fellowship in Sculpture der Winchester School of Art.[3] Callan lebt und arbeitet in London.[4]

Werk und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Callans Werk besteht weitestgehend aus Skulpturen und Bildern. Das Frühwerk Callans verwendete in den Skulpturen Beton, Gummi oder Sand, ab 1996 begann die intensive Auseinandersetzung mit Papier. Bedingt durch das Material Papier sind die Skulpturen vor allem in Innenräumen von Gebäuden zu finden. Zentrales Thema seines Werkes ist Information und Sprache.[5]. Der Weg zu diesem Thema führt über die Beziehung von einer Entkörperlichung von Information zu verkörperter Materialität und Erfahrung, die nur durch die Skulptur möglich ist.

Sein künstlerischer Prozess beginnt mit zufällig gefundenen Büchern oder Abbildern, mitunter Fotografien; es gibt anfänglich noch keine vorgegebene Konzeption. Das Werk entsteht durch einen intuitiv-explorativen Prozess, der handwerklich komplex, vielseitig und mit obsessiver Akribie in den Details ausgeführt wird. Callan setzt fuer die Deutung das kulturelle Verständnis darüber voraus, was ein Buch ist, bevor er durch vielfältige Arbeiten wie sägen, biegen, ausstechen, reiben, bohren, kleben, nageln, schleifen, zerkochen oder überformen den ursprünglich eindeutigen Kontext eines Buches oder Bildes nahezu vollständig auslöscht. Das Ausgangsmaterial verwandelt sich in eine objekthafte, ästhetische Skulptur, die nun sinnlich-ästhetisch erfahrbar ist und auf die Beschränkungen von Sprache und Information weist.[6]. Die Werktitel, oft eine rhythmische Komposition unter Verwendung der ursprünglichen Buchtitels, sind nicht selten die einzig erkennbare Referenz zum Ursprungsmaterial.[7] Das gezielte Wegnehmen und Abtragen von Inhalten bzw. der ursprünglichen Form ist zu verstehen als klassisch-bildhauerische Arbeit, sie erzeugt überraschend und ungeplant neue Einsichten.[8]

“The Art is not in the object nor was it in the artist. It was in the space between the two. I’ve thought about that a lot and I think there is a shameful part of me that wants to go completely against it and believe in Animism. A god for each and every thing.“ Jonathan Callan, 2009 in einem Interview mit Ryan Gander[9]

Callans Werk zeigt in seiner skulpturalen Ästhetik die Grenzen jeglicher Form von menschlicher Sprache und insbesondere protestantisch-literarischer Kultur, aus der Callan stammt. Er thematisiert die Limitationen in der Wiedergabe von bewussten Erfahrungen und sinnlichen Wahrnehmungen, die in menschlicher Sprache immanent sind. Die Anerkennung dieses Mangels erklärt u.a. die schöpferischen Mängel des Menschen in seinen Werken und in seiner Erkenntnisfähigkeit, was für Literatur, Poesie als auch Wissenschaft gleichermaßen gilt.[10]

Callans Werk als zeitgenössische Kunst ist Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts mit der epochalen Veränderung durch das Internet und der fortschreitenden Entwertung klassischer Büchereien und des Buches selbst bedeutsam. Die Verwendung von Büchern als Material und Träger von Information verweist auf die westliche Zivilisation als Überflusskultur, deren Herausforderungen und Probleme nach Jahrhunderten des Mangels in materieller Überflutung (u.a. Informationsüberflutung) zu suchen sind. Callans große Buchskulpturen, die teils Millionen von Seiten umfassen, stellen die Frage nach dem eigentlichen Gehalt von Büchern, Wissen und Sprache.[11] Durch Technologie beschleunigt der Mensch seit Beginn des Buchdrucks die Produktion dieser Informationen, im 21. Jahrhundert werden die Herausforderungen in der Bewältigung von Information immer gewichtiger.

Callans Werk thematisiert auch den Niedergang des westlichen Bildungsbürgertums des 18. bis ausgehenden 20. Jahrhunderts, dass im Besitz und der sichtbaren Ausstellung von Büchern und Enzyklopädien einen Garanten für soziale Stellung, Macht und wirtschaftlichen Erfolg demonstrierte. Bücher im 21. Jahrhundert erfahren laut Callan offensichtlich eine materielle und physische Entwertung; Büchereien und Buchregale verschwinden, das Bildungsbürgertum der Mittelschicht verliert seine dominante und kulturprägende Rolle in der Gesellschaft.[12] Diesen beschleunigten gesellschaftlichen Transformationsprozess erfährt Callan von London aus. In seinen jüngeren Arbeiten ab 2015 zeigt er deswegen immer wieder konkretere Bezüge zu den Folgen dieses Prozesses auf. Referenzierte er in seiner anfänglichen Beschäftigung mit Papier noch kulturelle Ikonen und historische Materialien (bspw. Abschlussfoto von Roosevelt, Stalin und Churchill auf der von Jalta im Werk Partition)[13], verwendet er heute auch aktuelle Phänomene, die sich kulturell und politisch in Populismus und Nationalismus, Internetpropaganda und Verschwörungstheorien in sozialen Medien entlädt. Der Verlust eines Bildungskanons und den ihn schockierenden Brexit-Entscheid nach der globalen Finanzkrise 2007/2008 werden erwähnt.[14]

Einzelausstellungen und Sammlungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Inside Out!, Soloshow mit Andreas My, Kunstmuseum Villa Zanders, 2018, Bergisch Gladbach
  • I don't believe you, Galerie Martin Kudlek, Köln, 2017
  • Kernel, Hopstreet Gallery, Brüssel, 2016
  • Colony, Josée Bienvenu Gallery, New York 2016
  • Vacation, Hopstreet Gallery, Brüssel, 2015
  • Word will fold, Galerie Martin Kudlek, Köln, 2014
  • Bind, Josée Bienvenu Gallery, New York 2013
  • Prospero, Martin Asbaek Galerie, Kopenhagen, 2012
  • Set, Galerie Martin Kudlek, Köln, 2012
  • New Work, Hopstreet Galerie, Brüssel, 2011
  • Blancpain Art Contemporain, Brüssel, 2010
  • Faith, Kudlek van der Grinten Galerie, Köln, 2010
  • Making subjects and verbs agree, John Michael Kohler Arts Center, Wisconsin, USA, 2010
  • I can't tell you why, Grusenmeyer Art Gallery, Belgien, 2009
  • o.T., Nicole Klagesbrun Galerie (mit Jason Tomme), New York, 2009
  • Access Denied, Kudlek van der Grinten Galerie, Köln, 2008
  • The Library of Past Choices, Grusenmeyer Art Gallery, Belgien, 2007
  • New Works, Galerie Martin Kudlek, Köln, 2006
  • Mattress Factory, Pittsburg, USA, 2005
  • Empires and ohter Works, Houldsworth Galerie, London, 2005
  • The Apartment, Athen, 2005
  • Trace, Zinger Galerie, Niederlande, 2005
  • Interference, Firstsite Gallery, Colchester, England, 2003
  • Interference, The New Art Gallery Walsall, England, 2002–2003
  • New Work, Zwemmer Art, London, 2001
  • Grant Selwyn Fine Arts, Los Angeles, 2001
  • Santa Barbara Contemporary Arts Forum, USA, 2000
  • Grant Selwyn Fine Arts, Los Angeles, 1999
  • Hales Gallery, London, 1995
  • Entwistle Gallery, London,1994
  • Hales Gallery, London,1992

Callans Werk ist in Museen und Sammlungen weltweit zu sehen, u.a. Museum of Modern Art, New York, The British Museum, The Henry Moore Institute, South London Art Gallery, Whitworth Gallery, Manchester, The British Council, The Ferens Art Gallery, Hull, The High Museum Atlanta, USA, The West Collection, Pennsylvania, Leopold-Hoesch-Museum, Princeton University Art Museum, Progressive Art Collection, Ohio, JP Morgan Chase Bank, New York sowie diverse private Sammlungen in England, Europa, China, USA, Korea und Japan.[15]

Diverses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Callan opponiert im Bereich der Skulptur vehement der Vermischung eines originär künstlerischen Werkes mit Design, Industrie Design und Konsumprodukt. Das Werk stellt bei Callan kein Produkt dar, der Schaffensprozess ist i.d.R. sichtbar und untrennbarer Teil des Werkes, welcher in Konsumprodukten oder im Design (absichtlich) verborgen bleibt. Callan verweigert sich der Markenbildung durch wiederkehrende Werksformen (Branding) und vermeidet offensichtliche Wiederholungen. Er stellt die Werke maßgeblich selbst her und gebraucht nur in geringem Umfang Assistenz. Er nutzt kein "Factory Setup" (serielle Produktion von Kunstwerken, produziert i.d.R. von Angestellten), sein Atelier entspricht eher dem einer handwerklichen Manufaktur oder Werkstatt.[16]

Callan orientierte seine Laufbahn im Unterschied zu den nachfolgenden Young British Artists noch an einer klassischen Künstlerlaufbahn der Nachkriegszeit, welche neben eigener Atelierarbeit und Ausstellungen auch Lehrtätigkeit vorsieht. Aus Manchester kommend lehnt er den aus seiner Sicht enthusiastischen Umgang der Young British Artists mit dem Kapitalismus ab; deren bewusste Markenbildung, Vermischung mit Starkult der Popkultur und forcierter globaler Kommerzialisierung stellt eine radikal neue Form künstlerischer Laufbahn dar.[17] Die popkulturelle Bedeutung der Young British Artists sieht er nicht im Einklang mit ihrer kunsthistorisch umstrittenen Bedeutung[18]; Callan selbst sieht seine Rolle als Person ausdrücklich im Hintergrund seines Werks.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Book Art: Iconic sculptures and installations made from books, Seiten 58-61, 2011, Gestalten Verlag, Berlin, ISBN 978-3-89955-366-6
  2. vgl. Gespräch von Dr. Petra Oelschlägel mit Jonathan Callan, Katalog "Inside Out - Jonathan Callan, Andreas My, 15.09.2018-06.01.2019", S. 127, Kunstmuseum Villa Zanders, ISBN 978-3-939227-40-3
  3. vgl. http://www.jonathancallan.com/cv2016/ abgerufen am 16. September 2018
  4. vgl. Dr. Petra Oelschlägel, Katalog "Inside Out - Jonathan Callan, Andreas My, 15.09.2018-06.01.2019", S. 7, Kunstmuseum Villa Zanders, ISBN 978-3-939227-40-3
  5. vgl. Dr. Petra Oelschlägel, Katalog "Inside Out - Jonathan Callan, Andreas My 15.09.2018-06.01.2019", S. 7-9, Kunstmuseum Villa Zanders, ISBN 978-3-939227-40-3
  6. vgl. Book Art: Iconic sculptures and installations made from books, Seiten 58-61, 2011, Gestalten Verlag, Berlin, ISBN 978-3-89955-366-6
  7. vgl. Gespräch Dr. Petra Oelschlägel mit Jonathan Callan, Katalog "Inside Out - Jonathan Callan, Andreas My, 15.09.2018-06.01.2019", S. 128, Kunstmuseum Villa Zanders, ISBN 978-3-939227-40-3
  8. vgl. 8038 Titles, Works 2003–2008, Jonathan Callan, Kudlek Van der Grinten Galerie, Katalog 2008, ISBN 978-3-939825-97-5
  9. vgl. 8038 Titles, Works 2003–2008, Jonathan Callan, Kudlek Van der Grinten Galerie, Katalog 2008, S. 27, ISBN 978-3-939825-97-5
  10. vgl. Renton, Andrew, 2003, “Conversation between Jonathan Callan, Edward Allington, and Andrew Renton, 4th November 2002, Deptford, London”. In: , ed. Jonathan Callan: Interference. Walsall: New Art Gallery Walsall, S. 68-71. ISBN 978-0-946652-66-2
  11. vgl. Werk "One and a Half Million Pages of Content" 400 x 430 x 40cm, 2017, Papier, Privatsammlung, aktuell installiert in der europäischen Facebook Zentrale in Dublin http://www.jonathancallan.com/2017-one-and-a-half-million-pages-of-content-1, abgerufen am 16. September 2018
  12. vgl. "The Library of Past Choices, 580 x 155 x 57 cm, Papier und Schrauben, 2007 in "Book Art: Iconic sculptures and installations made from books, Seiten 152-153, 2011, Gestalten Verlag, Berlin, ISBN 978-3-89955-366-6
  13. vgl. Werk Partition, 119,5 x 100 cm, Papier, 2008, http://www.jonathancallan.com/2008-partition abgerufen am 16. September 2018
  14. vgl. bspw. "Europe in Nigel, 24x16x4 cm, Papier, 2017, http://www.jonathancallan.com/2017-europe-in-nigel abgerufen 16. September 2018
  15. vgl. eigene Angabe des Künstlers auf seiner Webseite http://www.jonathancallan.com/cv2016/ abgerufen am 16. September 2018
  16. vgl. Interview "A Conversation between Jonathan Callan and Ryan Ganders, London 12.12.2008 in "8038 Titles, Works 2003–2008, Jonathan Callan", Kudlek Van der Grinten Galerie, Katalog 2008, S. 27, ISBN 978-3-939825-97-5
  17. vgl. Ulrich Blanché, Konsumkunst, Kultur und Kommerz bei Banksy und Damien Hirst, 2012, ISBN 978-3-8376-2139-6
  18. vgl. hierzu u.a. "Sell up now before it's too late, expert tells Damien Hirst fans", independent.co.uk. 27 March 2012, abgerufen am 23 February 2017 sowie weitere Quellen im englischsprachigen Wikipediaeintrag zu Damien Hirst "Critical Responses", https://en.wikipedia.org/wiki/Damien_Hirst abgerufen 16.09.2018
  19. vgl. Gespräch Dr. Petra Oelschlägel mit Jonathan Callan, Katalog "Inside Out - Jonathan Callan, Andreas My, 15.09.2018-06.01.2019", S. 125-129, Kunstmuseum Villa Zanders, ISBN 978-3-939227-40-3