Josef Braml

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Josef M. Braml (* 1968) ist ein deutscher Politikwissenschaftler[1] und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner kaufmännischen Ausbildung und nach Sprach-, Wirtschafts- und Kulturraumstudien an der Universität Passau und der Université de Nice promovierte Braml 2001 in Passau in den Fächern Politikwissenschaft, Soziologie und Französische Kulturwissenschaft. Seit Oktober 2006 ist er bei der DGAP wissenschaftlicher Mitarbeiter des Programms USA/Transatlantische Beziehungen. Als solcher ist er Leiter und Herausgeber des Jahrbuchs Internationale Politik.

Schwerpunkte seiner Arbeit sind die US-amerikanischen "Weltordnungsvorstellungen" und transatlantische Beziehungen. Dabei bezieht er die Sicherheits-, Energie- und Handelspolitik der USA in seine Analysen ein, ebenso wie die wirtschaftlichen und innenpolitischen Rahmenbedingungen amerikanischer Außenpolitik, zu denen auch die Religion gehört. Braml vergleicht Governance-Stile, etwa im deutschen und US-Regierungssystem.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der amerikanische Patient[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Präsidentschaftswahlen 2012 äußerte Braml, wer Präsident werde, sei aufgrund der beschränkten Handlungsmöglichkeiten der USA fast gleichgültig.[2] In seinem Werk "Der amerikanische Patient" analysiert er den sozialökonomischen Zerfall der USA und dessen gefährliche weltpolitische Folgen. Als Hauptfaktoren der Krise der USA betrachtet er die private und vor allem öffentliche Überschuldung, den Konsumrückgang, die Verlagerung der Wirtschaft von der Produktion auf "posthumane" Finanzdienstleistungen, die neoliberalen Deregulierung, die sozialstaatliche und bildungspolitische Rückständigkeit, den Rohstoff- und Energiemangel, die soziale Schieflage durch konzentrierten Reichtum und wachsende Massenarmut sowie die überdimensionalen Militärausgaben. Weltpolitische Folgen sieht er in der möglichen Rivalität mit China um Ressourcen, in der Abwälzung von Verantwortung und Kosten auf die europäischen Bündnispartner und in einem neuen Protektionismus.[3]

Demokratieverfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 legte Braml einen Hauptakzent seiner USA-Kritik auf den Demokratieverfall und auf TTIP und betonte die Wichtigkeit des Ausgangs der Präsidentschaftswahl. Demokratie wird in seiner Sicht zunehmend durch eine Klientelpolitik der "Post-Demokratie" (Colin Crouch) ersetzt, bei der Lobbyisten die Politik zu ihren Zwecken instrumentalisieren. Die Masse der Bevölkerung sei politisch bedeutungslos, ihre Teilhabe an Wirtschaft und Politik marginal. Demokratische, rechtsstaatliche und soziale Interessen oder Bedürfnisse rangierten immer öfter hinter den wirtschaftlichen oder den Sicherheitsinteressen. Die Probleme des Rassismus und der Immigrationsgesellschaft seien ungelöst.

In der Situation der Schwäche und Bedrohung durch neue Herausforderungen bestehe die Gefahr, dass die USA ihre Hegemonialstellung mit allen Mitteln bewahren wolle. Der wichtigste Pluspunkt der USA sei ihr technologischer Vorsprung, den sie besonders in der Überwachungstechnik einsetzen werde.

[4][5]

TTIP/TPP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Braml warnt vor den Gefahren dieser oder ähnlicher Verträge, da sie Teil der globalen Geopolitik der USA seien, der es um ökonomische Dominanz vor allem gegenüber China gehe. Dies werde im gegenwärtigen Wettrüsten deutlich wie an den Vertragsmodellen, die China und deren Markt ausschlössen.

Europa, allen voran die europäische Führungsmacht Deutschland, sollte sich im eigenen Interesse auf das immer deutlicher werdende Feindbild der USA einstellen.[6]

NSA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinter der weltweiten Ausspähung aller Daten sieht Braml weniger das Sicherheitsbedürfnis als wirtschaftliche Motive, sich gegenüber Konkurrenten einen Vorteil zu verschaffen. Letztlich geht es auch um den Dollar als Leitwährung und den Euro als Konkurrenz.

Der Dollar als Weltleitwährung ist angezählt. Die Amerikaner müssen sich darauf einstellen, dass sich die unipolare Weltordnung, in der der Dollar dominiert hat, in eine multipolare wandeln wird. Das heißt, neben dem Dollar gibt es einen starken Euro und einen chinesischen Renminbi, der immer mehr von einer regionalen zu einer internationalen Währung wird.

Daraus ergibt sich nach seiner Interpretation das Interesse der USA über alle wirtschaftspolitischen Vorgänge genauestens Bescheid zu wissen.[7]

Publikationen[8][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der amerikanische Patient. Was der drohende Kollaps der USA für die Welt bedeutet. Bundesamt für Politische Bildung Schriftenreihe (Bd. 1237), Siedler-Verlag, München 2012, ISBN 978-3886809981
  • Auf Kosten der Freiheit: Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa. 2016, ISBN 978-3869950860
  • Das Politische System der USA, Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung, Nr. 320/2013.
  • Wechseljahre: Amerika zwischen den Wahlen, München: Bayerische Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, 2012
  • The Religious Right and US Middle East Policy, Emirates Occasional Paper (EOP) Series (Internat. Peer Review), No. 59, Abu Dhabi: Emirates Center for Strategic Studies and Research (ECSSR), 2005.
  • Amerika, Gott und die Welt. George W. Bushs Außenpolitik auf christlich-rechter Basis, Berlin: Matthes & Seitz, 2005.
  • Think Tanks versus „Denkfabriken“? U.S. and German Policy Research Institutes‘ Coping with and Influencing Their Environments; Strategien, Management und Organisation politikorientierter Forschungsinstitute (deutsche Zusammenfassung)/Mit einem Vorwort von Winand Gellner; Baden-Baden: Nomos, 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Video auf Tagesschau.de : Josef Braml, Politikwissenschaftler, mit Einschätzungen zu den US-Vorwahlen
  2. USA-Experte Josef Braml: "Es wäre wünschenswert, dass das politische Gezänk aufhört". In: www.wiwo.de. Abgerufen am 25. Mai 2016.
  3. - Der kranke Mann am Potomac. In: Deutschlandfunk. Abgerufen am 25. Mai 2016 (de-de).
  4. "Ausverkauf der amerikanischen Demokratie" – eine Warnung. In: hpd.de. Abgerufen am 25. Mai 2016.
  5. FOCUS Online: Was in den USA geschieht, werden wir hier zu spüren bekommen. In: FOCUS Online. Abgerufen am 25. Mai 2016.
  6. https://dgap.org/de/article/getFullPDF/28009
  7. Steffen Richter: Abhörskandal: "Das Interesse an Merkels Handy ist wirtschaftlich begründet". In: Die Zeit. 24. Oktober 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 25. Mai 2016]).
  8. https://dgap.org/sites/default/files/user_downloads/ver-ffentlichungsliste-braml-2016-03.pdf