Josef Koudelka

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Josef Koudelka im Essener Folkwang-Museum bei der Verleihung des Dr.-Erich-Salomon-Preises der Deutschen Gesellschaft für Photographie, 7. November 2015

Josef Koudelka (* 10. Januar 1938 in Boskovice, Tschechoslowakei) ist ein französisch-tschechischer Fotograf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1961 bis 1967 absolvierte Koudelka eine Ausbildung zum Luftfahrtingenieur an der Universität Prag. Zur selben Zeit begann er als Reportagefotograf zu arbeiten, insbesondere für das tschechische Theatermagazin Divadlo. Von 1965 bis 1970 war er Theaterfotograf für das Prager Theater za Branou und Mitglied der Vereinigung tschechoslowakischer Künstler. 1968 machte er bahnbrechende Arbeiten während des sowjetischen Einmarsches in die CSSR. 1970 erfolgte der Umzug nach London. Danach war er von 1971 bis 1980 freiberuflicher Fotograf bei der Fotoagentur Magnum. Koudelka lebt seit 1980 in Paris, erhielt dort auch die französische Staatsbürgerschaft[1] und ist seit 2009 Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Koudelka, 1987
Josef Koudelka, 1987

Koudelka schuf in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre ausgedehnte Zyklen über das Leben der romanessprachigen Landbevölkerung[2]. Die Roma in der Tschechoslowakei waren dabei eines seiner Hauptthemen, deren Leben er aus einer Innenperspektive und familiären Nähe heraus schilderte.

Insbesondere aber seine Fotografien während der sowjetischen Besetzung des „Bruderstaates“ CSSR 1968, die das Ende des Prager Frühlings bedeutete, machten ihn auch im Westen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Diese Fotografien wurden zunächst heimlich aus der CSSR geschmuggelt und an Elliott Erwitt, den damaligen Präsidenten der Fotoagentur Magnum, weitergeleitet. Koudelkas Photographien wurden zum ersten Jahrestag der Invasion 1969 durch die Agentur in zahlreichen Zeitschriften veröffentlicht. Zum Schutz Koudelkas und seiner Familie gab die Agentur als Autor lediglich das Kürzel „P.P.“ für „Prague Photographer“ an.[2]

Der Overseas Press Club verlieh dem „anonymen tschechischen Fotografen“ im gleichen Jahr die Robert Capa Gold Medal. Da die Urheberschaft aber von der tschechoslowakischen Polizei leicht aufzudecken gewesen wäre, entschloss sich Koudelka, nach Westeuropa auszuwandern. 1970 reiste auf Einladung von Magnum nach Westeuropa, um das Leben von Romagruppen zu dokumentierten, und kehrte nicht mehr nach Prag zurück. Er ließ sich in London nieder und arbeitete für Magnum. Ab 1980 lebte Koudelka in Paris und wurde 1987 französischer Staatsbürger. Seit 1990 lebt Josef Koudelka auch zeitweilig wieder in Prag.[2]

Einige seiner Bilder aus der Tschechoslowakei der 1960er Jahre werden heute als Sinnbilder der sowjetischen Besetzung betrachtet und gelten als Meilensteine des künstlerischen Fotojournalismus des 20. Jahrhunderts. Erst 1984 bekannte er sich öffentlich zu seiner Urheberschaft. In der Tschechoslowakei wurden seine Aufnahmen erstmals 1990 in einer eigenständigen Beilage der Zeitschrift Respekt veröffentlicht.

Koudelkas Schwarzweißfotografien fallen durch ausgeprägte grafische Abstraktion auf und waren prägend für weitere Generationen von Fotojournalisten. Die Menschen wirken auf den Bildern oft verloren, auch weil Koudelka sie gerade in den Grenzbereichen des menschlichen Lebens fotografierte. Gleichzeitig haben viele seiner Arbeiten einen grotesken bis humoristischen Aspekt. Die Bilder künden trotz ihrer formalen Strenge von einem tiefen Humanismus.

Josef Koudelka bedankt sich für die Verleihung des Dr.-Erich-Salomon-Preises der Deutschen Gesellschaft für Photographie, 7. November 2015 – Ausschnitt

2015 wurde Koudelka mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie ausgezeichnet.[3]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Kauf dir ein paar gute Schuhe!“ war die Antwort Koudelkas an einen jungen Fotografen auf die Frage, ob er ihm nicht einen Tipp für seine Karriere geben könnte.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auswahl)

  • Invasion Prag 68. Schirmer/Mosel, München 2008, ISBN 978-3-8296-0359-1 (Vorwort und Chronologie von Jaroslav Cuhra, Jiři Hoppe und Jiři Suk; Nachwort von Irena Šorfová).
  • Josef Koudelka, Robert Delpire, Dominique Edde, Anna Farová: Koudelka: Retrospektive. Edition Braus, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-89904-234-4.
  • Josef Koudelka: Roma. Steidl, Göttingen 2011, ISBN 978-3-86930-388-8.
  • Josef Koudelka: Exils. Delpire Éditeur, Paris 1988.
  • Josef Koudelka: Wall: Israelische und palästinensische Landschaften 2008-2012. Prestel, München 2013.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Josef Koudelka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Josef Koudelka-Retrospektive. Die Wut bewahren. In: Tagesspiegel.de. 17. Juli 2017, abgerufen am 9. Januar 2018.
  2. a b c Fotostiftung Schweiz: Fotostiftung: photographer. Abgerufen am 26. September 2019 (englisch).
  3. Josef Koudelka erhält den Dr.-Erich-Salomon-Preis 2015 der DGPh. Abgerufen am 9. Oktober 2015.
  4. Seite des Museums zur Ausstellung. Abgerufen am 27. April 2014.