Juliaufstand

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4. Juli 1917, Petrograd, Newski-Prospekt: Regierungstruppen schießen Demonstranten mit Maschinengewehren nieder

Als Juliaufstand, Julikrise, Julirevolution oder Juliputsch wird ein Ereignis der Russischen Revolution vom 3. Julijul./ 16. Juligreg. bis 7. Julijul./ 20. Juli 1917greg. bezeichnet.

Während Lenin in Finnland weilte, versuchten einige Führer der Bolschewiki, die Erfolglosigkeit der Provisorischen Regierung in der Kerenski-Offensive zu deren Sturz und somit zur Beendigung der seit der Februarrevolution bestehenden Doppelherrschaft zu nutzen.[1] Dieses Vorgehen wird von verschiedenen Wissenschaftlern als Putsch bezeichnet.[2]

Der ausgerufene Generalstreik scheiterte jedoch ebenso wie eine schlecht koordinierte Erhebung der Kronstädter Matrosen und Roten Garden. Sie begleiteten eine Demonstration mit angeblich bis zu 500.000 Teilnehmern zum Taurischen Palais, dem Sitz sowohl der Petrograder Sowjets als auch der Staatsduma. Dort nahmen sie den sozialrevolutionären Landwirtschaftsminister Wiktor Michailowitsch Tschernow als Geisel, nachdem er sowohl seinen Rücktritt als auch eine Machtübergabe an die Sowjets verweigert hatte. Er wurde von Leo Trotzki befreit, der die Demonstranten mahnte, ihr Anliegen nicht zu „besudeln“. Am Newski-Prospekt kam es zu einem Schusswechsel, die Demonstranten flohen in Panik. Weitere Schießereien folgten, nach zwei Tagen waren 500 Tote und Verletzte zu beklagen.[3]

Die Doppelherrschaft wurde somit zwar tatsächlich beendet, jedoch zugunsten der Provisorischen Regierung. Die Bolschewiki waren vorübergehend geschlagen und wurden wieder in die Illegalität gezwungen. Der Ministerpräsident der Provisorischen Regierung Fürst Georgi Jewgenjewitsch Lwow trat zurück. Sein Nachfolger wurde Kriegsminister Alexander Fjodorowitsch Kerenski, der dadurch de facto Diktator Russlands wurde.[4] Lenin musste in den Untergrund gehen. Die Bolschewiki sahen somit die einzige Chance zu einer Machtübernahme in einem bewaffneten Aufstand. Ihr Ende Juli einberufener Parteitag beschloss daher entsprechende Vorbereitung.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Rabinowitch: Prelude to Revolution. The Petrograd Bolsheviks and the July 1917 Uprising. Indiana University Press, Bloomington In u. a. 1968 (Indiana University International Studies), (Auch: ebenda 1991), ISBN 0-253-20661-8 (Midland Book edition).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Hildermeier: Die Russische Revolution 1905–1921. Suhrkamp, Frankfurt 1989, S. 176 f.
  2. Manfred Hellmann: Die Russische Revolution 1917. Von der Abdankung des Zaren bis zum Staatsstreich der Bolschewiki. dtv. München 1964, S. 255 ff.; Alexander Rabinowitch: Prelude to Revolution. The Petrograd Bolsheviks and the July 1917 Uprising. Indiana University Press, Bloomington 1968, S. 202; Manfred Hildermeier: Die Russische Revolution 1905–1921. Suhrkamp, Frankfurt 1989, S. 166 und 174; Dieter Ruloff: Das sowjetische Herrschaftssystem: Entstehung, Struktur, Niedergang und Ende. in: Cord Jakobeit und Alparslan Yenal (Hrsg.): Gesamteuropa. Analysen, Probleme und Entwicklungsperspektiven. Springer, Wiesbaden 1993, S. 36.
  3. Gerd Koenen: Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus. Beck, München 2017, S. 675.
  4. Richard Pipes: The Russian Revolution. Vintage Books, New York 1990, S. 431–438.
  5. Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005 S. 163 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: July days (1917) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien