Julio Borges

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Julio Borges (2013)

Julio Andrés Borges Junyent (* 22. Oktober 1969 in Caracas, Venezuela) ist ein venezolanischer Politiker. Er ist Vorsitzender der Partei Primero Justicia („Gerechtigkeit Zuerst“). Seit Januar 2017 ist er Präsident der Nationalversammlung.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borges schloss 1992 sein Studium an der Katholischen Universität Andrés Bello, einer bekannten von Jesuiten geführten Privatuniversität in Venezuela, ab. Danach absolvierte er ein Masterstudium der Politischen Philosophie und Sozial-Philosophie am Boston College in den USA (Abschluss 1994), sowie ein weiteres Masterstudium der Politikwissenschaften und Lateinamerikawissenschaften an der Universität Oxford (Abschluss 1996). Die Katholische Universität Andrés Bello ernannte ihn zum Honorarprofessor.

1998 trat Borges ins öffentliche Leben seines Landes ein, als er für den Fernsehsender RCTV seine eigene Sendung „Justicia para Todos“ („Gerechtigkeit für alle“) produzierte und moderierte. In dieser Fernsehsendung wurden unterschiedliche Streitfälle dargestellt, und Borges spielte den „Friedensrichter“, der schließlich ein Urteil fällte. Die Sendung war sehr populär, wurde allerdings auch dafür kritisiert, dass Gewalt dargestellt wurde zu einer Uhrzeit, wenn Kinder fernsehen.

Zu dieser Zeit trat Borges der Bewegung „Primero Justicia“ bei. 1999 wurde er von dieser Organisation für die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung aufgestellt und schließlich auch gewählt.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde „Primero Justicia“ eine politische Partei. Borges wurde Abgeordneter des Staates Miranda in der Nationalversammlung und in den Folgejahren Mitglied verschiedener einflussreicher Ausschüsse und Kommissionen.

Seit Hugo Chávez venezolanischer Präsident wurde, ist Borges ein lautstarker Kritiker der Regierung. Er und seine Partei unterstützten den Staatsstreich im April 2002.

Seine Partei unterstützte offen den „Ölstreik“ 2002/2003. Borges wurde von der Regierung vorgeworfen, städtische Unruhen zu unterstützen, sich gegen die Regierung zu verschwören und ein Agent der CIA zu sein. Diese Vorwürfe wurden von Borges zurückgewiesen.

Borges war einer der größten Unterstützer des Misstrauensvotums gegen Chávez im Jahr 2004. Nachdem Chávez gewonnen hatte, beschuldigte er ihn der Wahlfälschung. Nach den von der „Primero Justicia“ verlorenen Regionalwahlen im selben Jahr wiederholte er seine Wahlfälschungsvorwürfe.

Am 27. Mai 2005 kündigte Borges seine Kandidatur für die Wahlen zum Präsidenten von Venezuela an, die am 3. Dezember 2006 stattfanden. Das Motto der Wahlkampagne lautete „Hacia el Progreso Popular“ („Für den Fortschritt des Volkes“). Borges zog während der Vorwahlen seine Kandidatur am 9. August 2006 zugunsten von Manuel Rosales (Gouverneur des Bundesstaates Zulia) zurück.

Nach dem Sieg des Oppositionsbündnisses Mesa de la Unidad Democrática, zu dem auch Primero Justicia gehört, bei der Parlamentswahl 2015 wurde Borges zunächst Sprecher des parlamentarischen Mehrheitsblocks. Im Januar 2017 übernahm er das Amt des Präsidenten der Nationalversammlung.

Ende Juni 2017 sagte Borges voraus, dass eine geplante verfassungsgebende Versammlung nur die Krise verstärken würde; was Präsident Maduro ankündigte sei nichts Anderes als das Eingestehen, dass in Venezuela eine Diktatur herrsche. Er forderte die Streitkräfte auf, genau hin zu hören, wenn der Präsident spreche.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Borges: Palabras de Maduro son la aceptación de la dictadura en Venezuela, El Nacional, 27. Juni 2017