Feurich Klavier- und Flügelfabrikation

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FEURICH Pianos & Flügel
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Gründung 1851
Sitz Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Pflichtparameter fehlt
Produkte KlaviereVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.feurich.com

Instrumente der Marke Feurich gibt es seit 1851 in Leipzig, Sachsen, wo sie bis 1948 erzeugt worden sind.

Altes Logo von Feurich
Welte-Mignon-Kabinett mit Feurich-Klaviereinbau

Die Marke[Bearbeiten]

Feurich ist eine Klavierbaufamilie und Klaviermarke mit historischen Wurzeln in Leipzig.

Feurich-Instrumente werden heute zum einen in Ningbo, China, in der Klavierfabrik Hailun hergestellt und unter Federführung der Wiener Vertriebs- und Entwicklungsgesellschaft (Wendl & Lung) weltweit vertrieben.

Der Gründer-Urenkel, Julius Feurich in Gunzenhausen, ist in die Markenrechte Feurich sowie in die Produktion von Feurich Instrumenten seit Anfang 2012 nicht mehr involviert.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Leipzig war neben Paris, London, Wien eine der wichtigsten Städte der europäischen Musikkultur. Hier gründete Julius Gustav Feurich 1851 die Pianofortefabrik Feurich.

Um 1860 waren bereits über 400 Instrumente gefertigt und verkauft. Es folgten in den Jahren größere und modernere Fabrikgebäude und immer größere Stückzahlen. Um die Jahrhundertwende waren fast 14.000 Pianinos und Flügel gefertigt. Neben Feurich waren in Leipzig die Klavierhersteller Blüthner, Schimmel, Gebr. Zimmermann, Hupfeld sowie verwandte Industrie angesiedelt.

Es folgten die Jahre der Reproduktionsinstrumente. Feurich arbeitete mit vielen sehr erfolgreichen Unternehmen dieses Gewerbes zusammen. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Hugo Popper, einem Hersteller von mechanischen Musikinstrumenten. Die Selbstspielsysteme Welte-Mignon von M. Welte & Söhne, Phonola von Hupfeld, aber auch Duca von Phillips, wurden eingebaut.

Der Erste Weltkrieg brachte hier schwere Rückschläge, so wurden statt Klaviere zunehmend Verpackungsbehälter für diverse Kriegsgüter gefertigt. Bis 1919 wurden über 34.000 Pianinos und Flügel gebaut.

Zwischen den Kriegen[Bearbeiten]

Während der Inflationszeit, als die Menschen, da das Geld seinen Wert nicht behielt, es sofort in Sachwerte umtauschten, lief die Produktion auf vollen Touren; später, während der Weltwirtschaftskrise, als die Menschen ihr Geld für lebensnotwendige Dinge ausgeben mussten, sank die Produktion auf einen Bruchteil davon herab. Feurich erzeugte in dieser Zeit zudem Gehäuse für Radioapparate.

Im Zweiten Weltkrieg musste wieder auf die Produktion „kriegswichtiger Dinge“ – Verpackungskisten für optische Geräte und Flakscheinwerfer – übergegangen werden. 1943 wurde das Fabrikgebäude zerbombt, die Fertigungsanlagen, sämtliche geschichtlich für das Unternehmen relevanten Ausstellungsstücke, sonstigen Unterlagen und Modelle für die Konstruktionen waren verloren. Vorübergehend konnte die Fabrikation in der Harmoniumfabrik Theodor Mannborg fortgeführt werden.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Krieg wurden erst Reparaturen durchgeführt, erst 1950 verließen wieder neue Instrumente die Fabrik. Julius Feurich jun. floh bereits 1951 nach Westdeutschland, wo er Aufnahme bei der Klavierfabrik Euterpe in Mittelfranken fand, deren Teilhaber er wurde. Dort wurden Klaviere der Marke Feurich erzeugt. Staatsstellen der DDR machten Julius Feurich sen., der die Unternehmensleitung in Leipzig hatte, Schwierigkeiten bei der Fortsetzung des Betriebes in Langlau. 1958 wurde ihm nahegelegt, den Betrieb verstaatlichen zu lassen. Darauf flohen die in der DDR verbliebenen Mitglieder der Familie Feurich ebenfalls in den Westen. 1959 wurde das Unternehmen Julius Feurich Pianofortefabrik GmbH im Westen neu gegründet.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Mit dem Aufkommen der riesigen japanischen Klavierfabriken Yamaha und Kawai wurde es für die deutschen Hersteller zunehmend schwieriger, die Stückzahlen zu halten. 1991 wurde das Unternehmen Euterpe – und damit ein Teil von Feurich – von der Unternehmensgruppe Bechstein übernommen. Die Instrumente wurden vorerst in Berlin erzeugt. Der Geschäftsführer von Feurich, Julius Matthias Feurich, war nicht glücklich, dass der Unternehmensname (Firma) Feurich nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen sollte, so kaufte er 1993 die dem Unternehmen Bechstein gehörenden Anteile von Feurich aus dem Bechstein-Verbund heraus. 1994 stellte Feurich nach drei Jahren Pause wieder auf einem eigenen Stand auf der Frankfurter Musikmesse aus. Diese Instrumente wurden zunächst bei Rönisch in Leipzig gefertigt, bis das eigene Unternehmensgebäude in Gunzenhausen in der Nähe von Nürnberg fertiggestellt war, wo von 1999 bis 2009 alle Feurich-Klaviere und -Flügel in Handarbeit durch hochqualifizierte Klavierbauer gefertigt wurden.

Bis 1998 erzeugte das Unternehmen Feurich 76.210 Instrumente. Danach wurden vor allem zwei Piano-Modelle – die Baugrößen 118 cm und 123 cm – und zwei Flügel-Modelle – Baugrößen 172 cm und 227 cm – in kleinen Stückzahlen produziert.

In den Jahren 2010 und 2011 bestand eine Kooperation zwischen der Wiener Firma Wendl & Lung und der Feurich Klavier- und Flügelfabrikation GmbH. Beabsichtigt wurde damit eine Erweiterung des Portfolios: Einerseits sollte ein niederpreisiges Segment durch Produkte aus preiswerter chinesischer Fertigung bedient werden, gleichzeitig sollten weiterhin handgemachte Klaviere und Flügel aus Gunzenhausener Produktion angeboten werden.[1]

Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung der Produktion in Gunzenhausen wurde Ende 2011 beschlossen, ab dem 1. Januar 2012 die Zusammenarbeit wieder zu beenden. Das Wiener Unternehmen übernahm 2010 die Mehrheitsanteile der Gesellschaft Feurich, sowie die weltweiten Markenrechte. 2012 erfolgte die komplette Übernahme des Unternehmens. Produktionsstandorte von Feurich sind heutzutage das Hailun-Werk in Ningbo und Burscheid.[2]

Julius Feurich verblieb als Geschäftsführer der J.F. Pianofortemanufaktur GmbH, die nicht mit der Feurich Klavier- und Flügelfabrikation GmbH in Verbindung steht und ihre Produkte fortan unter der Marke „J.F.“ vertrieb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Feurich: Geschichte der Julius Feurich Pianofortefabrik, gegründet 1851. Staccato-Verlag, Köln 1997, ISBN 3-932976-00-2.
  • Ingrid Haslinger: Kunde – Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k. u. k. Hoflieferanten. Schroll, Wien 1996, ISBN 3-85202-129-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Peter Wickel: Ohne China geht es nicht. In: Welt am Sonntag. 10. April 2011, S. 15.
  2. Unternehmensgeschichte auf der Feurich Website