Ludwig Hupfeld AG

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Hupfelds Unternehmensschild mit Händlereindruck in einem Klavier.
Das Hupfeld-Werk in Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig.

Die Ludwig Hupfeld AG war ein in Leipzig ansässiges Unternehmen, das mechanische und selbstspielende Instrumente herstellte und vertrieb. Ihr Gründer war Ludwig Hupfeld.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Hupfeld übernahm am 1. Juli 1892 die zwischen 1880 und 1882 durch J. M. Grob und zwei Partner gegründete Musikalienhandlung J. M. Grob & Co. in Leipzig-Eutritzsch, die anfangs nur Instrumente verkauft hatte, ab 1886 auch selbstspielende Klaviere und Orchestrien baute. Nach der Übernahme wurde der Name in „Hupfeld Musikinstrumentenwerke“ geändert.

Das Unternehmen verkaufte weiterhin Selbstspielinstrumente anderer Hersteller wie das Symphonion, die Kalliope und die selbstspielende Zither Chordephon.

Werbung für die Phonola von 1903.

1902 brachte Hupfeld in Konkurrenz zum amerikanischen Pianola das Phonola als sogenanntes Kunstspielklavier heraus, das zuerst vor allem als sogenannter Vorsetzer in größeren Stückzahlen verkauft wurde. Wie der Name Pianola in Amerika und Großbritannien, wurde die Phonola in Europa zum Synonym für ein selbstspielendes Klavier. Es folgten 1904 das Phonoliszt als elektrisches Klavier mit künstlicher Betonung vor allem für klassische Musik und eher für den Hausgebrauch, während das Clavitist als Gaststättenklavier nur eine bescheidene Betonungseinrichtung besaß und vor allem für Tanz- und Unterhaltungsmusik ausgelegt war und die Grundlage für die meisten Hupfeld-Orchestrien bildete.

Eine große Herausforderung für Hupfeld kam 1904, als das Freiburger Unternehmen M. Welte & Söhne das erste Reproduktionsklavier der Welt mit dem Namen Welte-Mignon auf den Markt brachte. Ludwig Hupfeld benötigte mehr Kapital für die nötigen Investitionen zur Entwicklung und zum Bau neuer Instrumente, daher wurde das bisherige Unternehmen in eine neu gegründete Aktiengesellschaft, die Ludwig-Hupfeld A.G., eingebracht. Im Gegenzug zum Welte-Mignon wurde die Hupfeld DEA entwickelt, ein Reproduktionssystem, das 1908 auf den Markt kam. Später wurde dieses zum Tri-Phonola, einer Kombination von Kunstspiel-, elektrischem und Reproduktionsklavier, weiterentwickelt. Nach 1911 produzierte Hupfeld dann Instrumente, deren Notenrollen sich im Format nach der Buffalo Convention richteten und dann mit dem Zusatz Animatic versehen wurden (Animatic-Clavitist, Animatic-Phonoliszt etc.). Notenrollen wurden mit Animatic (für Phonola), Animatic-S (für Animatic-Clavitist), Animatic-SJ (für Symphonie-Jazz-Orchestrion) und Animatic-T (für Triphonola und Animatic Phonoliszt) bezeichnet.

Hupfeld Phonoliszt Violina, Technisches Museum Wien.

1905 oder 1906 stellte die Mills-Novelty-Company in Chicago, USA, das erste Orchestrion mit einer integrierten Geige vor. Dieses Instrument, die Automatic Virtuosa, hatte im Oberteil eine liegend eingebaute Geige, die Saiten wurden durch vier sich drehende Zelluloid-Scheiben gestrichen. Ab 1909 gab es ein verbessertes Modell, die Violano-Virtuoso.

1908 präsentierte Hupfeld ebenfalls ein Orchestrion mit integrierten Geigen, die von Carl Hennig[1] konstruierte Phonoliszt-Violina. Dies war ein über zwei Meter hohes Instrument mit einem selbstspielenden Klavier im Unterteil, in dessen Oberteil jedoch drei Violinen an einen endlosen rotierenden Geigenbogen gedrückt wurden. Die größeren Instrumente und Orchestrien nannten sich: Sinfonie Jazz, Pan, Phonoliszt-Violina, Dea-Violina, Clavitist-Violina, Pepita, Violina-Orchestra und Helios.

Nach dem Ersten Weltkrieg produzierte Hupfeld auch Kinoorgeln. Über 5 Millionen Notenrollen für die Hupfeld-Musiksysteme wurden im Jahr gefertigt und verkauft. Das Unternehmen produzierte eine riesige Menge an Variationen, so ein Phonoliszt-Violina-Orchestrion mit sechs Violinen und einem automatischen Rollenwechsler, der bis zu 10 Rollen direkt hintereinander spielte. Der Zuhörer konnte die Rolle seiner Wahl per Knopfdruck an einem Kästchen an der Wand selbst bestimmen.

Zwischen 1910 und 1911 wurde in Böhlitz-Ehrenberg, einem heutigen Stadtteil Leipzigs, eine neue, ca. 100.000 m² große Produktionsstätte errichtet, in der anfangs 1.200, einige Jahre später bis zu 2.000 Beschäftigte arbeiteten und Hupfeld damit zum weltweit größten Hersteller mechanischer Musikinstrumente machten. 1910 wurde in Leipzig das Hupfeld-Haus mit Verkaufsräumen und Konzertsaal eröffnet. Hupfeld kaufte namhafte Klavierfabriken – 1918 die Pianofabrik Carl Rönisch in Dresden, 1920 A. H. Grunert in Johanngeorgenstadt und 1924 Steck in Gotha. Doch der Markt veränderte sich und die schlechter laufenden Geschäfte zwangen Hupfeld 1926 zur Fusion mit der Klavierfabrik Gebrüder Zimmermann, die sich 1904 in Eilenburg niedergelassen hatten und dort über eine große und moderne Fabrikation verfügten. Das Unternehmen firmiert von nun an unter Leipziger Pianoforte- & Phonola-Fabriken, Hupfeld-Gebr. Zimmermann AG Eilenburg und hatte Standorte in Leipzig, Eilenburg, Dresden und Seifhennersdorf. Das Unternehmen war mittlerweile der größte Pianohersteller Europas.

Gegen Ende der 1920er Jahre brach der Absatz durch das Aufkommen von Schallplatten und Radios stark ein. Am 30. Juni 1931 wurde das Eilenburger Werk geschlossen. Die Produktion musste 1934 fast vollständig eingestellt werden, es wurden nur noch in bescheidenem Umfang Klaviere produziert. Die Produktionsanlagen wurden im Zweiten Weltkrieg zur Herstellung von Militärbedarf genutzt und wurden durch Bomben sehr stark beschädigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ludwig Hupfeld enteignet, das Unternehmen wurde 1949 in VEB Deutsche Pianounion umfirmiert, das aber weiterhin Klaviere auch unter dem Markennamen Hupfeld produzierte und verkaufte. Danach war die Pianofabrik Leipzig GmbH & Co.KG in der Ludwig-Hupfeld-Str. 16 Inhaber der Markennamen Rönisch und Hupfeld und produzierte bis zur Insolvenz am 13. August 2009 Instrumente mit diesen Namen.[2] Rönisch wurde von der Julius Blüthner Pianofortefabrik übernommen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hupfeld A.-G. Leipzig (Hrsg.): Animatic 88er Notenrollen, Leipzig 1913
  • Hupfeld A.-G. Leipzig (Hrsg.): DEA, Hupfeld Meisterspiel-Instrumente, DEA, DEA-Flügel, DEA-Piano (Unternehmensbroschüre o. J.) [Leipzig 1912].

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitschrift für Instrumentenbau, 32. Bd. 1912-13, S. 19
  2. Neue Musikzeitung, 29. August 2009, abgerufen am 10. Januar 2013

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Daehne: Jubelfeier im Hause Ludwig Hupfeld A.G. in Leipzig. In: Zeitschrift für Instrumentenbau, Jahrg. 37, Nr. 28 (1917)
  • Hupfeld AG. Leipzig (Hrsg.): 1921 Animatic, 88er Animatic- und 73er Phonola-Notenrollen Katalog. Leipzig 1921
  • Andreas Flegel (Hrsg.): Eilenburg in alten Ansichten – Kapitel 37. Zaltbommel, 2002
  • Hans-W. Schmitz: Welte-Mignon und Hupfeld DEA, zwei Reproduktionssysteme in Konkurrenz. In: Das Mechanische Musikinstrument Nr. 19, März 1981, S. 3–18. ISSN 0721-6092
  • Jürgen Hocker: Die Phonola. In: Das Mechanische Musikinstrument Nr. 57, Februar 1993, S. 14–26. ISSN 0721-6092
  • Hans-W. Schmitz: Ein Essay über Hupfelds Notenrollen. In: Das Mechanische Musikinstrument Nr. 79, 2000, S. 16ff. ISSN 0721-6092
  • Hans-W. Schmitz: Übersicht über Hupfeld-Notenrollen. In: Das Mechanische Musikinstrument Nr. 79, 2000, S. 23–24. ISSN 0721-6092
  • Eszter Fontana (Hrsg.): Namhafte Pianisten im Aufnahmesalon Hupfeld. Halle 2001. ISBN 3-932863-34-8 oder ISBN 3-9804574-4-3
  • Gabriele Kämpfe, Eszter Fontana: Historische Tonträgersammlung. Bestandskatalog I. Notenrollen für Kunstspiel- und Reproduktionsklaviere. Musikinstrumenten-Museum der Universität Leipzig 2006 (CD-ROM-Ausgabe).
  • Werner Baus: Ludwig Hupfeld – Sein Lebenswerk. CD-ROM-Ausgabe, Erscheinungsort, -jahr und weitere Details derzeit unbekannt.