C. Bechstein

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C. Bechstein Pianoforte Aktiengesellschaft

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1853
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Stefan Freymuth, Vorstandsvorsitzender[1]
Mitarbeiterzahl ca. 170 in der Bechstein AG, ca. 360 im gesamten Bechstein Konzern[2]
Umsatz 33 Mio. Euro (2012)[3]
Branche Instrumentenbau
Website www.bechstein.com

Die C. Bechstein Pianoforte Aktiengesellschaft ist ein deutscher – weltweit agierender – Hersteller und Händler von Klavieren und Flügeln. Die Klavierfabrik wurde von Carl Bechstein im Jahr 1853 in Berlin, Johannis Straße 5 gegründet und war Hoflieferant des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Heute werden die Instrumente der Marken C. Bechstein und Bechstein in Seifhennersdorf in Sachsen produziert. Zudem stellt das Unternehmen Instrumente unter den Marken W. Hoffmann und Zimmermann her.

Mit jährlich rund 3.700 verkauften Instrumenten ist Bechstein der größte europäische Klavier- und Flügelhersteller.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Bechstein
Alter Bechstein-Schriftzug 1870
Seriennummer eines alten Bechstein-Pianos aus dem Jahr 1870

Die Pianofortefabrik begann Carl Bechstein Carl Bechstein als Ein-Mann-Betrieb. Bis zum Jahr 1859 lieferte Bechstein 176 Instrumente aus. Die für die damalige Zeit ungewöhnliche Stabilität der verwendeten Materialien und die hohe Belastbarkeit der Instrumente ließen den Namen Bechstein rasch bekannt werden. Ende der 1860er-Jahre begann Carl Bechstein mit dem Export seiner Instrumente unter anderem nach Großbritannien und Russland. Als Geschenk an Richard Wagner bestellte König König Ludwig II von Bayern bei Carl Bechstein ein Kompositionsklavier, welches Wagner größte Freude bereitete.[5]

Ab dem Jahr 1870 stellte das Unternehmen jährlich rund 500 Instrumente her. Im Jahr 1882 fand die Gründung einer zweiten Fabrik in Berlin statt. Im Jahr 1885 folgte eine Dependance in London und im Jahr 1897 die dritte Fabrik in Berlin.

In London wurde mit der Bechstein Hall im Jahr 1901 der Bau eines eigenen Konzertgebäudes vollendet. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der folgenden Enteignung und Schließung erhielt das Gebäude im Jahr 1917 den Namen Wigmore Hall und war wieder für den Konzertbetrieb geöffnet. Weitere Konzertgebäude errichtete Bechstein in Paris und Sankt Petersburg. Carl Bechstein verkaufte seine Instrumente an Konzertveranstalter, Kaiserhöfe und Konservatorien. Seine Bekanntheit ließ den Export stark ansteigen.

Nach dem Tod des Firmengründers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod Carl Bechsteins im Jahr 1900 übernahmen seine Söhne Edwin (* 1859), Carl jun. (* 1860) und Johannes (* 1863) das Unternehmen. Edwin übernahm die kaufmännische Leitung, Carl den Instrumentenbau. Im Jahr 1903 hatte der Betrieb 800 Beschäftigte und stellte jährlich 4500 Instrumente her. Im gleichen Jahr gründete die Gesellschaft eine weitere Niederlassung in Paris.

Während des Ersten Weltkrieges kam im Jahr 1916 das Aus für die Bechsteinschen Auslandsfilialen. Die britische Regierung hatte die Zwangsliquidation aller deutschen Niederlassungen angeordnet; auch in Frankreich wurde Bechstein enteignet.

Edwin und seine Frau Helene Bechstein (geborene Capito) kauften sich im Jahr 1923 wieder in das Unternehmen ein. Edwin war im Jahr 1916 nach einem Streit mit seinem Bruder ausgeschieden und hatte sich auszahlen lassen. Helene Bechstein, nun Mitinhaberin des Unternehmens, war eine frühe Verehrerin Adolf Hitlers. Zusammen mit Elsa Bruckmann (Gattin des Verlegers Hugo Bruckmann) ermöglichte sie dem damals meist nur regional Aufsehen erregenden Hitler den Aufstieg in die „besseren Kreise“ in München und Berlin. Sie unterstützte ihn auch finanziell in umfassender Weise. Diese Aktivitäten waren dem Unternehmen indessen nicht zuträglich. Wegen Helenes offener antisemitischer Einstellung verlor man einige wichtige Kunden.[6][7]

Während des Zweiten Weltkrieges richtete man innerhalb des Unternehmens eine Abteilung für Propellerbau ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bechstein-Flügel von 1893
Bechstein Jugendstilflügel, 1902

Wegen der engen Kontakte zum nationalsozialistischen Regime beschlagnahmte und entnazifizierte die amerikanischen Besatzungsmacht die Firma Bechstein. Die amerikanische Treuhändergesellschaft hob im Jahr 1951 diese Beschlagnahme wieder auf. Im Jahr 1959 gründete Bechstein eine weitere Fabrik in Karlsruhe. Die Zahl der jährlich dort wie in Berlin gebauten Instrumente belief sich in den 1960er-Jahren auf 1000 Stück. Später folgte ein weiterer Standort in Eschelbronn.

Eigentümer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historie der Rechtsform der heutigen Carl Bechstein AG
Jahr Rechtsform bzw. Eigentümer
1853 Carl Bechstein als Einzelunternehmer
1906 offene Handelsgesellschaft (OHG)
1923 Aktiengesellschaft im Familienbesitz
1945 Amerikanische Treuhändergesellschaft
1951 unbekannt
1963 Erwerb aller Anteile durch den US-amerikanischen Klavierhersteller Baldwin Piano Company
1973 Umwandlung der Firma Bechstein in eine GmbH
1986 Kauf durch Unternehmer und Klavierbaumeister Karl Schulze
2003 Strategische Partnerschaft mit dem südkoreanischen Musikinstrumentenhersteller Samick durch Beteiligung
2009 Abgabe der Anteile der Firma Samick durch Kapitalerhöhungen
offen Börsengang
2016 Delisting der Aktie und Übernahme von 90 % der Aktien durch die Kuthe GmbH (Berlin)[8]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tätigkeitsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2017 lag der Umsatz des C. Bechstein Konzerns bei 35,1 Mio. Euro (2016: 33 Mio. Euro), der Jahresüberschuss bei 2,3 Mio. Euro.

  • Pianoherstellung und Verkauf: Im Jahr 2017 wurden 3656 Instrumente verkauft.
  • Konzertveranstalter: C. Bechstein ist europaweit als Konzertveranstalter tätig. In der Vergangenheit konnte Bechstein international erfolgreiche Pianisten verpflichten, etwa Kit Armstrong, Igor Levit, Alice Sara Ott oder Lise de la Salle. Darüber hinaus hat das Unternehmen die Konzertreihe C. Bechstein Young Professionals gegründet. Hier erhalten Klavierstudierende verschiedener deutscher Musikhochschulen als Talentförderung die Möglichkeit, ihre ersten Konzerte zu geben.
  • Sponsoring: Unter der Schirmherrschaft des Pianisten Vladimir Ashkenazy fand im März 2006 der erste 1. Internationale Carl Bechstein Klavierwettbewerb – Ruhr an der Folkwang-Hochschule in Essen statt. Die Preisträger erhielten neben Geldpreisen auch Konzertengagements. Jährlich gibt es C. Bechstein Hochschulwettbewerbe, 2009 beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf sowie den C. Bechstein Hochschulwettbewerb Baden-Württemberg in Mannheim, 2010 in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, 2011 C. Bechstein Hochschulwettbewerb Baden-Württemberg in Trossingen[9].
  • Stifter: Die C. Bechstein Pianoforte AG gehörte zu den Stiftern der 2012 gegründeten, gemeinnützigen Carl Bechstein Stiftung.

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Bechstein Concert
  • C. Bechstein Academy
  • W. Hoffmann
  • Zimmermann
  • Euterpe (Produktionsende im Jahr 2009)
  • Wilh. Steinmann (Produktionsende im Jahr 2009)

Produktionsstätten und Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Seifhennersdorf werden die Marken C. Bechstein und Bechstein Academy produziert.
  • Im tschechischen Hradec Králové wird die Marke C. Bechstein EUROPE s.r.o. produzuiert.
  • Bechstein unterhält in 16 deutschen Städten Vertretungen, die von Bechstein Centrum genannt werden. Ein weiteres Centrum befindet sich in Hradec Králové.

Pianisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Jahrzehnte bevorzugen bedeutende Komponisten wie Franz Liszt, Richard Wagner oder Claude Debussy und berühmte Pianisten wie Wilhelm Backhaus, Walter Gieseking, Artur Schnabel, Wilhelm Furtwängler, Wilhelm Kempff oder Jorge Bolet Flügel der Marke C. Bechstein.

Bereits seit den Anfängen der modernen Tonaufzeichnungen nahmen Pianisten auf Bechstein auf. Berühmte Einspielungen aus den 1930er-Jahren stammen beispielsweise von Artur Schnabel (sämtliche Beethoven-Sonaten für HMV) und Edwin Fischer (Das Wohltemperierte Klavier von Bach für HMV). Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten Pianisten wie Jorge Bolet (Decca) und Dinu Lipatti (EMI) Schallplatten auf Bechstein ein. Aus jüngster Zeit stammen CD-Produktionen auf Bechstein von Aldo Ciccolini, Konstantin Lifschitz, Abdel Rahman El Bacha, Michel Dalberto, Boris Bloch, Pavel Gililov, Shani Diluka, Zhang Hai’ou, David Theodor Schmidt.[10] Im Bereich des Jazz haben Oscar Peterson, Joachim Kühn und noch im Jahr 2009 Paul Kuhn auf Bechstein aufgenommen. In der Popmusik nahmen die Beatles Hey Jude und White Album auf einem Bechstein auf, ebenso wie David Bowie, Freddie Mercury (Queen: A Night at the Opera), Supertramp, Elton John (Your Song) oder Peter Gabriel. Zahlreiche Schallplatten wurden dabei in den Abbey Road und den Trident Studios aufgezeichnet.[10]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste, für den Pianisten Hans von Bülow 1856 gebauter Konzertflügel trägt die Produktionsnummer 100. Diese Nummer kann aber angesichts der Produktionszahlen nicht richtig sein und hatte wohl nur kosmetischen Charakter.

Im Jahr 1896 organisierten Industrielle und Gewerbetreibende in Berlin die Berliner Gewerbeausstellung in Treptow, auf welcher Bechstein mit ausgewählten Instrumenten als Aussteller vertreten war. Diese wurden mit der Goldenen Staatsmedaille für hervorragende gewerbliche Leistungen prämiert.

Alexander Skrjabin schrieb am 8. Dezember 1910 an den Pianisten Matwej Presman im Hinblick auf eine geplante Konzerttournee: „Ich sende Dir das Programm meiner Konzerte. Ich vergaß, Dir mitzuteilen, daß ich jetzt immer auf einem Bechstein spiele. Deshalb sei bitte so gut zu veranlassen, daß mir in allen drei Städten gute Instrumente (Bechstein natürlich) bereitgestellt werden.[…]“[11]

Bechstein stellte der Weltausstellung in Barcelona einen vergoldeten Bechstein-Flügel zur Verfügung. Man konstruierte den ersten elektro-akustischen Flügel (Neo-Bechstein), der die Hausmusik beflügeln sollte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C.-Bechstein-Pianofortefabrik Aktiengesellschaft und Berenice Küpper (Hrsg.): Klavierwelten. Faszination eines Instruments. Nicolai-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-87584-963-9 (englische parallele Ausgabe: The World of Pianos. Fascination with an Instrument. ebenda 2005, ISBN 3-87584-993-0).
  • Hagen W. Lippe-Weißenfeld: Das Klavier als Mittel gesellschaftspolitischer Distinktion. Kultursoziologische Fallstudie zur Entwicklung der Klavierbauindustrie in England und Deutschland an den Beispielen Broadwood und Bechstein. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2007, ISBN 978-3-631-56268-0 (Beiträge zur europäischen Musikgeschichte 11), (Zugleich: Berlin, Freie Univ., Diss., 2006).
  • Peter Donhauser: Elektrische Klangmaschinen. Die Pionierzeit in Deutschland und Österreich. Böhlau, Wien u. a. 2007, ISBN 978-3-205-77593-5 (zum Neo-Bechstein).

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Klavier geht um die Welt. Dokumentation, Deutschland, 2008, 45 Min., Buch und Regie: Michael Busse und Maria-Rosa Bobbi, Produktion: WDR, Erstausstrahlung: 28. April 2008, Inhaltsangabe vom WDR

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: C. Bechstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bechstein.com: Impressum
  2. Geschäftsbericht 2010. (PDF) bechstein.com
  3. Thomas Christmann: Ein goldenes Klavier aus Seifhennersdorf für China. In: Sächsische Zeitung. 2. Mai 2013 (kostenpflichtig online [abgerufen am 2. Mai 2013]).
  4. Konzernabschluss zum 31. Dezember 2017 sowie Konzernlagebericht 2017 (PDF)
  5. Der Goldene C. Bechstein Luxusflügel (Memento vom 18. Juli 2013 im Webarchiv archive.is)
  6. Klaus-Peter Schmid: Bechstein: Wohlklang aus Seifhennersdorf. In: Die Zeit, Nr. 1/1998
  7. Ursula Seiler: Wer finanzierte Hitler. In: ZeitenSchrift. Nr. 47, 2005.
  8. Bekanntmachung der Börse Berlin (PDF) vom 17. Mai 2016; wurde wie angekündigt durchgeführt.
  9. Bechstein: C. Bechstein Klavierwettbewerbe. In: bechstein.com. Abgerufen am 25. Mai 2015.
  10. a b CDs & DVDs auf bechstein.com.
  11. Alexander Skrjabin: Briefe. Mit zeitgenössischen Dokumenten und einem Essay von Michail Druskin. Hrsg. und Übersetzung der Briefe Skrjabins sowie der Dokumente aus dem Russischen von Christoph Hellmundt; Übersetzung des Essays von Michail Druskin von Gertraude Krueger. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig 1988 (= Reclams Universal-Bibliothek, Bd. 1260: Kunstwissenschaften) ISBN 3-379-00360-3, S. 311.