Käthe Niederkirchner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Käthe Niederkirchner auf einer Briefmarke der DDR

Käthe Niederkirchner, genannt Katja, (* 7. Oktober 1909 in Berlin; † 28. September 1944 in Ravensbrück) war eine kommunistische Widerstandskämpferin im Dritten Reich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Käthe Niederkirchner war eines von fünf Kindern des kommunistischen Gewerkschaftsfunktionärs und Rohrlegers Michael Niederkirchner. Ihre Mutter stammte aus einer slowakischen Landarbeiterfamilie und lebte zum Zeitpunkt von Käthes Geburt erst seit vier Jahren in Deutschland. Der Großvater, der aus einer Familie von in Ungarn ansässigen Deutschen stammte, war Steinbrucharbeiter.[1] Politisch folgte sie schon früh den Fußstapfen ihres Vaters und war Mitglied einer kommunistischen Kindergruppe. 1925 trat sie dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands bei und schloss sich 1929 der KPD an. Nach Abschluss einer Schneiderlehre war Niederkirchner meistens arbeitslos. In der Folge beteiligte sie sich umso intensiver am politischen Kampf ihrer Partei. Unter anderem verteilte sie Flugblätter und hielt Reden auf politischen Veranstaltungen. Am 27. März 1933 wurde sie erstmals verhaftet und anschließend aus Deutschland ausgewiesen, da sie wegen der donauschwäbischen Herkunft ihres Vaters die ungarische Staatsbürgerschaft hatte. Sie folgte ihrer Familie in die Sowjetunion. In Moskau konnte sie endlich studieren und wurde Sprecherin in den deutschen Sendungen von Radio Moskau. Ihr älterer Bruder Paul Niederkirchner (1907–19. Oktober 1938) wurde 1938 im Zuge des Großen Terrors vom sowjetischen Geheimdienst NKWD in Moskau verhaftet und dort erschossen.[2]

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 meldete sich Niederkirchner zur Roten Armee, um am Kampf gegen den Faschismus teilzunehmen. Im Juli 1941 heiratete sie den Spanienkämpfer Heinz Wieland. Niederkirchner wurde intensiv auf eine Untergrundarbeit in Deutschland vorbereitet. Am 7. Oktober 1943 sprang sie gemeinsam mit Theodor Winter aus einem sowjetischen Flugzeug über dem von Deutschland besetzten Polen ab. Gemeinsam sollten sie in Berlin Kontakt mit illegalen Gruppen aufnehmen, wurden aber auf dem Weg dorthin entdeckt, von der Gestapo verhaftet und unter Folter verhört. Ohne Gerichtsverfahren wurde Niederkirchner in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert und Ende Mai 1944 in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt, wo sie in Isolationshaft genommen wurde. In dieser Zeit fertigte sie geheime Tagebuchaufzeichnungen an, die erhalten geblieben sind.

In der Nacht vom 27. zum 28. September 1944 wurde Käthe Niederkirchner von Angehörigen der SS erschossen.

Ihre Nichte Käte Niederkirchner praktiziert als Kinderärztin in Berlin und war 23 Jahre lang Abgeordnete der Volkskammer der DDR; als deren Vizepräsidentin bereitete sie 1990 den Einigungsvertrag mit vor.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Pappelallee 22, in Berlin-Prenzlauer Berg

Nach Käthe Niederkirchner waren mehr als 300 Kollektive und Betriebe, Kindergärten und Sportvereine in der DDR benannt. Viele Einrichtungen tragen ihren Namen auch heute noch.

  • In Berlin-Mitte wurde 1951 die Prinz-Albrecht-Straße nach ihr benannt.[3]
  • In Berlin-Prenzlauer Berg gibt es die Käthe-Niederkirchner-Straße. Die Schule in unmittelbarer Nähe in der Bötzowstraße 11 war nach Käthe Niederkirchner benannt (heute Kurt-Schwitters-Oberschule).[4]
  • in Leipzig gibt es die Niederkirchnerstraße im Stadtteil Zentrum-Süd,
  • In Hoyerswerda gibt es die Käthe-Niederkirchner-Straße in der Neustadt.
  • in Radebeul war das, heute denkmalgeschützte, Feierabendheim „Käthe Niederkirchner“ nach ihr benannt,
  • in Wismar gibt es die Katja-Niederkirchner-Straße im Stadtteil Wendorf,
  • in Schwedt gibt es ebenfalls eine Katja-Niederkirchner-Straße.
  • in Leutenberg wurde in den 1970er Jahren das FDGB-Ferienheim "Katja Niederkirchner" eröffnet, das nach er politischen Wende unter anderem als Asylantenwohnheim genutzt wurde und seit Mitte der 1990er Jahre dem Verfall preisgegeben ist.
  • In Parkentin (Mecklenburg-Vorpommern, Kreis Bad Doberan) war bis 1991 eine Schule nach ihr benannt (Katja-Niederkirchner-Oberschule, jetzt Grundschule Parkentin),
  • In Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern, Kreis Ludwigslust) gab es eine Schule, die nach ihr benannt war (Katja-Niederkirchner-Oberschule, jetzt Grundschule am Friedensring),
  • in Dreilützow (Mecklenburg-Vorpommern, Kreis Ludwigslust) gab es eine (Dorf-)Schule, die nach ihr benannt war (Katja-Niederkirchner-Oberschule, diese Schule wurde Mitte der 1980er-Jahre geschlossen und nach Wittenburg verlegt. Die ehemaligen Schulgebäude (zwei Holzbaracken) sind mittlerweile abgerissen),
  • in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) gab es ebenfalls eine Schule (Katja-Niederkirchner-POS, jetzt Rudolfschule).
  • In Domersleben (Sachsen-Anhalt, Landkreis Börde) gab es eine Schule, die nach ihr benannt war (Katja-Niederkirchner-Oberschule, jetzt Grundschule Martin Selber Domersleben) [5]
  • In Potsdam (Brandenburg) Kaiser-Friedrich-Straße 143 (Sitz des Polizeipräsidiums Land Brandenburg) befindet sich eine Gedenkstätte für Käthe Niederkirchner.
  • Am 31. Juli 1964 wurde das im VEB Warnow-Werft Warnemünde gebaute Frachtmotorschiff vom Typ X auf den Namen Käthe Niederkirchner getauft.
  • das auf dem Flugplatz Peenemünde stationierte Fliegertechnische Bataillon 9 der NVA erhielt am 1. März 1970 den Ehrennamen Käthe Niederkirchner, ebenso 1973 die Dienststelle der Luftstreitkräfte in Karlshagen[6]
  • in Dahlwitz - Hoppegarten wurde eine Oberschule "Käthe Niederkirchner" genannt, heute heißt sie Peter Joseph Lenné Grund - und Oberschule

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Schafranek: Im Hinterland des Feindes. Sowjetische Fallschirmagenten im Deutschen Reich 1942–1944. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. (Hrsg.), Jahrbuch 1996, Wien 1996, S.10–40.
  • Eberhard Panitz: Käte – eine biographische Erzählung über Käte Niederkirchner nach Aufzeichnungen und Berichten ihrer Schwester Mia. Verlag Neues Leben, Berlin 1955.
  • Eberhard Panitz: Käthe Niederkirchner. GNN-Verlag Sachsen, Schkeuditz, ISBN 3-929994-27-5 (Neudruck mit zahlreichen Ergänzungen).
  • Karl Heinz Jahnke: Käte Niederkirchner. In: Karl H. Jahnke: Ermordet und ausgelöscht. Zwölf deutsche Antifaschisten. Mit einem Geleitwort von Karl Kielhorn. Ahriman-Verlag, Freiburg im Breisgau 1995 (Unerwünschte Bücher zum Faschismus, Bd. 8), ISBN 3-89484-553-8, S. 101–105.[7]
  • Guste Zörne, Helga Meyer: Katja aus der Pappelallee. Der Kinderbuchverlag, Berlin 1976.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Käthe Niederkirchner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. icols.org. International Corporation of Lost Structures: Junge Helden des KJVD - Kate Niederkirchner
  2. Information der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
  3. Niederkirchnerstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert) (Berlin)
  4. Käthe-Niederkirchner-Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert) (Berlin)
  5. Webseite der Grundschule Domersleben aufgerufen am 2. Januar 2015
  6. Manfred Kanetzki: MiGs über Peenemünde. Die Geschichte der NVA-Fliegertruppenteile auf Usedom. Media Script, Berlin 2014, ISBN 978-3-9814822-1-8, S. 173.
  7. ahriman.com