Karlshagen
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Mecklenburg-Vorpommern | |
| Landkreis: | Vorpommern-Greifswald | |
| Amt: | Usedom-Nord | |
| Höhe: | 3 m ü. NHN | |
| Fläche: | 5,07 km2 | |
| Einwohner: | 3184 (31. Dez. 2015)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 628 Einwohner je km2 | |
| Postleitzahl: | 17449 | |
| Vorwahl: | 038371 | |
| Kfz-Kennzeichen: | VG, ANK, GW, PW, SBG, UEM, WLG | |
| Gemeindeschlüssel: | 13 0 75 058 | |
| Adresse der Amtsverwaltung: | Möwenstraße 1 17454 Zinnowitz |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Christian Höhn | |
| Lage der Gemeinde Karlshagen im Landkreis Vorpommern-Greifswald | ||
Karlshagen ist ein Ostseebad im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern im Norden der Insel Usedom. Es gehört zum Amt Usedom-Nord mit Sitz in Zinnowitz. Karlshagen liegt zwischen Trassenheide und Peenemünde.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
In Folge des Aufblühens der Kolonie Hammelstall (später Trassenheide) wurde die zugehörige Fischerkolonie, das spätere Karlshagen 1829 mit 27 Wohnstellen ausgesondert. Den Namen Carlshagen erhielt der Ort 1836 mit der urkundlichen Ersterwähnung, wobei der Namen zu Ehren des Stettiner Regierungsrates Carl Triest gewählt wurde, der sich um die Selbstständigkeit der Ansiedlung verdient gemacht hatte.[2]
War in dem PUM (Preußisches Urmesstischblatt) von 1835 am Weg nach Peenemünde nur ein halbes Dutzend Gebäude zu erkennen, war die Ansiedlung Karlshagen im MTB 1880 (Messtischblatt) beträchtlich angewachsen. Vom Friedhof bis zum „Forsthaus Scheide“ war entlang der Straße ein geschlossener Ort mit Abzweigungen in Richtung Peenestrom. Am Strand waren nur die Bootsstelle und die Schuppen der Fischer, aber auch schon eine Gaststätte „Strandhalle“, sowie ein Damen- und ein Herrenbad vorhanden.
Um 1865 hatte der Ort 307 Einwohner, die überwiegend vom Fischfang lebten.[3]
1885 entstand in Karlshagen eine Seebrücke. 1912 erhielt der Ort eine eigene Kirche.
Nach der MTB 1920 verdichtete sich die Besiedlung Karlshagens an der Straße und in Richtung Peenestrom weiter, es befanden sich fast alle Bauten südlich der Straße, lediglich die neu erbaute Kirche befand sich nördlich davon. Erst nach 1990 ist jenseits des Waldes und der breiten Dünenlandschaft am Strand ein als „Seebad Karlshagen“ bezeichneter Ortsteil entstanden.
Karlshagen lag von 1939 bis 1945 im Sperrgebiet der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVA). In den 1930er Jahren wurde eine Wohnsiedlung für die Führungskräfte, Wissenschaftler, Techniker und Arbeiter der HVA errichtet. Obwohl die Siedlung zum größten Teil bei den Luftangriffen in den Jahren 1943/44 zerstört wurde, sind immer noch einige Straßenzüge mit den Häusern erhalten. Zwischen dem nördlichen und südlichen Siedlungsteil verlief die Straße und die Bahnlinie nach Peenemünde. Dort befand sich der Bahnhof Karlshagen-Siedlung. Dieser war mit beiden Siedlungsteilen durch einen langen starken Tunnel verbunden, der auch als Luftschutzbunker diente. Von diesem Bahnhof verkehrte die S-Bahn im Zehnminutentakt zwischen Karlshagen und Peenemünde. Auch das Wehrmachtslager und die Gefangenenlager waren mit der S-Bahn erreichbar.
Während des Zweiten Weltkrieges gab es im Sperrgebiet mehrere Zwangsarbeiterlager. Das waren im Wesentlichen in der Peenestraße in Karlshagen ein Polenlager, ein Kriegsgefangenenlager für sowjetische und zeitweise französische Gefangene und ein Ostarbeiterlager sowie zwischen Karlshagen und Trassenheide das Gemeinschaftslager Trassenheide, in dem neben deutschen, italienischen und holländischen Vertragsarbeitern auch hunderte Ukrainer und Polen ("Polenlager II") untergebracht waren. Im eigentlichen Heeresgutsbezirk Peenemünde befanden sich ab 1943 zudem zwei Außenlager des KZ Ravensbrück mit KZ-Häftlingen. Viele von ihnen starben beim Bombenangriff auf Peenemünde und Karlshagen im August 1943 (Operation Hydra). Die Bombenangriffe auf Karlshagen hatten eigentlich das Ziel, die Elite der HVA auszuschalten. Insgesamt starben bei den Angriffen mehr als 720 Menschen, darunter 213 Zwangsarbeiter. Nach den Bombenangriffen wurden die überlebenden Gefangenen sofort zu Aufräumungs- und Wiederaufbauarbeiten eingesetzt.
Eine Mahn- und Gedenkstätte für Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, die für den Bau der V1- und V2-Raketen im nahen Peenemünde eingesetzt wurden, befindet sich seit 1971 unweit des Ortsausgangsschildes in Richtung Trassenheide.
Zu SBZ- und DDR-Zeiten war das Gebiet nordwestlich von Karlshagen inklusive des Dorfes Peenemünde weiterhin Sperrgebiet, zuerst der Sowjetarmee und danach der NVA. Der Schlagbaum mit der Wache 1 befand sich am nordwestlichen Ortsausgang von Karlshagen, dort, wo er sich zu Zeiten der HVA auch schon befand.
Bis zur Wende befand sich im Südosten Karlshagens bei Trassenheide eines der größten Kinderferienlager der DDR. Die Fläche wurde mit einem Kurzentrum neu erschlossen.
Karlshagen ist seit dem Jahr 1997 wieder staatlich anerkannter Erholungsort und im Jahr 2001 erfolgte die Ernennung zum „Ostseebad Karlshagen“.
Karlshagen gehörte seit seiner Gründung zur preußischen Provinz Pommern und war von 1818 bis 1945 Teil des Landkreises Usedom-Wollin. Von 1945 bis 1952 bildete der nach dem Zweiten Weltkrieg bei Deutschland verbliebene Teil des Landkreises den Landkreis Usedom, welcher 1952 im Kreis Wolgast im Bezirk Rostock aufging. Die Gemeinde gehört seit dem Jahr 1990 zum Land Mecklenburg-Vorpommern und seit dem Jahr 1994 zum Landkreis Ostvorpommern. Dieser ging 2011 im Landkreis Vorpommern-Greifswald auf.
Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 53,7 % zu folgendem Ergebnis:[4]
| Partei / Liste | Stimmenanteil | Sitze |
| Die Linke | 45,19 % | 6 |
| Initiative für Karlshagen | 40,02 % | 6 |
| CDU | 7,54 % | 1 |
| SPD | 7,24 % | 1 |
Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das Wappen wurde am 2. Februar 1999 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 180 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.
Blasonierung: „Geteilt durch Wellenschnitt von Blau und Silber; oben eine nach links fliegende silberne Möwe mit goldenem Schnabel; unten ein blaues Fischernetz.“
Das Wappen wurde vom Wismarer Roland Bornschein gestaltet.
Tourismus und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Tourismus ist für Karlshagen von erheblicher Bedeutung, so verfügt der Ort heute (Stand 2009) über 2804 Gästebetten und verzeichnete 2008 im kurtaxpflichtigen Zeitraum 370.514 Übernachtungen.[5] Über 70 Prozent der Gäste kamen dabei aus den neuen Bundesländern.
Unmittelbar in Strandnähe hinter den Dünen, im Dünenwald gelegen, erstreckt sich auf ca. 1 km Länge mit dem Dünencamp ein ganzjährig geöffneter Campingplatz mit einer Kapazität von etwa 340 Stellplätzen.[5] Am Ostufer des Peenestroms befindet sich, mit 112 Liegeplätzen, einer der wichtigsten Yachthäfen Usedoms und der größte Hafen im deutschen Teil der Insel.
Seit 2000 findet jährlich mit dem Usedom-Beachcup eines der größten Beachvolleyballturniere Europas am Strand des Ostseebades statt.
Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Kirche Karlshagen. Seit dem März 2009 ist die evangelische Kirchgemeinde Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft, die aus der Aktion des Nagelkreuzes von Coventry entstanden ist.[6]
- Promenadenplatz mit Konzertpavillon und zentraler Bronzeplastik
- Marina Karlshagen mit Hotel und gastronomischen Einrichtungen
- Radwegenetz von Marina nach Peenemünde mit Deich, Peeneblick, Ruinen der Peenebunker, Kämmerersee – sowie von Peenemünde in Richtung Karlshagen mit Forsthaus, Ruine Alte Wache, Original-Haltestelle der Werkbahn, Verladeplatz für Baumaterial der HVA, sowie Restbebauung der HVA-Wohnsiedlung mit Bahnhofstunnel
Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
110-kV-Leitung
Zwischen Peenemünde und Karlshagen überquert eine zweikreisige 110-kV-Drehstrom-Freileitung den Peenestrom, deren 75 Meter hohe Masten weit sichtbar sind. Diese Leitung wurde zu Beginn der 1950er Jahre gebaut, um den im Kohlekraftwerk Peenemünde erzeugten Strom, der nach Auflösung der Heeresversuchsanstalt zum größten Teil nicht mehr auf Usedom gebraucht wurde, effektiv zum Festland abzuführen. Später wurde von dieser Leitung eine Stichleitung zum Umspannwerk Karlshagen errichtet.
Nachdem das Kraftwerk Peenemünde 1990 stillgelegt wurde, wurde die 110-kV-Freileitung vom Abzweig der Stichleitung nach Karlshagen zum Kraftwerk Peenemünde abgebaut, so dass die über die Peene führende 110-kV-Drehstromleitung nur noch das Umspannwerk Karlshagen speist.
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Offizielle Internetseite Ostseebad Karlshagen
- Karlshagen auf den Seiten des Amtes Usedom Nord
- Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Karlshagen im SIS-Online. Statistisches Informationssystem.
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2015 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
- ↑ Manfred Niemeyer: Ostvorpommern I. Quellen- und Literatursammlung zu den Ortsnamen. Bd. 1: Usedom. (= Greifswalder Beiträge zur Ortsnamenkunde. Bd. 1), Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Slawistik, Greifswald 2001, ISBN 3-86006-149-6. S. 23 ff
- ↑ Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Bd. 1, W. Dietze, Anklam-Berlin 1865, S. 468–469.
- ↑ [1] (PDF-Datei; 9 kB)
- ↑ a b www.karlshagen.de abgerufen 22. Juli 2009
- ↑ www.nagelkreuzgemeinschaft.de (Memento vom 30. Juli 2013 im Internet Archive) abgerufen 20. April 2009
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