Königlich Preußische Gewehrfabrik Saarn

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Kloster Saarn, Innenhof
Kloster Saarn, Westseite

Die Königlich Preußische Gewehrfabrik Saarn im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Saarn war von 1815 bis 1862 eine preußische Produktionsstätte für Handfeuerwaffen.

Gründung und Betrieb der Gewehrfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Aufhebung des Klosters Saarn durch den Regensburger Reichstag im Reichsdeputationshauptschluss von 1803[1] und etwa fünfjähriger Verwaltung durch die Franzosen, übernahm 1813 gleich zu Beginn der Befreiungskriege die Preußische Domänenverwaltung die Liegenschaft. Damit war der Weg frei für die Einrichtung einer Gewehrfabrik. Gründer war der aus Lüttich stammende Unternehmer Sylvester Trenelle, mit dem Preußen am 6. Januar 1815 einen Vertrag schloss. In seiner neuen Fabrik setzte er Produktionslinien fort, die von der Gewehrfabrik Essen aufgegeben worden waren.[2] Ein Teil der Saarner Fertigung vollzog sich in Hattingen (an der Ruhr im Bereich der Ruhrbrücke).

Die Lage bei Mülheim an der Wasserstraße der Ruhr und die Nähe zum Rhein waren für die Auswahl des Standortes mitentscheidend gewesen, konnten doch auf diese Weise Rohmaterialien wie Steinkohle und Stahl, sowie die fertigen Erzeugnisse schnell und kostengünstig transportiert werden. Auch wurde die Wasserkraft der Ruhr zum Antrieb der Maschinen genutzt, so zum Beispiel in Hattingen für eine Hammerschmiede und Bohrwerke zur Herstellung der Gewehrläufe. Das Hattinger Hammerwerk der „Ruhrmühle“ war auch Lieferant für die Essener Gewehrfabrik, die weiterhin Gewehrschlösser produzierte.[3] Der Stahl kam aus der wenige Kilometer entfernten Dahlhauser Zeche.[4] Die Hattinger Erzeugnisse verschiffte man auf der Ruhr flussabwärts zur Montage nach Saarn.

Verlegung der Gewehrfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der preußische Staat kündigte 1840 den Vertrag mit Trenelle und übernahm den Betrieb der Gewehrfabrik. 1858 wurde die Verlagerung in die neu errichtete Königlich Preußische Gewehrfabrik Erfurt beschlossen. Der wichtigste Grund für die Verlegung war der wechselnde Wasserstand der Ruhr. Neben dem störenden Hochwasser führten vor allem sinkende Pegelstände, die die Mühlen stilllegten, zu Produktionsausfällen. Zweimalige Ausbaggerung der Ruhr 1853 und 1856 konnte das Problem nicht lösen. Als weiterer Grund galt die Nähe des Standortes zur französischen Grenze, was im Kriegsfalle schnell zu einer Besetzung der Fabrik hätte führen können. Die Erfurter Gewehrfabrik nahm am 28. September 1862 die Produktion auf und entwickelte sich rasch zum größten Arbeitgeber der Stadt.[5]

Kloster Saarn nach Auszug der Gewehrfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1874 nutzte die Tapetenfabrik „Niederhoff & Cie.“ einen Teil der Wirtschaftsgebäude. 1905 erwarb der Industrielle August Thyssen die Klostergebäude, die er zehn Jahre später an die katholische Pfarrgemeinde Saarn weiterverkaufte. Von 1919 bis 1920 war der katholische Fürsorgeverein in Mülheim Eigentümer. Die Stadt Mülheim übernahm 1936 die Anlage und richtete dort Wohnungen für ältere Ehepaare ein. Nach den Zeiten des Verfalls ab der 1920er Jahre und der kriegs- und krisenbedingten Untätigkeit begannen ab 1958 erste Sanierungsmaßnahmen. In den Jahren 1979–1989 erfolgte dann die Restaurierung der kompletten Klosteranlage unter Sicherung des archäologischen Befundes.[2] Heute gehört das ehemalige Kloster Saarn zusammen mit Schloss Broich und der Petri-Kirche zu den bedeutenden Bau- und Kulturdenkmalen Mülheims.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Könnig: Die preußisch-deutsche Garnison Erfurt von 1860 bis 1918, Verlag epubli, Berlin 2012, ISBN 978-3-8442-3061-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meyers Konversations-Lexikon, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1896, S. 579
  2. a b Kloster Saarn nach der Aufhebung. kamps-toechter.de, 6. Dezember 2011, abgerufen am 3. April 2013.
  3. Johann Daniel Friedrich Rumpf: Die preußische Monarchie, Verlag C. W. Kecht, Berlin, 3. Ausgabe 1836, S. 193
  4. Presse-Info: Stahl und Eisen aus Dahlhausen an der Ruhr. Vortrag im LWL-Industriemuseum Henrichshütte und letzte Fackelführung. Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), 20. März 2003, abgerufen am 3. April 2013.
  5. Kai Rawe: ZEITZEICHEN 28. September 1862: Verlegung der Saarner Gewehrfabrik nach Erfurt. Stadt Mülheim an der Ruhr, 17. Mai 2017, abgerufen am 28. Mai 2018.
  6. Homepage Kloster Saarn. Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt, abgerufen am 28. Mai 2018.

Koordinaten: 51° 24′ 10,6″ N, 6° 52′ 53,9″ O