August Thyssen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
August Thyssen auf Schloss Landsberg (1912)

August Thyssen (* 17. Mai 1842 in Eschweiler; † 4. April 1926 auf Schloss Landsberg) war ein deutscher Industrieller aus der Unternehmerfamilie Thyssen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnhaus August Thyssens in der Eschweiler Altstadt

Frühe Jahre und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Studium an der Polytechnischen Schule Karlsruhe und der Handelshochschule in Antwerpen arbeitete August Thyssen zunächst wie sein Bruder Joseph Thyssen im Bankhaus seines Vaters Friedrich Thyssen.

Unternehmerische Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1867 gründete er mit mehreren Verwandten in Duisburg in der damaligen preußischen Rheinprovinz das Eisenwerk „Thyssen-Fossoul & Co“. 1870 wurde die Gesellschaft aufgelöst und Thyssen gründete mit dem erlösten Kapital in Styrum bei Mülheim an der Ruhr das Walzwerk Thyssen & Co., das die Keimzelle für einen der größten integrierten europäischen Montankonzerne, die August Thyssen-Hütte, bilden sollte. Im Gegensatz zu anderen Konzernen bildete Thyssen allerdings erst kurz vor seinem Tod eine Holding. Die meiste Zeit existierten seine Unternehmensteile parallel und wurden dezentral geführt. Größte Gesellschaft war hierbei die 1891 übernommene Gewerkschaft Deutscher Kaiser, die im selben Jahr ihre stahlerzeugenden Betriebe in der Landbürgermeisterei Beeck Stadtteil Bruckhausen der Stadt Ruhrort gründeten. Hamborn, der Sitz seiner Zeche gewann durch seine bereits erfolgte Industrialisierung an Bedeutung und wurde als Firmensitz angegeben.

Zusammen mit Hugo Stinnes war Thyssen einer der Gründer der RWE.

In seiner Kriegszieldenkschrift vom September 1914 an den Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg forderte er die „Einverleibung“ des französischen Minettebezirkes um das Fortbestehen der deutschen Eisenindustrie auf lange Zeit zu sichern sowie um Deutschlands „führende Stellung auf dem Kontinent in wirtschaftlicher Beziehung“ aufrecht zu erhalten. Mit der Einverleibung der französischen Kohlenbecken könne man alle Kohleverbraucher in ein Abhängigskeitsverhältnis zum deutschen Staat bringen. Zur Erlangung einer „Weltmachtstellung“ sei es notwendig das Russland das „Dongebiet mit Odessa, die Krim, sowie asowisches Gebiet und den Kaukasus“ an Deutschland abtrete, um England in Ägypten und Indien erreichen zu können. Der Kaukasus mit seinen Manganerzen sei für Deutschland „unentbehrlich“, mit dem Besitz dieser Erze könne man die Stahlproduktion Amerikas von sich abhängig machen, und im Preise beeinflussen können. Außerdem forderte die Einverleibung Belgiens, der russischen Ostseeprovinzen, sowie als Absatzgebiete einen mitteleuropäischen Zollverein und weitere Kolonien in Afrika.[1]

Der Thyssen-Konzern ging 1926 zu großen Teilen in der Vereinigte Stahlwerke AG auf. Die Unternehmungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg neu begründet wurden, verschmolzen 1999 mit KruppHoesch zur ThyssenKrupp AG.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. November 1872 heiratete Thyssen die 18-jährige Hedwig Pelzer (1854–1940), Tochter des Mülheimer Gerbereibesitzers Johann Heinrich Pelzer (1821–1884) und dessen Frau Hedwig geborene Troost. Die Ehe wurde 1885 wieder geschieden. Der Ehe entstammten vier Kinder: Fritz (1873–1951), August junior (1874–1943), Heinrich (1875–1947) und Hedwig (1878–1960). Um eine Auflösung des Thyssen-Konzerns durch die Scheidung zu umgehen, übertrug Thyssen die Eigentumsrechte am Konzern seinen Kindern, behielt aber den Nießbrauch und schloss die Kinder so von der Unternehmensführung aus. Diese Regelung sorgte für erhebliche Konflikte zwischen den Generationen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Treue: Die Feuer verlöschen nie. August Thyssen-Hütte 1890–1926. Econ-Verlag, Düsseldorf/ Wien 1966.
  • Kurt Unbehau: Die Ehrenbürger der Stadt Mülheim an der Ruhr. Mülheim an der Ruhr, 1974, S. 35–40.
  • Manfred Rasch, Gerald D. Feldman (Hrsg.): August Thyssen und Hugo Stinnes. Ein Briefwechsel 1898–1922. C.H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49637-7.
  • Stephan Wegener (Hrsg.): August und Josef Thyssen. Die Familie und ihre Unternehmen. Klartext, Essen 2004, ISBN 3-89861-312-7.
  • Jörg Lesczenski: August Thyssen 1842–1926. Lebenswelt eines Wirtschaftsbürgers. Klartext, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-920-2.
  • Manfred Rasch (Hrsg.): August Thyssen und Heinrich Thyssen-Bornemisza. Briefe einer Industriellenfamilie 1919–1926. Klartext, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0331-9.
  • Stephan Wegener (Hrsg.): Die Geschwister Thyssen. Ein Jahrhundert Familiengeschichte. Klartext, Essen 2013, ISBN 978-3-8375-0894-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reinhard Opitz: Europastrategien des deutschen Kapitals. Köln 1977, S. 221 ff.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]